Beim Strategietag haben Gemeinderäte, Steinmetze, Verwaltungsmitarbeiter, Vertreter der Kirche und des Sozialverbands VdK über die Neugestaltung der letzten Ruhestätte debattiert.
Stefan Lubowitzki, Geschäftsführer der Weiher GmbH, hat beim Strategietag zur Neugestaltung des Friedhofs der Gemeindeverwaltung Maulburg im Hinblick auf ihren Friedhof ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Er sagte: „Sie haben hier fast ein Defizit von jährlich einer Viertelmillion Euro.“ Für eine Gemeinde mit 4300 Einwohnern sei das sehr hoch. „So ein krasses Ergebnis habe ich noch nie gesehen. Das ist Wahnsinn“, fügte Lubowitzki hinzu.
Gebühren lassen sich nicht grenzenlos erhöhen
Die Weiher GmbH berät deutschlandweit Kommunen bei der Umgestaltung ihrer Friedhöfe. Er räumte ein, dass es nicht so einfach sei, das Defizit zu verringern. Man könne zwar die Friedhofsgebühren erhöhen – allerdings nicht so hoch, um aus dem Friedhof einen kostendeckenden Betrieb zu machen. Dann würden sich die Bürger beispielsweise in einem Friedwald oder in einem Ruheforst bestatten lassen. Ein Drittel der Bürger würde dies jetzt schon tun.
Lubowitzki wies daraufhin, dass die Gräber kleiner würden und die Überhangflächen zunähmen. Es gebe drei Überhangflächentypen (A, B und C). Die kleinteilig in belegten Grabfeldern verteilten C-Flächen seien der unwirtschaftlichste und pflegeintensivste Flächentyp. „Sie sind daher durch gute Belegungssteuerung nach Möglichkeit zu vermeiden. Auf dem Friedhof Maulburg sind C-Flächen in mehreren Grabfeldern zu finden“, sagte Lubowitzki. Auch mehrere B-Flächen sind vorhanden. Als B-Flächen werden größere zusammenhängende Bereiche bezeichnet, die zwar in der Vergangenheit bereits mit Gräbern belegt waren, inzwischen durch den Nachfragewandel und gezielte Belegungssteuerung aber frei geworden sind. Sie haben eine Größenordnung, die eine einfachere Pflege und relativ ungehinderte Neuentwicklung im Flächenzusammenhang ermöglicht.
Vorschläge für die Umgestaltung
Die Grablücken verursachten Pflege- und Unterhaltskosten. „In diese Flíckenteppiche muss man dann mit dem Freischneider rein und das ist teuer“, sagte Lubowitzki.
An dem vierstündigen Friedhof-Workshop im Gemeinderatssitzungssaal nahmen Gemeinderäte, Steinmetze, Vertreter der Gemeindeverwaltung und der Kirche, des VdK und Bürger teil. Lubowitzki und seine Mitarbeiter Fabian Mischler und Sophia Abb zeigten die Probleme von Maulburgs letzter Ruhestätte auf und machten Vorschläge, wie man den Friedhof umgestalten kann. Die Workshop-Teilnehmer konnten Vorschläge machen, was sie sich für den Friedhof wünschen. Mehrere Personen äußerten den Wunsch nach einem Sternenfeld. Eine Person forderte einen Grabartenmix mit Sarg- und Urnengräbern, mehrere Personen mehr individuelle Freiheiten bei der Gestaltung des Grabes. Sandra Raschendorfer, Steinmetzin und Steinbildhauerin, wünscht sich einen Bücherschrank auf dem Friedhof. Pfarrerin Bärbel Waßmer sprach sich gegen anonyme Bestattungen aus. „Sie sind würdelos und furchtbar.“ Auch Lubowitzki ist kein Freund davon. Den Freunden des Toten werde dadurch die Trauerarbeit genommen.
Fahrzeuge müssen Eingänge passieren
Lubowitzki schlug der Verwaltung einige Änderungen für ihre Friedhofssatzung vor. Er kritisierte zum Beispiel, dass Auswärtige, die sich in Maulburg bestatten lassen wollten, deutlich mehr als die Dorfeinwohner zahlen müssten. „Das ist rechtlich angreifbar“, sagte Lubowitzki. Er riet ihr, die Vielseitigkeit des Friedhofs auf der Gemeinde-Homepage darzustellen. Elke Chmella-Emrich (Weiher) regte an, die Aussegnungshalle in den Fokus zu rücken. Sie sei eine „nutzbare Skulptur.“
Vorgeschlagen wurde auch, dass man durch Wegweiser die Orientierung verbessern solle. Bild- und Steinhauer Michael Krückels sagte, die Eingänge sollten nicht zu klein sein, sonst komme man mit den Fahrzeugen nicht auf den Friedhof.
Maulburg brauche nun nach erfolgter Ist-Analyse eine Friedhofskonzeption, legte Lubowitzki dar. Wichtig sei ein Bodengutachten, das aufzeige, in welchem Bereich es die beste Verwesungsleistung gebe. Wichtig sei auch, dass man bei der Gestaltung des Friedhof flexibel sei, weil niemand voraussehen könne, wie sich die Maulburger in 15 Jahren bestatten lassen wollen. Der Friedhof könne gerastert und dann modulweise gestaltet werden.
In einem Modul sei es sinnvoll, verschiedene Bestattungsarten anzubieten. Die Gestaltung der Module müsse reversibel sein, um auf die Wünsche der Bürger schnell reagieren zu können. Es könne durchaus sein, so der Friedhofsexperte. dass die Sargbestattung eine Wiederkehr erlebe.
Dann etwa, wenn die Kremierung aufgrund gestiegener Energiepreise so teuer werde, dass die Sargbestattung, die Lubowitzki ohnehin billiger anbieten will, attraktiver werde.