Transatlantischer Austausch: Ein Lehrer aus den USA besuchte die Nagolder Zellerschule, um sich ein Bild vom deutschen Schulwesen zu machen.
Ein besonderer Gast besuchte kürzlich die Zellerschule, die Gemeinschaftsschule in Nagold: Alex Joujan, Lehrer aus den Vereinigten Staaten, war angereist, um sich über die Arbeitsweise deutscher Schulen zu informieren – mit großem Interesse, insbesondere am Konzept der Gemeinschaftsschule, das in den USA nahezu unbekannt ist.
Joujan lebt in Pennsylvania und unterrichtet Mathematik an der Pingry School, einer Privatschule in New Jersey. Empfangen wurde er von Schulleiter Ulrich Schubert, der ihn durch das Schulgebäude führte und ihm erste Einblicke in den Schulalltag gab.
Während des Rundgangs wurde das pädagogische Konzept der Schule erläutert. Schubert stellte das gemeinsame Lernen auf unterschiedlichen Leistungsniveaus, die individuelle Förderung sowie die Rolle von Lernbegleitern in den Mittelpunkt.
Kreatives Mathespiel hinterlässt Eindruck
Ein Höhepunkt des Besuchs war die Hospitation in zwei Mathematikstunden – zunächst in einer 5. Klasse, später in einer 9. Klasse. Der Unterricht der Fünftklässler blieb dem Gast in lebendiger Erinnerung: Ein kreatives Mathespiel mit Lehrkraft Alev Calhan sorgte für große Begeisterung unter den Schülerinnen und Schülern. Die Kinder waren mit Feuereifer bei der Sache und freuten sich sichtlich über die Aufmerksamkeit des internationalen Besuchers.
Auch Alex Joujan zeigte sich beeindruckt, sowohl von der methodischen Vielfalt als auch vom Engagement der Kinder. Viele waren stolz darauf, dass gerade sie für den Besuch ausgewählt worden waren.
Konzept fließt in Neubau ein
Im Anschluss an die Unterrichtseinblicke fand ein ausführliches Gespräch mit dem Schulleiter statt. Dieser erklärte die Besonderheiten der Gemeinschaftsschule und stellte heraus, wie das Konzept des Lernens auch architektonisch in den Neubau der Zellerschule einfließt. Offen gestaltete Lernräume, Differenzierungsbereiche und flexible Nutzungsmöglichkeiten sollen das eigenverantwortliche und kooperative Lernen künftig noch stärker unterstützen.
Besonders interessiert zeigte sich der amerikanische Lehrer an den eingesetzten Schulbüchern. Mit Staunen stellte er fest, wie anschaulich und differenziert die Materialien gestaltet sind. Die dreifache Differenzierung – das Angebot von Aufgaben auf drei verschiedenen Anforderungsniveus – beeindruckte ihn besonders. Auch die visuelle Gestaltung der Bücher fand er sehr gelungen, da sie das Lernen auf eine motivierende Weise unterstütze.
Schüler stillen ungeniert ihre Neugierde
Zum Abschluss des Vormittags nahm Alex Joujan an einer weiteren Mathematikstunde teil – diesmal bei Ben Miller, in einer neunten Klasse. Der Unterricht begann mit einer kurzen Verzögerung, da die Schülerinnen und Schüler vor Neugierde kaum zu bremsen waren. Viele Fragen hatten sich angesammelt, die sie ganz selbstverständlich und ohne Scheu auf Englisch stellten – ein Zeichen ihrer Offenheit und ihres Interesses.
Zum Abschied überreichte der amerikanische Lehrer seinem deutschen Kollegen ein ganz besonderes Geschenk: einige der Mathe-Schulbücher, die er selbst verfasst hat. Dieses symbolische Zeichen der Wertschätzung unterstrich den gelungenen Austausch und das Interesse an gegenseitigem Lernen.