Wegen der Verleihung eines Preises an Ryyan Alshebl war eine taiwanesische Delegation in der Region zu Gast. Die war voll des Lobes für Land und Leute. Auf ihrem Programm stand neben vielen Sehenswürdigkeiten auch ein Besuch im Calwer Rathaus.
Wer in den vergangenen Tagen in und um Calw unterwegs war, hat sie vielleicht gesehen: die taiwanische Delegation, stets gut an ihren Warnwesten mit chinesischen Schriftzeichen zu erkennen. Die vierköpfige Familie hinter der CTK-Stiftung kam in die Region, um vergangenen Samstag dem Ostelsheimer Bürgermeister Ryyan Alshebl einen Preis für dessen Lebensgeschichte zu überreichen.
Die Rolle des Reiseleiters der Gruppe übernahm der Althengstetter Alt-Bürgermeister Clemens Götz. Mutter Ying-Lan Chou, Vater Chin-Hua sowie die Söhne Jason und Joshua erkundeten nach ihrem Besuch in Ostelsheim die Region. So waren sie beim Ottenbronner Fleckenfest, im Neuhengstetter Waldensermuseum oder dem Begegnungsraum Rössle in Neuhengstett. Dort haben sie sich mit Menschen unterhalten, die ehrenamtlich Geflüchteten helfen.
Gegründet nach einer Tragödie
Jason lobte das Engagement. „Das ist keine einfache Arbeit, aber die Leute sind mit Leidenschaft dabei“, meinten er. Es sei toll zu sehen, wie Menschen alles täten, um einander zu helfen.
Die CTK-Stiftung setzt sich weltweit für krebskranke Kinder ein. Gegründet hatte sie sich, weil Bruder und Sohn Ta-Kuan an dieser Krankheit gestorben ist. Götz ermöglichte der Familie ein Treffen mit der Grace P. Kelly-Stiftung. Auch diese hat ihren Ursprung im Verlust eines geliebten Familienmitglieds.
Förderkreis hilft Familien in schweren Zeiten
Die Delegation besuchte auch den Förderkreis Krebskranke Kinder in Stuttgart. „Es ist unglaublich, wie viel Arbeit die Menschen hier reinstecken“, meinte Jason.
Der Förderkreis hilft Familien mit Krebskranken Kindern in schweren Zeiten. Die CTK-Stiftung möchte hier helfen. Jason erzählte, dass er eine Kooperation vorgeschlagen habe. Er wolle die Familien nach Taiwan einladen, damit diese sich dort erholen könnten. Denn eine Krebstherapie sei oft sehr anstrengend, auch für die Angehörigen. Die CTK-Stiftung würde die Kosten für diese Reisen übernehmen.
Trotz Krankheit einen erstaunlich positiven Blick
Neben Spenden finanziert sich die CTK-Stiftung aus dem Verkauf eines Buchs mit Gedichten von Ta-Kuan. Der kleine Junge hatte trotz seiner Krankheit einen erstaunlich positiven Blick auf das Leben, seine Mitmenschen und die Welt. Das Buch gibt es unter anderem auf Spanisch oder Englisch mit dem Titel „I Still Have One Leg“ (dt. Ich habe immer noch ein Bein). Jason erzählte, dass eine deutsche Veröffentlich geplant sei. „Das kann betroffenen Menschen Mut geben“, fand er. Und der Erlös aus dem Verkauf der deutschen Auflage, käme Projekten in Deutschland zugute.
Von der deutsch-französischen Freundschaft fasziniert
Neben dem Besuch anderer Stiftungen erkundete die Delegation auch die Region. Neben dem Hermann-Hesse-Geburtshaus, dem Kloster Hirsau, Freudenstadt oder dem Mummelsee führte Götz sie bis nach Straßburg. Die Familie sei von der deutsch-französischen Freundschaft fasziniert gewesen, die trotz der vielen Konflikte entstanden, so Götz. „Der Dialog über die Grenzen hinweg ist sehr wichtig“, fand Jason.
Und was hat der Familie bei ihrem Besuch im Nordschwarzwald am besten gefallen? Vater Chin-Hua schwärmte von der Landschaft. „Es ist hier wie ein Paradies, wie im Himmel“, sagte er. Der Zustand der Umwelt sei durch den Klimawandel gefährdet, Deutschland im Umgang damit ein Vorbild. Der Erhalt der Umwelt gehöre ebenfalls zur Mission der CTK-Stiftung.
„Alle sind sehr freundlich und voller Liebe“
Mutter Ying-Lan lobte die Deutschen. „Alle sind sehr freundlich und voller Liebe“, meinte sie. Man fühle sich als Gast sehr wohl. In London sei ihr mal das Handy gestohlen worden. Seither sei sie bei Reisen nach Europa vorsichtig. Aber in Calw und im Gäu habe sie sich sicher gefühlt.
Oberbürgermeister Florian Kling freute sich über den Besuch der Delegation im Rathaus. Es wurden Geschenke ausgetauscht. Anschließend erzählte er der Familie bei einer Führung durchs Rathaus viel über die Geschichte und die Eigenheiten der Stadt. Auch von seinem Besuch in Taiwan berichtete er. Kling war als junger Mann im Rahmen eines UN-Planspiels auf der Insel zu Gast.