Am Samstagabend begeistert das Gitarrenduo Alexander ­Kilian (links) und Jan Pascal alias Café del Mundo sein Publikum während 90 Minuten. Foto: Bombardi

Es war geplant als kleiner Trost für die pandemiebedingt ausgefallene Kulturnacht. Doch der dreitägige Veranstaltungsreigen, der kurzfristig von der Schwenninger Möglingshöhe in die Neckarhalle verlegt wurde, floppte – zumindest besuchermäßig. Inhaltlich bot sich ein lohnenswertes Programm.

Villingen-Schwenningen - Zumindest der Freitag hätte – wie in ähnlicher Manier die Schwenninger Kulturnacht am ersten Juli-Wochenende – ein lauer Sommerabend auf dem Festgelände der Schwenninger Möglingshöhe werden können. Vielleicht war das städtische Kulturamt zu früh auf Nummer sicher gegangen und hatte aufgrund der ­unsicheren Wetterprognosen das Kulturwochenende, das als Auftakt zum Projekt "Sommer VS – Wieder gemeinsam Kultur erleben" gedacht war, in die Neckarhalle verlegt.

So waren es für die Veranstaltung am Freitagabend mit dem Schweizer Stimm­akrobaten Martin O. lediglich sage und schreibe 35 Karten, die verkauft wurden. "Wahrscheinlich sind die Bürger noch vorsichtig", kommentiert Christiane Rapp vom Amt für Kultur.

Denn fest steht: Wäre der Künstler mit seinem rund 90-minütigen Programm "Einstimmig mehrstimmig" einige hundert Meter entfernt am anderen Ende des Neckarparks open air aufgetreten, hätte er mehr Besucher in den Bann seiner Stimmkunst bringen können. Wie Rapp berichtet, seien nach Bekanntgabe der Verlegung viele Tickets wieder zurückgegeben worden. Sie versichert gleichzeitig, dass die coronabedingten Auflagen auch in geschlossenen Räumen eingehalten würden. Der Unterschied zum Open Air: Auch am Platz muss eine Maske getragen werden.

Martin O. verblüfft mit seinem Symphonium

Dies alles scheint Martin O. rein gar nichts zu machen. Mit einem bunten Programm-Mix aus musikalischen Geschichten, Sprechgesang und Beatboxen zieht er selbst das kleinste Publikum in seinen Bann und sorgt für ordentlich Stimmung und Beifall.

Sein treuer Begleiter durch den Abend: sein Symphonium, ein eigens entwickeltes Loopgerät aus Appenzeller Nussholz. Es multipliziert in beliebiger Anzahl seine Töne, Beats und Melodien, sodass ein virtuelles Orchester entsteht, das ihm auf Beat und Knopfdruck folgt. Martin O.s Repertoire reicht von bekannten Song-Remixen ("Ain’t no sunshine"/"I can count on you") mit plötzlichen Jodel- oder Reggae-Einlagen, über real wirkende Instrumenten- und Tier-Imitationen bis hin zu musikalischen Reisen ans Meer oder in die Berge. Alles, was aus seinem Mund heraussprudelt, ist Klangmalerei vom Feinsten.

Mit witzig-charmanter Art macht Martin O. seiner Schweizer Heimat alle Ehre, geht aber auch immer wieder auf sein Publikum und seinen Auftrittsort Villingen-Schwenningen ein. "Die Halle hätte Platz für 700 Leute", bemerkt er zwischendurch plötzlich, lacht, gibt aber auch zu: "Es muss alles erst wieder in Schwung kommen."

Weiter geht’s mit Café del Mundo

Endlich wieder Kultur und damit verbunden eine gewisse Rückkehr zur Normalität. So oder so ähnlich lauteten viele der Kommentare im ­Publikum, das am Samstagabend zu Gast in der Schwenninger Neckarhalle war. Dort entfalteten "Café del Mundo" in einer beeindruckenden Virtuosität die gesamte Klangvielfalt ihrer Flamenco-Gitarren und luden in Serie zu einem unvergesslichen akustischen Erlebnis ein.

Eine Ewigkeit von sieben Monaten und 19 Tagen hatten sie auf Grund der Pandemie gezwungenermaßen pausiert. Das Konzert in der Neckarhalle war erst das dritte Konzert seit Beginn der Lockerungen.

Doch dem brillanten Gitarrenduo war die auferlegte Pause nicht anzumerken. Konzentriert und motiviert führte das fränkisch-schwäbische Duo Jan Pascal und Alexander Kilian durch ein Programm, das sich über Kompositionen von Johann Sebastian Bach über eine Stippvisite an die schöne blaue Donau bis hin zu Popklassikern von Coldplay oder Bono erstreckte.

Beeindruckend gaben sie auch ihre Eigenkompositionen wieder, die während dem Berufsverbot der zurückliegenden Monate entstanden und bei denen sie sich in fremden Welten auf fernen Planten wähnten. Das Publikum kam so in den Hörgenuss von diversen Titeln ihres neuen Albums "Super Nova Guitar", die in einer Kombination von außergewöhnlicher Melodik, begeisternder kompositorischer Einfälle und emotionaler Ausdrucksstärke entstanden. Begleitet von einem tollen Beat zwischen schwungvoll und andante, laut und leise beflügelte sie das Publikum zu lautstarkem Beifall und anerkennender Begeisterung.

Konzertniveau auf hohem Level

Die Genialität der Gitarristen garantierte ein gleichbleibendes Konzertniveau auf hohem Level, das nach einer kurzen Verschnaufpause mit einem Feuerwerk an Gitarrenklängen die Spannung weiter steigerte.

Einen kleinen Eindruck von dem, was in der post-pandemischen Zeit wieder möglich sein könnte, gaben "Café Del Mundo" in ihrer Interpretation des Coldplay-Klassikers "Via la vida", bei dem sie das Publikum zum Mitklatschen bewegten. Die Grenzen ihrer Instrumente lotete das Gitarrenduo auch im Schluss­abschnitt inklusive der Zugaben aus, in denen sie die Saiten zwischen tänzerischer Leichtigkeit und mit tosender Feuersbrunst erklingen ließen.

Auch fanden die Künstler gleich zu Beginn des Konzerts den Zugang zu ihrem Publikum, nannten Villingen-Schwenningen immer wieder in einem Atemzug mit Metropolen wie Paris oder New York und gaben sich rundherum sympathisch.

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