Die Badegäste zeigen Solidarität mit dem größten Naturfreibad der Region (Archivbild). Heuer sind die Zahlen deutlich besser als 2024. Foto: Bjoern Franke

Schwache Besucherzahlen im Naturfreibad Winterlingen in der Saison 2024 hatten zu Jahresbeginn aufhorchen lassen. Doch inzwischen steigt die Besucherzahl wieder.

„Wir haben doch noch nie darüber geredet, das Naturfreibad zu schließen“, sagt Bürgermeister Michael Maier und schüttelt den Kopf.

 

Ja, im Gemeinderat Winterlingen sei angesichts von 7300 Badegästen zwischen 1. Juni und 1. September 2024 bei der Vorstellung der Zahlen im April grundsätzlich darüber gesprochen worden, dass die Gemeinde sich Gedanken über die freiwilligen Leistungen machen müsse, wenn es finanziell noch enger wird – was allen Kommunen angesichts der Lage aktuell so geht. Dennoch betont Maier, dessen Amtszeit im September 2026 endet: „Ich mache das Bad nicht zu.“

823 Badegäste an nur einem Tag

Zumal es gute Nachrichten in Sachen Nutzerzahlen gibt: 4356 Badegäste haben allein im Juni das Naturfreibad besucht, wie Maier in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats berichtet hatte. Mit 823 Badenden sei der 29. Juni, ein Sonntag, der besucherstärkste Tag gewesen.

Im Juli waren es bis zum Tag der Sitzung bereits 1072 Besucher gewesen, und der Monat sei ja noch lange nicht vorbei, sagte Maier, der ein zufriedenes Fazit zieht: „Dieses Jahr läuft die Freibadsaison ordentlich.“ Er sei selbst sogar im Bad gewesen, verriet der Schultes, der bekanntlich am liebsten auf dem Fußballplatz sportlich aktiv ist. „Und ich habe mich sogar ins Wasser gewagt“, fügte er verschmitzt hinzu.

Der Schultes wagt sich sogar ins Wasser

Als seine Kinder noch kleiner waren, sei er mit seiner Familie oft im Naturfreibad gewesen und habe – selbstverständlich – eine Familiendauerkarte gehabt. „Schon aus Solidarität“, betont Maier im Gespräch mit unserer Redaktion.

Solche Solidarität legten aktuell viele an den Tag, hat Gemeinderat Manfred Maier – Künstlername Mai – beobachtet: „Es gibt junge Familien, die ganz bewusst und demonstrativ ins Naturfreibad gehen und sagen: ‚Das ist unser Schwimmbad, und das wollen wir erhalten.‘“

Die Wasserqualität ist hervorragend

Michael Maier weiß, dass viele der Badegäste gar weite Strecken auf sich nehmen, um in dem 10 000 Quadratmeter großen Becken zu schwimmen, dessen Wasserqualität – erst kürzlich sei das wieder bestätigt worden – hervorragend sei. Außerdem sei, anders als in Schwimmbädern, das Naturgewässer gänzlich frei von Chemie und damit ideal für Allergiker. Die Wasserpflanzen, die auf dem Grund seien, seien für die Reinigung nötig, und die Badegäste wüssten das.

Die Zahl derer, die – wie im vergangenen Jahr einige Male passiert – vor verschlossener Tür ständen, gehe inzwischen gegen Null, stellt Maier klar, denn das Online-Portal „Wolkesicher“ zeige die wetterbedingten Schließtage zuverlässig an und sei mittels App und auf der Internetseite der Gemeinde Winterlingen abrufbar. So kann das Personal um Bäder-Chefin Tereza Horackova schnell und flexibel reagieren.

Die Fachkräfte sind der Gemeinde wichtig

Weil die Gemeinde die beiden Festangestellten Kräfte für Naturfreibad und Hallenbad halten und nicht zu Saisonkräften machen will, hätte eine Schließung des Naturfreibads ohnehin nur wenig Effekt auf die Kosten, die sich pro Jahr auf rund 450 000 Euro für beide Bäde summierten, und der Löwenanteil entfalle sowieso auf das Hallenbad, das ein Dreivierteljahr lang offen sei, beheizt und viel aufwendiger gereinigt werden müsse.

Im Naturfreibad sei es der Wasserverlust, der zu Buche schlage, so Maier, denn durch den Boden entweiche dann doch immer etwas. Der Austrag durch die Badebekleidung der Besucher spiele ebenfalls eine Rolle, und zudem sei die Verdunstung hoch: 10 000 Quadratmeter Wasserfläche hat sonst kaum jemand zu bieten.