Tanja Höschele und Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn freuen sich über den geglückten Weltrekordversuch am Himmelsglück-Turm. Dafür darf sich die Extremläuferin ins Goldene Buch der Gemeinde eintragen. Foto: Verena Parage

Knapp zwei Monate liegt Tanja Höscheles erfolgreicher Weltrekordversuch in Schömberg zurück. In zwölf Stunden bezwingt die Extremsportlerin 12 900 Höhenmeter auf dem Himmelsglück-Turm. Das bringt ihr nun einen Eintrag ins Goldene Buch ein.

Am 17. Oktober schleppte sich Tanja Höschele wie eine alte Frau mit ihrem Köfferchen am Pforzheimer Hauptbahnhof die Treppe zu Gleis 3 hoch. Dabei ist die Extremsportlerin aus Straubenhardt-Schwann eigentlich fit wie ein Turnschuh. Dass es an diesem Donnerstag anders war, das lag am Weltrekord, den sie tags zuvor auf dem Himmelsglück-Turm in Schömberg aufgestellt hatte: 129 Mal ist sie diesen innerhalb von zwölf Stunden hoch und runter gelaufen. Das bedeutet 12 900 Höhenmeter – und tags darauf einen Riesenmuskelkater, wie die 53-Jährige nun im Schömberger Rathaus erzählt.

 

Goldenes Buch Dort darf sich Tanja Höschele ins Goldene Buch der Glücksgemeinde eintragen. Neben ihrem Eintrag zeugt im Rathaus künftig eine Urkunde des Rekord-Instituts für Deutschland (RID), das die Bestleistung zertifiziert hat, von dem Weltrekord am Himmelsglück-Turm.

Schömberger Stolz und perfekte Stufen

„Das hat uns schon ein Stück weit Stolz gemacht“, erzählt Bürgermeister Matthias Leyn rückblickend über Höscheles Anfrage, auf dem Turm einen Weltrekordversuch zu unternehmen. Dass der gut geeignet ist, erläutert die Sportlerin beim Termin im Rathaus: „Der Abstand und die Tiefe der Stufen, das ist wirklich perfekt.“ Sie muss es wissen, schließlich hat die Schwannerin schon mehrfach am Mount-Everest-Treppenmarathon in Radebeul teilgenommen und außerdem neun weitere Weltrekorde, mehrere davon fürs Non-Stop-Treppenlaufen, aufgestellt.

Tanja Höschele während des Rekordversuchs am 16. Oktober auf dem Himmelsglück-Turm. Foto: Verena Parage

Tanja Höschele erzählt, sie sei „total überrascht“ gewesen von der positiven Reaktion der Schömberger. Andernorts erlebt sie weniger Enthusiasmus, wenn sie eine Anfrage wegen eines Rekordversuchs stellt. „Wir stehen dem schon sehr aufgeschlossen gegenüber“, meint Leyn und verweist darauf, dass der Turm inzwischen auch bei der Nordschwarzwald Trophy eingebunden ist.

„Stolz sind wir natürlich auch, dass es der erste Damenrekord ist“, merkt Stephanie Stocker, verantwortlich für die Pressearbeit in der Glücksgemeinde, an. Denn solch einen Treppenrekord hatte bisher nur ein Mann aufgestellt.

Begeisterung Dass sich viele weitere Schömberger und andere Interessierte von der sportlichen Herausforderung begeistern ließen, das klingt ebenfalls an. Stocker und Höschele erinnern sich etwa an den Besuch einer Gruppe der Kita „Am Eulenbächle“. Angesichts der Anfeuerungsrufe dieser kleinen Fans seien ihr die Tränen gekommen, erzählt die Sportlerin. Und sie berichtet von einer Tafel Schokolade, die mit einem Brief versehen im Briefkasten des Neuenbürger Rathauses lag, wo Tanja Höschele arbeitet. Damit bedankte sich ein ihr bis dato unbekannter Zuschauer für den schönen Nachmittag am Turm. Das Auf und Ab der Sportlerin hatte ihn offenbar an Auf und Abs in seinem Leben erinnert.

Zuschauer lassen sich begeistern

Doch Tanja Höschele bewegt nicht nur emotional mit ihrer Leistung, sondern auch konkret: mit ihrer Unterstützung des Kinderhospizdiensts Sterneninsel. Dort engagiert sie sich zum einen ehrenamtlich, zum andern hat die Schwannerin bei jeder Runde Geld ihres Rekordversuchs Geld gesammelt für die „Sterneninsel“. Zehn Euro haben Sponsoren pro geschaffter Runde bezahlt. Am Ende ist mit etwa 3000 Euro aber viel mehr als nur das „Rundengeld“ zusammengekommen. „Die haben sich echt gefreut“, erzählt die Sportlerin von der Übergabe.

Neue Herausforderungen So wie sie sich über den Eintrag ins Goldene Buch der Glücksgemeinde.

Dort steht ihr Name nun neben dem weiterer Sportler, von Politikern, Feuerwehrfunktionären oder gar indischen Botschaftern – ihrem zehnten Weltrekord sei Dank.

Nächster Rekordversuch bereits im Frühjahr?

Geht es nach Tanja Höschele, nimmt sie Nummer elf bereits im Frühling in Angriff: am liebsten auf dem Bad Wildbader Baumwipfelpfad. Dort gibt es zwar keine langen Treppen, aber ebenfalls einen Turm mit Aussicht über den Schwarzwald und damit unzählige Höhenmeter, die die 53-Jährige innerhalb von zwölf Stunden bezwingen könnte.

Erst einmal packt Tanja Höschele, bereit für die nächste Herausforderung, allerdings wieder ein Köfferchen: Am Freitagnachmittag fliegt sie nach Barcelona, wo am Wochenende ein 24-Stunden-Bahnlauf stattfindet. Mittendrin die unermüdliche Tanja Höschele.

Am Tag danach, und bestenfalls 160 gelaufene Kilometer später, dürfte dann wieder der Muskelkater zuschlagen.