Tim Porsche ist hauptamtlich beim THW tätig – eine Ausnahme. Foto: Ainoa Rohrbach Nacarino

Nur zwei Prozent aller THW-Mitarbeiter sind hauptamtlich tätig. Einer von ihnen ist der Lörracher Tim Porsche – seit 30 Jahren ist er beim Hilfswerk. Unsere Redaktion hat ihn besucht.

Das Technische Hilfswerk (THW) gilt gemeinhin als stilles Helferlein unter den Einsatzkräften. Die THWler räumen auf, schaffen weg – und gehen neben den drei großen Blaulichtorganisationen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst unverdienterweise etwas unter. Dabei sind die Helfer in Blau für den Katastrophenschutz unverzichtbar.

 

Die Lörracher THWler Tim Porsche und Nico Lang nehmen die ungleichmäßig verteilte Aufmerksamkeit gelassen. Sie fühlen sich durchaus wertgeschätzt: Gerade waren die neuen Lörracher Polizeichefs Christian Schmidt und Christian Pfaff zum Kennenlernbesuch vor Ort, um mit ihnen über eine gute zukünftige Zusammenarbeit zu sprechen.

In Deutschland existieren momentan 669 THW-Ortsverbände. Einer davon ist in Lörrach. Zusammen mit elf weiteren Ortsverbänden untersteht die hiesige Sektion der Regionalstelle Freiburg im Landesverband Baden-Württemberg.

Einziger Hauptamtlicher „südlich von Freiburg“

Porsche ist dabei eigenen Angaben zufolge „einziger hauptamtlicher THW-Mann südlich von Freiburg“. Das aber auch erst seit vier Jahren – die längste Zeit war er ehrenamtlich tätig.

Tim Porsche, 42 Jahre alt, ist ein THWler aus dem Lehrbuch: gelassen, bodenständig, von der zupackenden Art. Dass ihn etwas aus der Fassung bringt, kann man sich kaum vorstellen. Bei der letztjährigen Weihnachtsfeier wurde er für 30 Jahre Tätigkeit im Dienst ausgezeichnet. Tatsächlich sei er bestimmt ein bis zwei Jahre früher erstmals beim Technischen Hilfswerk aufgetaucht, erzählt er. Als Zehnjähriger – damals sei allerdings noch nicht so genau Buch geführt worden wie heute. „Fußball war nie so mein Ding und die Feuerwehr war mir zu eintönig. Mein Ding war immer das THW.“

Sandsäcke sind immer auf Lager. Foto: Ainoa Rohrbach Nacarino

Anfangs habe ihn vor allem der große Fuhrpark beeindruckt – und das, obwohl er Fahrzeuge gar nicht fahren durfte – sowie die schier endlosen Einsatzmöglichkeiten, die sich boten. Das THW bilde Allrounder aus, so Porsche. „Wir sind sozusagen die MacGyvers unter den Einsatzkräften“, sagt er und lacht.

Der Aufgabenbereich beim THW umfasst so ziemlich alles, was man sich unter Katastrophenschutz vorstellt: Sandsäcke bei Überschwemmungen stapeln, vollgelaufene Keller auspumpen, Leitungen legen, Güter in Krisengebiete transportieren. Die Werkzeuge reichen von der Kettensäge bis zur Spezialdrohne zur Lageerkundung.

„Wenn die Feuerwehr oder die Polizei an ihre Grenzen stoßen, kommen sie auf uns zurück“, sagt Porsche. „Es könnte ja sein, dass wir noch eine Spezialwaffe in petto haben, etwa um einen Tresor aufzustemmen.“ Kein Wunder, dass ihn diese Möglichkeiten schon als Zehnjährigen faszinierten.

Wo man thematisch so breit aufgestellt ist wie beim Hilfswerk, da muss man auch viel üben: Ständig werden neue Szenarien durchgespielt. Auf 40 bis 50 Einsätze kommt die Lörracher Sektion pro Jahr, schätzt Nico Lang. Er ist seit fünf Jahren als Lörracher THW-Ortsbeauftragter tätig – ehrenamtlich.

Auch im Krieg im Einsatz – waffenlos

Das THW wurde 1950, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, gegründet, weil man erkannte, dass ein ziviler Ordnungsdienst gebraucht wurde. Im Kalten Krieg waren die THWler dann auch viel mit Bunkerbau und dergleichen beschäftigt, Arbeit für den Ernstfall, der nie eingetreten ist.

Die Arbeit des THW ist immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es heute vor allem häufigere und intensivere Einsätze wegen Extremwettereignissen sind, die den Arbeitsalltag bestimmen. Beispielhaft erzählen Porsche und Lang von der Flut im Ahrtal. Bis heute ist das THW dort im Einsatz und baut die Brücken ab, die damals errichtet wurden. Ein Nebeneffekt der damaligen Katastrophe: Plötzlich sei die Bedeutung des THW wieder in den Fokus gerückt. Das sei eine „unschöne Werbung“, sagt Porsche, aber die Flut habe tatsächlich neue Mitglieder gebracht. Leider, so der 42-Jährige, sei die Langzeitwirkung gering gewesen. Für das THW eine altbekannte Erfahrung.

Damit spricht Porsche eine zentrale Funktion an, die für das THW überlebenswichtig ist, die aber nicht mehr selbstverständlich zu sein scheint: die Ehrenamtlichkeit. Das THW ist die Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes – aber 80.000 Ehrenamtlichen stehen lediglich 1600 Hauptamtliche gegenüber. Dahinter stehen wichtige Grundsätze. Die Motivation des THW, anderen Menschen in Not zu helfen, soll ideell, nicht finanziell begründet sein.

Was heute jedoch zunehmend zum Problem wird. Immer weniger Menschen seien bereit, sich für die Gesellschaft zu engagieren, meint Porsche. „Ich höre oft: Neben Beruf und Familie ist einfach keine Zeit mehr für einen Job beim THW.“ Solche Aussagen lässt er nicht immer gelten.

Seine Hoffnung setzt er deshalb auf die Jugend. Den Spaß an der Gemeinschaft zu vermitteln, sieht er als seine Aufgabe. 20 junge Leute engagieren sich derzeit in der Jugendgruppe in Lörrach.

Eine ordentliche Zahl, trotzdem könnten es noch mehr sein: Früher habe der Bundeswehrersatzdienst automatisch viele – vor allem junge Männer – zum THW gebracht, ihn selbst eingeschlossen: „Mit 17 habe ich mich für sieben Jahre verpflichten lassen.“ Dass es eine Leistung im Dienste der Gesellschaft geben soll, findet er prinzipiell richtig – das gehe auch waffenfrei beim THW.