Der Bestattungswald „Falkensteiner Ruh“ oberhalb der Falkensteiner Kapelle wird zunehmend genutzt. Foto: Fritsche

Seit der Eröffnung 2025 wurden oberhalb der Falkensteiner Kapelle bereits 43 Urnen beigesetzt.

Der Wandel der Bestattungskultur setzt sich fort. Auf den Friedhöfen in Schramberg nehmen die Urnen- gegenüber den Erdbestattungen von Jahr zu Jahr weiter zu: So stieg der Anteil der Urnenbestattungen nach Angaben der Stadtverwaltung Schramberg von 68 Prozent im Jahr 2014 auf knapp 78 Prozent im Jahre 2024. Und 2025 erfolgten von den 236 Bestattungen auf den städtischen Friedhöfen 19 Prozent als Sarg- und 81 Prozent als Urnenbeisetzung.

 

Aber nicht nur die Form, sondern auch der Ort der Beisetzungen wandelt sich: Immer mehr Menschen wollen kein traditionelles Grab auf einem klassischen Friedhof mehr. Nach einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa vom Sommer 2025 bevorzugen 24 Prozent der Befragten stattdessen eine naturnahe Beisetzung in einem Bestattungswald.

Zwölf Vorsorgeverträge

Auch in Schramberg gibt es inzwischen die Möglichkeit, die Urne eines Verstorbenen in dieser Form beizusetzen. Im Juli 2025 wurde der Bestattungswald „Falkensteiner Ruh“ oberhalb der Falkensteiner Kapelle eingeweiht. Er gehört als Teil der städtischen Friedhofseinrichtungen zur Stadt Schramberg.

Die Betreuung und der Betrieb des Waldfriedhofs wurden von der Forstverwaltung Graf von Bissingen aus Dietingen übernommen, die in dem bewaldete Gelände oberhalb der Falkensteiner Kapelle mögliche Bestattungsbäume kennzeichnete und Wege anlegte.

Steiniger Boden

„Seit dem Start im Sommer 2025 konnten wir bereits 43 Urnenbestattungen durchführen, darüber hinaus wurden zwölf Vorsorgeverträge abgeschlossen“, berichtet Ferdinand von Bissingen auf Anfrage unserer Redaktion. Die Grabplätze seien bisher vor allem an Eichen, Ilex, Weißtannen, Buchen und Kiefern ausgewählt worden.

Alle Gräber würden von Hand ausgehoben. Der steinige Boden stelle dabei immer wieder eine Herausforderung dar, da die Urnengräber etwa 60 bis 70 Zentimeter tief ausgehoben werden müssen. „Sehr dankbar sind wir auch für die Unterstützung der örtlichen Bestattungsunternehmen. Besonders begleitet haben uns dabei die Häuser Hauser, Hertkorn, Weisser, Friedrichson und Koch“, erklärte von Bissingen.

Die Bestattungen hätten auch in der kalten und schneereichen Winterzeit ohne größere Schwierigkeiten stattgefunden. Der Großteil der Trauerfeiern sei in der Falkensteiner Kapelle abgehalten worden, während einige Familien diese direkt am Baum im Wald gestalteten.

Persönliche Andacht

„Viele Besucher äußerten zunächst Respekt vor dem Weg, stellten jedoch nach dem Gang zum Baum fest, dass dieser weniger mühsam als erwartet war“, versichert von Bissingen mit Blick auf die Hanglage des Bestattungswalds.

Die Serpentine von der Kapelle zum Andachtsplatz werde als sehr hilfreich und angenehm zu gehen wahrgenommen: „Wenn man sich Zeit nimmt, wird der Weg mit der Urne zum Baum häufig als ruhige und sehr persönliche Andacht erlebt – ein Moment, um zu beten oder sich bewusst an schöne Erinnerungen an die verstorbene Person zu erinnern.“

Trauergästen, die nicht gut zu Fuß sind, sei bereits mehrfach mit einem Fahrzeug Unterstützung angeboten worden, um sie so nah wie möglich an den jeweiligen Grabplatz heranzufahren. „Zusätzlich planen wir aktuell die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs, um älteren oder weniger mobilen Besuchern künftig den Zugang noch weiter zu erleichtern“, ergänzt von Bissingen.