Franziska Ketterer gibt Einblicke in den Alltag einer Tagesmutter in Albstadt-Ebingen. Für die Kinder bedeutet die Betreuung einen sanften Übergang zum Kindergartenalltag.
Die drei Kleinkinder sitzen in ihren Hochstühlen um den Esstisch herum und knabbern an Apfelschnitzen und Trauben. Zuvor waren sie noch im Freien und haben gespielt und getobt. Jetzt beschäftigen sie sich mit Bausteinen und Rutschfahrzeugen, sausen auf dem Holzboden durch die großzügigen Räumlichkeiten. Es ist ein Tag wie jeder andere in der „Villa Händchenklein“ in der Ebinger Oststadt.
Franziska Ketterer hat alle Hände voll zu tun, die kleine Rasselbande zu versorgen, macht dies aber mit viel Hingabe und Gelassenheit. Dem einen Jungen läuft die Nase, der andere zieht sich seine Socken aus und der dritte rast durch die Gegend.
Von Beruf eigentlich Betriebswirtin
Ganz normaler Alltag bei der Tagesmutter und doch anders als der gestrige oder die, die noch kommen mögen. „Jeder Tag ist wie eine Wundertüte“, lacht Franziska Ketterer, die selbst alleinerziehende Mutter einer Tochter im Grundschulalter ist.
Von Beruf ist sie eigentlich Betriebswirtin, hat aber längst Schreibtisch und Bilanzen gegen Wickeltisch und Naturjoghurt eingetauscht. Dieser Karrierewechsel war der familiären Situation geschuldet, aber Franziska Ketterer sagt voll Überzeugung: „Ich bin noch keinen Tag aufgestanden und habe es als Arbeit empfunden.“ Nicht für jeden oder jede ist diese Aufgabe das Richtige. Manche geben nach den ersten Unterrichtseinheiten auf und überlegen es sich anders, weiß sie.
Eignung und Prüfung
Franziska Ketterer hat eine Ausbildung zur Tagesmutter über den Jugendförderverein Balingen absolviert und arbeitet eng mit diesem zusammen, der auch Anlaufstelle für Eltern ist. Nach 50 Unterrichtseinheiten könne man theoretisch damit beginnen, Kleinkinder zu betreuen, erklärt sie. Um eine unbegrenzte Pflegeerlaubnis zu erhalten, müssen nochmals 250 Unterrichtseinheiten absolviert werden, die sehr vielschichtig angelegt sind. Man benötigt ein polizeiliches Führungszeugnis und geeignete Räumlichkeiten, die begutachtet und abgenommen werden. Außerdem steht immer mal das Jugendamt auf der Matte, um nach dem Rechten zu sehen.
Für Franziska Ketterer alles kein Problem. Sie hat absolutes Verständnis für die strengen Regeln: „Schließlich vertrauen mir die Eltern das Wertvollste an, was sie haben.“ Bis zu fünf Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren darf sie betreuen – momentan sind es drei kleine Jungs – und die beiden freien Plätze sind quasi schon wieder besetzt. Immer wieder seien Eltern auf der Suche nach Betreuungsstellen, zumal es in Albstadt bekanntermaßen zu wenig Kindergarten- und Krippenplätze gibt. Im gesamten Zollernalbkreis arbeiten rund 80 Tagesmütter – und tatsächlich auch zwei Tagesväter.
25 Stunden möglich
Was die Kosten für solch eine relativ individuelle Betreuung betrifft, würden die Eltern tatsächlich oft staunen, meint die Tagesmutter. Sie erhält ihr Honorar von der wirtschaftlichen Jugendhilfe, die beim Jugendamt angesiedelt ist, plus einem „kommunalen Euro“ – eine Förderung der Stadt Albstadt – und muss deshalb keine Rechnungen stellen. Die Eltern zahlen die Betreuungskosten von 1,80 Euro pro Stunde wiederum an die wirtschaftliche Jugendhilfe. Bei einer Betreuungszeit von 20 Stunden in der Woche kostet die Tagesmutterbetreuung also 144 Euro. 25 Stunden sind möglich, wenn beide Elternteile berufstätig sind. An Zusatzkosten kommt bei Franziska Ketterer nichts hinzu. Das Frühstück, das Mittagessen, die Snacks und Getränke sind schon mit inbegriffen.
In der „Villa Händchenklein“ wird besonderer Wert gelegt auf Obst und Gemüse, viel Freispiel, regelmäßige Ausflüge in die Natur, wobei auch der große, elektrische Kinderwagen für sechs Kleinkinder hilfreich ist – je nach Witterung mit Regenverdeck und Thermodecken. Im Innenbereich gibt es eine vom Schreiner maßangefertigte Rutsche für die Kleinen sowie Betten, die man im Ruheraum einzeln ausziehen kann. Und das „Moseskörbchen“, das auf den ersten Blick wie ein großer Hundekorb anmutet, ist besonders bei den Kleinen gefragt.
Extra-Räumlichkeiten
Überhaupt hat man in der „Villa Händchenklein“ ein ganz spezielles Konzept, was mit dem Gebäude in der Herderstraße zu tun hat. Das alte Gebäude hat das Ehepaar Jessica und Daniel Mohr, die ein Ingenieurbüro haben, aufgekauft und renoviert es jetzt nach und nach. „Wir wollen etwas der Allgemeinheit zurückgeben“, erklärt Jessica Mohr, selbst Mutter von zwei Kindern. Es ist schon etwas Besonderes, dass hier im Erdgeschoss sämtliche Räume für die Tagespflege zur Verfügung stehen, während die Tagesmutter mit ihrer Tochter den oberen Stock bewohnen darf.
Da die Räumlichkeiten groß genug sind, könnte auch noch eine zweite Tagesmutter hier arbeiten, sodass insgesamt zehn Kleinkinder von 8 bis 13.30 Uhr betreut werden könnten. In diesem familiären Rahmen mit fester Bezugsperson, die den Übergang in den Kindergarten recht sanft vorbereitet. Was Franziska Ketterer besonders wichtig ist, ist die motorische und Sprachentwicklung der Kleinen. Spielerisch lernen die Kinder Begriffe oder Farben und auch englische Begriffe sind nichts Ungewöhnliches. Was die Jungs bei ihren Ausflügen besonders fasziniert, sind Baustellen. Jeden Tag gibt es etwas Neues zu entdecken und gemeinsam erkundet man die Welt – zumindest die kleine Welt im Albstädter Osten.
Jugendförderverein Zollernalbkreis e.V.
Grundqualifizierung:
Kurs I mit 50 Unterrichtseinheiten, nächster Kursbeginn: Kurs 1.1/2026 – am 10. Juni, Kurs II mit 250 Unterrichtseinheiten – tätigkeitsbegleitend, Kursbeginn voraussichtlich im Anschluss – wird noch bekannt gegeben – in den Seminarräumen, Paulinenstr.7, 72336 Balingen.
Weitere Infos:
bei Facebook @tagespflege.zak, bei Instagram @kindertagespflege_zak.