Die Musiker boten bei ihrem Konzert Highlights vergangener Jahresprogramme. Foto: Dorn

Das „Best of-Konzert“ des Musik- und Trachtenvereins Reichenbach zum 100-jährigen Bestehen wurde zu einer musikalischen Zeitreise durch vergangene Jahreprogramme.

Mit einem Jubiläumskonzert „Best of“ beendete der Musik- und Trachtenverein Reichenbach am Sonntagabend in der bis auf den letzten Platz besetzten Hornberger Stadthalle offiziell sein Jubiläumsjahr. Die Stückeauswahl für das „Best of-Konzert“ bezog sich auf die Jahre mit Dirigent Ralf Vosseler als musikalischen Leiter, der – glaubt man den Worten von Vereinsvorständin Corinna Lehmann – 2011 die Kapelle lediglich als Übergangslösung betreuen sollte. Aus dem Übergang wurden knapp anderthalb Jahrzehnte, in denen es Vosseler gelang, viele junge Musiker für die Blasmusik nachhaltig zu begeistern.

 

Und so mag es am Sonntagabend für die Stammgäste im Publikum ein Wiederhören mit musikalischen Highlights vergangener Jahreskonzerte gewesen sein. Viele der jungen Musiker beispielsweise im Flöten-, Klarinetten- oder Trompetenregister betraten mit den Melodien musikalisches Neuland.

Stück über den Klimawandel berührte das Publikum

Als Moderatorinnen führten Madleen Faller und Marina Lehmann durch das Konzert. Die Ouvertüre zur „Schlacht bei Valar“ war wie bei ihrer Erstaufführung beim Jahreskonzert 2012 bestens geeignet, die verschiedenen Register und ihre besonderen Klangfarben dem Publikum vorzustellen. Dass es sich dabei um die musikalische Beschreibung einer Schlacht im Westfälischen aus dem 15. Jahrhundert handelt, war ebenso wie beim nächsten Stück – der Beschwörung des „Olympic Spirit“ 1984 durch John Williams, erstaufgeführt beim Jahreskonzert 2019 – Nebensache. Mit präzise intonierten Fanfaren und fein heruntergedimmten Melodien der Holzbläser zeigte die Kapelle verschiedene Facetten der symphonischen Blasmusik.

Auch das bereits 2013 in der Hornberger Stadthalle vorgestellte symphonische Klagelied „Schmelzende Riesen“ von Armin Kofler hatte es in das „Best of-Programm“ geschafft. Mit der Wahl dieses Stücks zeigte die Reichenbacher Kapelle, dass der Klimawandel gerade für die jungen Musiker nach wie vor bedeutsam ist. Der schnelle, eine unbeschwerte Schlittenhundefahrt beschreibende Mittelteil gelang in hohem Tempo und mit großer Präzision. Das Klagelied der schmelzenden Gletscher mit dem letzten Rinnsal Schmelzwasser, beschrieben von einem feinen Flötenmotiv, berührte das Publikum.

Für einige junge Musiker waren die Stücke Neuland. Foto: Dorn

Mit „Moment for Morricone“ wusste die Kapelle bereits 2019 zu begeistern, enthielt die Sammlung großer Filmmusiken von Ennio Morricone doch nach dem dramatischen Intro mit Röhrenglocken und Gong zahlreiche Paradestücke für die Trompeten. Dann war es an den Klarinetten, einem tickenden Metronom gleich die Spannung für einen weiteren Italo-Western aufzubauen, ehe Vosseler nach einer lieblichen Flötenmelodie (ein friedlicher Moment, jäh gestört) alle Register im präzisen Galopp zum Schlussakkord führte.

In den Melodien zu „Joseph and the amazing technicolor dreamcoat“ aus dem ersten Jahreskonzert mit Dirigent Ralf Vosseler aus dem Jahr 2011 konnte das hohe Blech im Bigband-Kontext weiter schmachtvoll Akzente setzen.

Ein Medley wurde den Anstrengungen des Jubiläumsfests gewidmet

In der Anmoderation des sich anschließenden Abba-Medleys wurde an die Kraftanstrengungen für das mehrtägige Jubiläumsfest im Sommer erinnert, die vom ersten Traum („I have a dream“), viel Aufregung („Mamma mia“), Erschöpfung („S.O.S.“), der Gewissheit, sich im Verein auf die anderen verlassen zu können („Knowing me, knowing you“), den Triumph – auch über das schlechte Wetter – („The winner takes it all“) bis zur Erlösung nach dem letzten Abend („Dancing queen“) reichten. Als konkrete musikalische Erinnerung hat die Kapelle die von Helmut Epting beim Verbandsdirigenten Mathias Gronert in Auftrag gegebene „Bollenhut-Polka“ behalten, diese durfte zum Abschluss des „Best of-Konzerts“ und damit des Jubiläumsjahrs natürlich nicht fehlen, stehende Ovationen, Bravo- und Zugabe-Rufe erforderten zwei weitere Zugaben.

Die größte Ehrung des Abends ging an Helmut Epting, der 1975 wohl um das 50-jährige Vereinsjubiläum herum mit dem Flügelhorn begonnen hatte. Mit bewegenden Worten ehrten Schafheutle und Lehmann Epting als unaufgeregten „Macher“ im Verein über viele Jahre, der seiner Liebe zum Musik- und Trachtenverein Reichenbach im Jubiläumsjahr mit der Finanzierung der Auftragskomposition der „Bollenhut-Polka“ einen weiteren Mosaikstein hinzugefügt hatte.

Ehrungen standen auf dem Programm des Musik- und Trachtenvereins Reichenbach (von links): Hans-Jürgen Lehmann (Trachtengau Schwarzwald) , Vorständin Corinna Lehmann, Christoph Schwind mit Ehefrau Susanne, Benedikt Schwind, Sarah Schneider, Simon Esslinger, Christoph Wöhrle mit Ehefrau Luisa, Vorstand Steffen Lehmann, Helmut Epting, Vorstand Martin Aberle, Manfred Schafheutle (Blasmusikverband Kinzigtal). Foto: Dorn

Neben den beiden Großen Ehrennadeln in Gold der beiden Verbände erhielt Epting mit der Ehrung durch den Blasmusikverband Kinzigtal auch die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Diese berechtige ihn ab heute zum kostenfreien Eintritt zu den Konzerten des Seniorenblasorchesters. Dort würde er allerdings den Altersdurchschnitt deutlich absenken, bemerkte Manfred Schafheutle. Abschließend nutzten die beiden Vorstandsmitglieder Steffen Lehmann und Martin Aberle noch die große Bühne, um Corinna Lehmann für die viele Arbeit rund um den wirklich runden 100-jährigen Geburtstag des Vereins zu danken.

Christoph Wöhrle wurde für den Blasmusikverband Kinzigtal von Vizepräsident Manfred Schafheutle für 25 Jahre und von Hans-Jürgen Lehmann vom Trachtengau Schwarzwald ebenfalls für 25 Jahre mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Auf 25 Jahre im Trachtengau kommt inzwischen Christoph Schwind, der seine ganze Familie für die Musik im Verein begeistern konnte. Sarah Schneider, Simon Esslinger und Benedikt Schwind wurden für 15 Jahre Mitgliedschaft geehrt.