Silke Kintrup war bei der Geburt eines Jungen dabei – für sie ging ein Herzenswunsch in Erfüllung. Foto: Kintrup

Silke Kintrup, die frühere Mitarbeiterin in der Arztpraxis von Rainer Schach, besuchte ihren ehemaligen Chef an dessen Wirkungsort in Afrika. Die Situation für die Menschen in Burundi ist derzeit von Benzinknappheit und hoher Inflation geprägt.

Mit den Worten „Versprochen ist versprochen – ich komme Sie auf jeden Fall in Afrika besuchen“ verabschiedete sich Silke Kintrup, die über 40 Jahre mit dem Altheimer Allgemeinmediziner Rainer Schach zusammengearbeitet hatte, von ihrem Chef an dessen letztem Arbeitstag im Dezember 2023 an alter Wirkungsstätte. Der beliebte Arzt wechselte seinen Wohnsitz nach Bujumbura, der größten Stadt im ostafrikanischen Burundi.

 

Visum ist problematisch

Gesagt, getan! Sie plante bald darauf ihre 14-tägige Reise im Juni nach Burundi. Die ersten Probleme gab es zwar schon bei der Beantragung des Visums, da die burundische Botschaft kein Visum mehr ausstellte, sondern dieses erst bei der Ankunft in Burundi zu bekommen war, doch davon ließ sich die couragierte Talheimerin nicht abschrecken.

Am 2. Juni setzte sie sich zusammen mit ihrer Bekannten Elke Rieger-Hanselmann in Frankfurt ins Flugzeug, um über Brüssel weiter nach Burundi zu fliegen. Nach problemloser Anreise wurden die beiden herzlichst von Acquilina und Rainer Schach empfangen. Schon auf der kurzen Fahrt vom Flughafen zum Privathaus der Schachs fiel den beiden auf, dass auf den Straßen sehr wenig Verkehr herrschte, es jedoch vor den Tankstellen zu kilometerlangen Staus kam. Grund dafür ist die Benzinknappheit, die in ganz Burundi vorherrscht.

Benzinknappheit

Aus diesem Grund reduzierte sich das Ausflugsprogramm für die beiden Besucherinnen auf zwei größere Fahrten, wovon eine ins Krankenhaus nach Songa führte, welches mit Geldern vom Rotary Club Horb-Sulz und dem Engagement von Rainer Schach, der dort nach wie vor teilweise praktiziert, gebaut wurde.

Sie freuen sich über die gemeinsam verbrachte Zeit, von links: Silke Kintrup, Rainer Schach, Elke Rieger-Hanselmann und Acquilina Schach. Foto: Kintrup

Für die engagierte Arzthelferin Kintrup, die wie selbstverständlich ihrem Chef zur Hand ging, waren dies zwei Tage, die sie zu den Wurzeln ihres Berufs zurückführten.

Wie vor 40 Jahren

„Es war wie vor 40 Jahren in Deutschland. Man konnte ohne Vorschriften und vor allem ohne Bürokratie arbeiten“, freute sie sich noch im Nachhinein. „Und die Patienten waren dankbar, dass ihnen geholfen wurde, obwohl viele durch den großen Andrang teils Stunden warten mussten. Manche reisten sogar über Nacht an und schliefen auf Bänken, um am nächsten Tag behandelt zu werden. Einige nahmen die Strapazen auf sich und reisten von über 200 Kilometer weit an. „Viele der Patienten litten an Herzkreislauf-Erkrankungen“, berichtete Kintrup. Besonders erinnert sie sich an einen Säugling, dem der deutsche Medizinmann das Leben rettete, indem er ihm die Lunge punktierte, da es durch eine Ritual-OP zu einer eitrigen Lungenentzündung gekommen war.

Das Krankenhaus in Songa wurde mit Hilfe aus Horb erbaut. Foto: Kintrup

Auch ging für die erfahrene Arzthelferin ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Sie durfte bei einer Geburt eines Kindes dabei sein. Ein Erlebnis, das in der Altheimer Allgemeinpraxis so nie vorkommt.

Nach zwei erlebnisreichen Tagen im Krankenhaus von Songa führte die Rückfahrt durch eine wunderschöne Landschaft auf der Verbindungsstraße nach Ruanda und Tansania. Besonders beeindruckt waren die beiden Besucherinnen von den für sie sehr gewöhnungsbedürftigen Transportmitteln, hauptsächlich Fahrräder, die mit Bananenstauden, Matratzen, ja sogar lebenden Schweinen überladen waren.

Schönstatt-Schwestern

Ein zweiter Ausflug führte sie nach Mutumba zu den Schönstatt-Schwestern, welche noch mit den Folgen der Erosion durch Abholzung in Form eines massiven Erdrutsches zu kämpfen haben. Die Stromversorgung ist dort zusammengebrochen.

An der Grenze zum Kongo waren noch große Überschwemmungen der angrenzenden Dörfer zu sehen. Große Evakuierungen wurden hier notwendig.

Der Weg zur nächsten Apotheke kann schwierig sein. Foto: Kintrup

Die beiden Besucherinnen erlebten auf den beiden Ausflügen ein Afrika, wie es wirklich ist. „Es war für uns sehr erschreckend, Afrika ohne rosarote Brille zu sehen“, so Silke Kintrup, der die Probleme mit der Energieversorgung, die hohe Inflation, die erschreckende Armut der Bevölkerung, die marode Infrastruktur und die Probleme, die der Klimawandel mit Überschwemmungen und Erosionen verursacht, besonders auffielen.

Massive Inflation

Während ihres 14-tägigen Aufenthalts begleitete sie das Ehepaar Schach (Frau Schach hilft ihrem Mann als Übersetzerin) zudem an mehreren Tagen in die Praxis nach Bujumbura.

Sie besuchten dort auch den Centralmarkt mit seinem reichhaltigen Angebot an Lebensmitteln und farbenprächtiger Kleidung. Ein Angebot, das leider aufgrund der massiven Inflation für den Großteil der Bevölkerung unerschwinglich ist.

Das Fahrrad ist ein wichtiges Transportmittel in Burundi.

Trotz der Erkenntnis, dass Not, Krankheit und Armut ständige Begleiter der Menschen in diesem gebeutelten Land sind, überwogen bei den beiden Besucherinnen viele andere Eindrücke.

Für Silke Kintrup und deren Freundin Elke Rieger-Hanselmann war die Reise zu ihrem Ex-Chef nach Burundi unvergesslich, schön und erlebnisreich und sie verabschiedeten sich von den Schachs mit den Worten: „Wir kommen wieder.“

Und bei ihr weiß man ja: Versprochen ist versprochen!