Der bisherige Schlachthof in Rottenburg soll nun doch nicht erhalten werden. Stattdessen wird ein Neubau angestrebt. Foto: Angela Baum

Die Betreibergesellschaft des Schlachthofs in Rottenburg will nun doch einen Neubau auf einem städtischen Grundstück realisieren. Der Erhalt des bisherigen Gebäudes sei zu teuer.

Der Neubau würde rund drei Millionen Euro kosten – die Betreibergesellschaft verfügt derzeit über Eigenmittel in Höhe von 100.000 Euro. Planer Klaus Seubert geht davon aus, dass hinsichtlich der anstehenden Bankengespräche auch die in Aussicht gestellten Zuschüsse des Landratsamtes Tübingen in Höhe von 700.000 Euro und der Zuschuss aus dem Struktur-Förderprogramm in Höhe von rund 600.000 Euro als Eigenmittel anerkannt werden.

 

So hätte die Betreibergesellschaft unterm Strich 1,4 Millionen Euro – der Rest müsste über Kredite finanziert werden. Ein ursprünglich angedachter Teilmassiv-Neubau hätte 3,9 Millionen Euro gekostet.

Businessplan auf Kante?

„Wunsch nach einem Neubau und Realität müssen zusammenkommen“, so Seubert, der das Finanzmanagement für den Schlachthofneubau übernommen hat. Daher wurde die Planung abgespeckt – statt eines Teilmassivneubaus ist nun eine Leichtbauhalle vorgesehen.

Knackpunkt ist derzeit das städtische Grundstück – es gab bereits mehrere Suchläufe mit dem Gemeinderat und der Bevölkerung. CDU-Stadtrat Horst Schuh kritisierte, dass der dem Verwaltungsausschuss vorgestellte Businessplan der Betreibergesellschaft, die nun eine Genossenschaft gründen will, „eng auf Kante genäht“ sei. Er fragte, wie realistisch es sei, dass Banken das Vorhaben finanzieren. Seubert erklärte, dass die Bank sehen wolle, dass genügend Eigenkapital vorhanden ist. Das Grundstück werde von der Stadt eingebracht und hoffentlich als Eigenmittel anerkannt.

Genossen haften mit ihrem Eigenkapital

Oberbürgermeister Stephan Neher wollte wissen, inwieweit die Genossen haften. Markus Maier, Sprecher der Betreibergesellschaft, erklärte, dass die Genossen mit ihrer Eigenkapitaleinlage haften. Der Hauptvorteil liege darin, dass Genossen bei ihren Schlachtungen in eine andere Preisstufe kämen. Die Schlachthofstruktur sei mit einer Genossenschaft einfacher umzusetzen.

Unklar ist, ob ein städtisches Grundstück für den Neubau gefunden werden kann. Maier erklärte auf Nachfrage, dass die Stadt vor vier, fünf Jahren zugesagt habe, ein Grundstück zu suchen – es gab Suchläufe in Dettingen und am Martinsberg. Dann kam der Bürgerentscheid und der Plan, den Schlachthof in der Tübinger Straße zu erhalten.

Klare Worte von Schuh und Bischof

Ein Genosse besitzt ein Grundstück am Rand eines Gewerbegebiets – dieses ist aber nicht im Regionalplan als Schlachthof-Fläche vorgesehen. Die notwendige Änderung im Regionalplan hin zu einer Fläche in einem Industriegebiet obliegt dem Regional-Verband Neckar-Alb und nicht der Stadt Rottenburg am Neckar, die dem nicht entgegen stehen würde, wie sie unserer Redaktion mitteilt. Stadtrat Schuh sagte zur Grundstücksfrage: „Unmöglich, das noch in diesem Jahr zu realisieren – daher muss der Zeitplan angepasst werden.“ Auch sei fraglich, ob wirklich Zuschüsse fließen. „Wenn keine Zuschüsse kommen, muss man in dieser Sache nicht mehr weiterreden.“

Grünen-Stadtrat Jörg Bischof betonte, man sei einen großen Schritt weiter – der Businessplan liege endlich vor und zeige, dass der Schlachthof wirtschaftlich arbeite. Doch gebe es beim Fleisch eine Überversorgung. Gärtringen werde ausgebaut, wodurch Konkurrenz entstehen könne. Auch beim geplanten Schlachtvolumen gebe es Risiken – fraglich sei, ob die Zahlen erreicht werden. Bischof sprach sich für eine Standortsuche im Landkreis Tübingen aus. „Wir hatten aber bereits erfolglose Suchläufe für ein.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir zitiert, die Stadt Rottenburg beabsichtige nicht, ein eventuell zur Verfügung stehendes privates Grundstück für den Schlachthof nutzbar zu machen. Diese Aussage ist nicht korrekt. Darauf hat uns die Stadtverwaltung Rottenburg hingewiesen. Sie schreibt: "Die notwendige Änderung im Regionalplan hin zu einer Fläche in einem Industriegebiet obliegt dem Regional-Verband Neckar-Alb und nicht der Stadt Rottenburg am Neckar, die dem nicht entgegen stehen würde" Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.