Oktober 2023: Serhou Guirassy (rechts) feiert seinen Treffer zum 1:0 gegen Union – Jamie Leweling freut sich mit Foto: Baumann

Die Stuttgarter stellen in dieser Runde bislang einen Rekord nach dem anderen auf. Führt das am Ende noch zur Vizemeisterschaft?

Wo soll das noch hinführen? Angesichts der schwächelnden einstigen Übermacht aus München träumt so mancher Fan der Weiß-Roten ja bereits von der Vizemeisterschaft. Zumindest kein gänzlich unrealistisches Szenario vor dem 25. Spieltag, an dem der Tabellendritte an diesem Freitag (20.30 Uhr) Union Berlin empfängt. So oder so spielt der VfB Stuttgart die Saison seines Lebens – mit zahlreichen Bestmarken, die diese Saison zieren.

Punkte Wenn nur Bayer Leverkusen nicht wäre! Dann, ja dann könnte sich die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß gar Titelchancen ausrechnen. Denn mit einem Punkteschnitt von 2,08 liegt der VfB im imaginären xR (expected Ranking) über dem tatsächlichen dritten Tabellenplatz. Die auf die komplette Spielzeit hochgerechneten 71 Punkte hätten in vergangenen Jahren zur Meisterschaft gereicht. Zum Beispiel 2007, als die Stuttgarter am Ende auf 70 Zähler kamen. In der vergangenen Saison feierten die Bayern mit 71 Punkten den Titel.

 

Guirassy und Undav für mehr als die Hälfte aller Tore verantwortlich

50 Punkte nach 24 Spieltagen hatte der VfB in seiner langen Bundesliga-Historie überhaupt noch nie auf dem Konto. Auch nicht in der bis heute glorifizierten Meistersaison 2006/07. Damals waren es zum gleichen Zeitpunkt fünf weniger als heute. So gesehen ist der VfB der beste Tabellendritte aller Zeiten. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel kam erst einmal eine Mannschaft nach 24 Spieltagen auf ebenso viele Zähler: 2006 der Hamburger SV.

Tore Dass der VfB Tore wie am Fließband erzielt, liegt vor allem an den beiden Torjägern: Serhou Guirassy (20) und Deniz Undav (14) zeichnen für mehr als die Hälfte aller Stuttgarter Tore (55) in dieser Saison verantwortlich. 20 Treffer eines Spielers nach 24 Spieltagen sind: natürlich Stuttgarter Vereinsrekord. Genauso wie Guirassys 13 Tore an den ersten sieben Spieltagen Bundesliga-Rekord sind. Fünf Spiele in Folge mit mindestens zwei Toren Unterschied zu gewinnen ist ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal der aktuellen VfB-Mannschaft.

Verdrängt Guirassy Mario Gomez vom VfB-Thron?

Zum Vergleich: Mario Gomez thront mit 24 Toren in einer Saison (2008/09) auf Platz eins der treffsichersten Torjäger im Brustring – noch. Wo stünde sein Nachfolger aus Guinea wohl, hätte er nicht sechs Spiele aufgrund von Verletzungen und Länderspielen verpasst? Statistisch trifft er alle 66 Minuten ins Tor, Undav alle 93. Zwei Top-Torjäger in einer Mannschaft zu vereinen zählt ebenso zu den Besonderheiten dieser Mannschaft. In den Top-5-Ligen Europas findet sich nichts Vergleichbares zu „Undassy“, das insgesamt 40 Scorer-Punkte auf sich vereint.

Trainer Was Sebastian Hoeneß so besonders macht? Vielleicht der Umstand, dass noch nie ein VfB-Trainer, der sich noch nicht einmal ein Jahr im Amt befindet, als neuer Bayern-Trainer gehandelt wird. Statistisch wird diese Ehre durch den Punkteschnitt untermauert. 2,03 beträgt dieser seit Amtsantritt im April 2023. So erfolgreich war niemand vor ihm, zumindest keiner der Langzeittrainer mit mehr als 34 Spielen. Hinter Hoeneß rangieren Jürgen Sundermann (1,92/inkl. zweiter Liga) und Christian Gross (1,86). Felix Magath landete bei 1,73 Punkten im Schnitt – und landete als einziger VfB-Coach tatsächlich bei den Bayern.