Eine Freiburger Anlage lässt erahnen, wie die Atmosphäre in einem Surfpark sein könnte. Mario Gerlach hat uns die „Irie Surf“ präsentiert – und vom Lahrer Projekt gesprochen.
Nach Strand sieht es auf dem Parkplatz des XXXLutz im Freiburger Industriegebiet nicht aus. An diesem Montagnachmittag parken dort einige Autos, in wenigen Hundert Metern Entfernung dreht sich das Riesenrad der Freiburger Messe. Mario Gerlach öffnet eine Absperrung und führt uns einige Treppenstufen hinauf. Oben angekommen, wähnt man sich im Sommerurlaub: Vor einem neun Metern breiten und 18 Meter langen Becken stehen Liegestühle, hinten ist eine Bar, Pflanzen sorgen für Grün, aus den Boxen kommt elektrolastige Popmusik.
In Lahr ist Gerlach seit März 2024 bekannt. Damals wurde öffentlich, dass der Gründer der inzwischen in Gundelfingen ansässigen Surfield GmbH in der Stadt einen Surfpark bauen will. Dieser soll ein 100 auf 150 Meter großes Becken enthalten, das 1000 Wellen pro Stunde generieren kann. Unter anderem planen die Investoren um Gerlach Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten und einen Skatepark. Jährlich soll die Einrichtung 200 000 Gäste anlocken.
Anfänger halten sich an einer Stange fest
Die Ende April eröffnete Anlage in Freiburg ist um einiges kleiner. Gekostet hat sie rund zwei Millionen Euro. „Wir lernen hier gerade viel“, erklärt Gerlach, der es sich in einem der Liegestühle in der Sonne gemütlich gemacht hat. Auf den Dachflächen sollen noch PV-Anlagen installiert werden, zudem soll ein Lift für Barrierefreiheit sorgen. In einen leeren Container wird in einigen Wochen eine Küche einziehen, aktuell sind an den Wochenenden Food-Trucks vor Ort. Das Team besteht aus 20 Angestellten, bis Sommer sollen bis zu 20 weitere dazu kommen.
Kurz nach Beginn des Gesprächs mit Gerlach werden die Düsen im Becken eingeschaltet und die stehende Welle der sogenannten „Citywave“-Technologie sprudelt. „Wir können die Form anpassen“, so Gerlach, der nun deutlich lauter über das Rauschen des Wassers sprechen muss. Wenn sich Profis angemeldet haben, wird eine steile Welle kreiert, bei Anfängern ist sie flacher. Für sie wird eine Stange über das Becken gelegt, an der sie sich festhalten können. „Hier ist es relativ leicht, das Surfen zu lernen“, sagt Gerlach.
In Lahr ist eine laufende Welle geplant
An diesem Nachmittag surfen sechs Fortgeschrittene, die die eine oder andere Pirouette im Becken hinlegen. Sobald eine Person vom Brett stürzt, wird sie durch die Welle Richtung Ausstieg gespült – und der nächste Sportler springt ins Wasser. Der Lahrer Surfpark wird anders aussehen. „Da planen wir eine laufende Welle, also wie am Meer“, sagt Gerlach. Im Gegensatz zu der in Freiburg soll sie sich allerdings in einem festen Rhythmus bewegen.
Ende März hat der Lahrer Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, den von ihr vorgeschlagenen Standort Flugplatz näher auf seine Eignung hin zu prüfen. Kurz zuvor war aber bekannt geworden, dass Gerlach mit der Fläche auf dem Flugplatz nicht ganz zufrieden ist: Sie sei „leider nicht so, wie ursprünglich einmal angedacht und ich mir das vorgestellt habe“, sagte er damals.
Es kommen deutlich mehr Zuschauer als Surfer
Beim „Rheinstraße Nord“ genannten Gebiet handelt es sich um ein langgestrecktes Areal zwischen Rainer-Haungs-Straße im Osten, Fritz-Rinderspacher-Straße im Westen und David-Schieni-Straße im Norden. Im Süden reicht das Gebiet bis in die Nähe des Gebäudes B 33. Gerlach störte, dass der Park von drei Seiten von Gewerbe „eingekesselt“ wäre. Zudem sei es „schwierig bis unmöglich“, bei der schlauchförmigen Ausdehnung des Areals ein fächerförmiges Surfbecken unterzubringen.
Daher bat Gerlach um eine kleine Flächen-Zugabe im nördlichen Teil des Geländes Richtung Landebahn. Es habe deshalb ein Treffen mit der Lahrer Stadtverwaltung und der IGZ gegeben, berichtet er beim Gespräch in Freiburg. Seine Wünsche würden von Stadt und IGZ berücksichtigt und auf deren Machbarkeit hin geprüft. Aktuell gehe es darum, den Standort am Flugplatz auf die Machbarkeit hin zu testen.
Der Ideengeber möchte – trotz der Pläne für Lahr – die Freiburger Anlage möglichst lange betreiben. Aktuell läuft der Vertrag auf zwei Jahre – mit der Möglichkeit einer Verlängerung, sollte der Parkplatz nicht anderweitig gebraucht werden. „Wir hoffen, dass die Stadt Freiburg den Mehrwert der Anlage als zusätzliches Sport- und Freizeitangebot sowie als Eventlocation sieht“, so Gerlach. Im Zweifel kann er sich auch einen Umzug innerhalb Freiburgs vorstellen.
In der „Irie Surf“ genannten Anlage werden aber nicht nur Wellen geritten. „Pro Surfer haben wir mindestens vier bis fünf weitere Gäste“, sagt Gerlach. Die machen es sich in den Stühlen bequem, trinken Kaffee und schauen dem Geschehen zu. Auch an diesem Nachmittag relaxen einige Besucher, machen Fotos, unterhalten sich. Für Kinder gibt es Spielzeug. „Es ist einfach einzigartig, Surfer mitten in der Stadt zu sehen“, findet Gerlach. Ab und an gibt es Partys mit DJs.
Im Prinzip probe man den Lahrer Surfpark hier im Kleinen: „Wir sind ganz gut aufgestellt, mit dem, was wir hier an Erfahrungen haben.“ Und hat Gerlach selbst Zeit, seine Anlage zu nutzen? „Wenn ich dazu komme, schmeiße ich mich auch mal kurz aufs Board“, sagt er mit einem Grinsen.
Öffnungszeiten
Surfslots in Freiburg können unter iriesurf.de gebucht werden. „Meist ist aber etwas frei und man kann einfach spontan kommen“, so Gerlach. Erwachsene zahlen 55, Kinder 44 Euro. Kunden können Sessions zwischen 30 und 60 Minuten wählen. Surfboard und Neopren-Anzug können ohne Aufpreis geliehen werden.