Die Arbeit an den Bienenvölkern macht Timo Ostermann am meisten Spaß. Sandra Ostermann stellt aus Bienenwachs Kerzen her. Foto: Merz

Honig, Kerzen und Kosmetik verkaufen Sandra und Timo Ostermann in ihrem Hofladen in Hugsweier, auf verschiedenen Märkten und im Onlineshop. Was 2017 klein als Hobby angefangen hat, ist heute eine Imkerei, in die sich die gesamte Familie einbringt.

Ein süßer und lieblicher Geruch schlägt einem beim Betreten des Hofladens in der Unteren Hauptstraße 11 in Hugsweier entgegen. Das Aroma macht deutlich: Hier wird Honig verkauft. In den Regalen stehen zahlreiche mit goldgelber Substanz gefüllte Gläser sowie Cremes, Kosmetik und Bienenwachskerzen bereit. Hinter dem Verkaufsraum ist Sandra Ostermann fleißig damit beschäftigt, flüssiges Wachs in Formen zu gießen.

 

„2017 hat das alles als Hobby angefangen“, erklärt Imker Timo Ostermann beim Treffen mit unserer Redaktion. Was klein begonnen hat, ist heute eine familiengeführte Imkerei mit insgesamt rund 50 Bienenvölkern. Wer dem 43-Jährigen zuhört, merkt, wie viel ihm die Tätigkeit bedeutet. „Am Anfang hatte ich zwei Bienenvölker gekauft, aus denen wurden zehn und plötzlich hatte ich eine Tonne Honig im Keller stehen“, erinnert sich Ostermann. Sie hätten dann begonnen, den Honig auf Weihnachtsmärkten zu verkaufen – das Projekt war geboren und wuchs immer weiter.

„Irgendwann mussten wir die Entscheidung treffen, ob wir es ganz lassen oder es richtig machen“, erklärt der 43-Jährige. Die Entscheidung fiel und so entstand Ende 2021 ein neues, modernes Imkereigebäude samt Hofladen direkt neben dem eigenen Haus. Seit Ende 2022 empfängt das Ehepaar Ostermann dort Kunden – mit offenbar guter Resonanz: „Im Winter kommen acht bis zehn Leute am Tag vorbei, über das ganze Jahr verteilt sind es im Schnitt vier bis sechs. Ein Tag ohne Kunde oder Kundin ist mittlerweile selten“, berichten sie.

Auch die Eltern unterstützen

„Wir sind ein richtiger Familienbetrieb“, betont der 43-Jährige, der sich als Geschäftsführer und Imker in erster Linie um die Bienen kümmert. Kerzen gießen, der Verkauf und Bestellungen sind Aufgaben, die seine Frau Sandra Ostermann übernimmt. „Meine Eltern unterstützen uns auch, wo es geht, und meine Schwester übernimmt das Digitale“, ergänzt er.

Damit die Bienen gut versorgt sind, ist Ostermann nach seinem Hauptjob meist rund um die Uhr im Einsatz. Foto: Merz

Zu der Imkertätigkeit, die Timo Ostermann neben seinem Hauptjob erledigt, – der 43-Jährige arbeitet zu 90 Prozent bei New Albea in Seelbach – gehören die unterschiedlichsten Aufgaben: die Einfluglöcher an den Bienenkästen frei halten, im Winter die Tiere gegen Milben behandeln, Füttern und vieles mehr. „Ende März geht es dann mit der Kirschblüte so richtig los“, erklärt Ostermann. Wenn die Bäume anfangen zu blühen, legen auch die Bienen mit dem Sammeln von Nektar und Pollen los und Honig entsteht. Dafür muss der Imker seine Bienen in den Kästen auch immer wieder an neue Standorte bringen – je nachdem, was gerade blüht. „Es folgt dann, immer je nach Wetter, der Rapshonig, der Hugsweierer Blütenhonig, der Lindenblütenhonig, der Kastanienhonig, der Waldhonig und mit viel Glück auch der Tannenhonig. Wenn es gut läuft, kann ich alle zwei Wochen schleudern. Das war die letzten zwei Jahre aber leider nicht der Fall, das Wetter war einfach zu schlecht“, so Ostermann.

Bienen sind so gezüchtet, dass sie nicht aggressiv sind

Dafür spannt der Imker die vollen Honigwaben in eine spezielle Schleuder ein „und die Fliehkraft erledigt dann den Rest“. Bevor die goldgelbe Flüssigkeit schließlich in Gläser abgefüllt wird, muss sie einige Tage ruhen und Verunreinigungen werden entfernt. Der letzte Honig entstehe, je nach Wetter und Tracht – also das gesamte Angebot an Nektar, Pollen und Tau, das die Bienen in den Stock eintragen –, etwa Mitte Juli bis Anfang August, manchmal auch früher, „dann wird wieder zurückgefahren“, so Ostermann. Dass all das viel Arbeit ist, ist offensichtlich: „Es gibt immer wieder Momente, in denen ich mich frage, was ich mir angetan habe“, so der Imker lachend, „aber die Arbeit am Bienenvolk macht es dann immer wieder wett.“ „Auch die Rückmeldung der Kunden gibt einem viel zurück“, ergänzt seine Frau. Ihr ist es besonders wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass der Honig aus dem Supermarkt für wenig Geld nicht mit der Qualität ihrer Naturprodukte vergleichbar sei und auch, wie wichtig die Bienen seien – „ohne sie haben wir Menschen irgendwann nichts mehr zu essen.“ Sie freut sich: „Die Leute kommen zu uns und wollen wirklich auch etwas über den Honig erfahren.“

„Gerade auf Märkten ist unser Honig meist ein Selbstläufer“, so Timo Ostermann. Für ein Glas Blütenhonig (340 Gramm) zahlt man 6,50 Euro, die selbe Menge Tannenhonig kostet 8,50 Euro. Trotzdem: „Im Moment bleibt noch nicht wirklich was hängen“, gibt der Imker zu. Immer wieder werde investiert – zuletzt etwa in eine Klimaanlage, neue Kühlschränke oder eine Photovoltaikanlage. „Das Geld geht weg und ich schieße auch immer mal wieder privat etwas dazu“, so Ostermann. „Es ist aber einfach auch ein toller Ausgleich zu meinem Hauptjob.“

Beim Herstellen der Kerzen arbeitet Sandra Ostermann unter höchster Konzentration. Foto: Merz

Einen Imker-Schutzanzug braucht der 43-Jährige bei seiner Arbeit nur selten. „Die Bienen sind eigentlich so gezüchtet, dass sie sanft sind“, erklärt er, „aber auch sie sind mal schlecht drauf.“ Besonders Sturm und Gewitter mögen sie gar nicht. „50 Stiche im Jahr nehme ich schon mit, aber mein Körper hat sich mittlerweile daran gewöhnt“, so Ostermann schmunzelnd.

Der Hofladen

Der Hofladen der Imkerei Ostermann in der Unteren Hauptstraße 11 in Hugsweier hat am Dienstag und Donnerstag, jeweils von 16 bis 19 Uhr geöffnet, am Samstag immer von 10 Uhr bis um 13 Uhr. Weitere Infos gibt es auch online unter imkerei-ostermann.de sowie unter Telefon 07821/92 00 79.