Jacob Beautemps sowie Dirk Rossmann und Josef Settele sagen dem Pessimismus den Kampf an. In zwei Sachbüchern machen sie sich auf die Suche nach Techniken, die die Welt ein kleines bisschen besser machen könnten. Unseren Kolumnisten Markus Reiter stimmt das optimistisch.
Vor einigen Jahren, als es uns noch richtig gut ging und wir uns unseres Wohlstandes sicher glaubten, gab es in kapitalismuskritischen Kreisen engagierte Diskussionen um das Konzept des Nullwachstums. Wäre es nicht besser, lautete die Argumentation, wenn wir ein bisschen bescheidener würden? Wenn wir dem Fetisch des unablässigen Wirtschaftswachstums abschwörten und uns darauf konzentrierten, was uns wirklich glücklich macht? Damals waren Bruttosozialglück-Indikatoren im Gespräch, deren Verfechter sich sicher waren: Achtsamkeit und gegenseitige Liebenswürdigkeit seien viel besser als mehr Geld im Portemonnaie oder das allerneueste iPhone.
Die Resilienz der Gesellschaft im Angesicht einer realen Wachstumsschwäche erwies sich allerdings als weniger ausgeprägt, als die Wachstumskritiker gehofft hatten. Jetzt, wo unser Wohlstand – und sei es nur ein kleines bisschen – bedroht ist, haben die meisten Leute mit Genügsamkeit nicht mehr viel am Hut. Im Gegenteil. Die Stimmung ist total im Keller.
Physiker Beautemps schreibt gut lesbar und anschaulich
Und jene extreme Partei, die so tut, als ließen sich Wirtschaft und Gesellschaft der 1950er-Jahre wiederherstellen, bekommt Zuspruch von nahezu einem Viertel der Wahlbevölkerung. Umfragen zeigen, dass gerade deren Wähler besonders düster in die Zukunft blicken. Wobei die anderen Dreiviertel in ihrer Mehrheit auch nicht gerade aus sonnigen Gemütern bestehen.
Aber mal ehrlich: Mit Miesepetern und Trübsalbläsern lässt sich keine Zukunft gewinnen. Deshalb haben sich drei Autoren entschlossen, die Zukunft neu zu denken, Ideen für ein besseres Leben, eine bessere Welt zusammenzutragen. Jacob Beautemps ist ein promovierter Science-Youtuber und Wissenschaftsjournalist, der versucht, seinen Followern und Zuschauern Technik verständlich zu machen. In seinem Buch „Unsere Zukunft neu denken“ (Spiegel-Bestseller Sachbuch Paperback Platz 23, Fischer, 272 Seiten, 18 Euro) macht sich Beautemps auf die Suche nach „Innovationen, die unser Leben besser machen“ – so der Untertitel. Der Autor konzentriert sich auf fünf der großen Probleme der Zukunft: Gesundheit, Energieversorgung, Welternährung, CO₂-Reduktion und der verantwortungsvolle Einsatz künstlicher Intelligenz.
Beautemps erklärt zum Beispiel, wie Kernfusion funktioniert (im Prinzip ist es das, was auf der Sonne passiert) und warum sie nicht dasselbe ist wie Kernspaltung. Er beschreibt, wie vertikaler Gemüseanbau geht, wie Moore CO₂ speichern können und wie mithilfe der Immuntherapie die Menschheitsgeißel Krebs besiegt werden könnte. Der Physiker schreibt dabei gut lesbar und anschaulich. Er zeigt große Chancen auf, verschweigt aber nicht die Risiken und Beschränkungen der innovativen Methoden.
Den entscheidenden Gedanken formuliert Beautemps bereits in der Einführung: Die wenigsten Menschen in Deutschland – und schon gar nicht im Rest der Welt – hätten Lust auf Verzicht. „Die Menschen“, schreibt er, „wollen Wohlstand erreichen, sich und ihre Kinder ernähren, sich bilden, reisen, gut wohnen, Auto fahren und Flugzeuge nutzen“.
Deshalb brauche es technologische Lösungen für viele Probleme. Klar: Neue Technologien schaffen teils neue Probleme, die dann durch andere, wiederum neue Technologien gelöst werden müssen. Aber: „Meiner Ansicht nach ist es einfach unrealistisch zu erwarten, dass wir mit dem Appell an eine Verhaltensänderung globale Probleme lösen können.“
Auch der Drogerieunternehmer Dirk Rossmann und der Ökologieprofessor Josef Settele sehen das wohl so. Mit der nicht ganz unbescheidenen Marketingmacht des Rossmann-Konzerns und des Vertriebs in der Drogeriekette schaffte es ihr Buch „Keine Zeit für Pessimismus“ (Spiegel-Bestseller Sachbuch Hardcover Platz 5, Quadriga, 255 Seiten, 20 Euro) auf die Bestsellerliste.
Der Ansatz der beiden Autoren ist ähnlich wie der von Beautemps. Sie setzen allerdings mehr auf persönliche Begegnungen mit unternehmungslustigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. So lernen die Leser zum Beispiel den skurrilen Professor Hans Joosten kennen, einen ausgewiesenen Experten für Moore. Auch hier geht es darum, welche gewaltige Rolle Sümpfe für die CO₂-Speicherung spielen können.
Zuviel erzählerisches Tamtam, zu wenig Tiefe bei Rossmann
Man begegnet Forschern, die versuchen, Mikroplastik aus den Gewässern der Welt zu filtern; einem introvertierten Wissenschaftler aus Jena, der den Kupferverbrauch für Batterien massiv reduzieren will, und einem Chemiker, der Palmöl ersetzen will, um der massenhaften Rodung von Urwäldern Einhalt zu gebieten.
Wie schon bei Rossmanns Öko-Thrillern trägt dieses Buch sprachlich oft ein bisschen zu dick auf, kommt nicht selten überdramatisch daher. An vielen Stellen wünscht man sich weniger erzählerisches Tamtam und mehr Tiefe. Dennoch: Dass es zwei Bücher gegen den Pessimismus auf die Bestsellerliste geschafft haben, stimmt fast schon wieder optimistisch.