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Besser Leben Wenn Internet-Videos zum Küchenhelfer werden

Von

Calw - Kochen und Backen ist doch nicht schwierig – oder? Zumindest versprechen viele Tutorials (eine Art Gebrauchsanleitung per Video) im Internet genau das. Ralf Klormann, Redaktionsleiter des Schwarzwälder Boten in Calw, hat es im Selbstversuch getestet.

Eigentlich kann ich ganz gut kochen. Leider habe ich nicht immer genügend Zeit dazu. Und backen, nun ja... das fällt mir eher schwer. Was würde also näher liegen, als mir beides einmal fachmännisch erklären zu lassen – und zwar mittels so genannter Tutorials, die versprechen, beides im Handumdrehen zu vereinfachen?

Hähnchen-Curry

Ich beginne das Experiment mit einem Rezept für ein schnelles Abendessen – nach der Arbeit will das Kochen schließlich rasch erledigt sein. Ein kurzes Video, nur etwas länger als eine Minute, kommt mir da gerade recht. Und das Gericht klingt nicht schlecht: Hähnchen-Curry.

Üblicherweise brauche ich für die Arbeit mit Topf und Pfanne nicht mehr unbedingt eine detaillierte Anleitung – immerhin habe ich mir am Herd in den vergangenen Jahren einiges an Erfahrung angeeignet. Das Problem dabei: In der Regel erfinde ich das Rezept inzwischen selbst – oder, wenn ich denn eines benutze, befolge ich die Anweisungen zu akribisch. Die Folge ist häufig, dass alles etwas länger dauert. Ob da ein Video helfen kann? Die Antwort darauf überrascht mich nicht gerade wenig: ja, in der Tat.

Denn nachdem ich mir den kurzen Film nur einmal angesehen habe, ist sofort klar, was ich zu tun habe. Eine Zwiebel und zwei Knoblauchzehen klein hacken, salzen, goldbraun anbraten. Zwei Esslöffel passierte Tomaten (da ich für diese geringe Menge nicht extra eine neue Packung öffnen will, nehme ich eine ordentliche Portion Tomatenmark und etwas Wasser), einen Esslöffel Curry und Hähnchenbrust in Würfeln dazu, bei starker Hitze kochen, dann 200 Milliliter Kokosmilch, fünf Minuten bei schwacher Hitze ziehen lassen – und fertig ist die Mahlzeit. Ich staune selbst darüber, wie viel Zeit mir das Video erspart hat; wie viel effektiver ich die Informationen über die bewegten Bilder als über das Lesen eines Rezeptes aufgenommen habe.

Französisches Baguette

Gut, zugegeben: Besonders schwierig war die Zubereitung des Gerichts nicht. Genau deshalb entscheide ich mich bei meinem zweiten Tutorial-Versuch für etwas Aufwendiges – auf einem Gebiet, auf dem ich ohnehin nicht besonders glänze: Backen.

Hier entscheide ich mich für ein echt französisches Baguette. Und ein Video von knapp 13 Minuten Länge.

Die Zutatenliste (für drei Baguettes) ist auch hier überschaubar: 500 Gramm Weizenmehl, Typ 550, zehn Gramm frische Hefe, zehn Gramm Salz, 350 Milliliter Wasser. Ein erster Durchlauf des Films macht aber deutlich: Zeit ist erforderlich. Denn der Teig muss immer wieder ruhen, "entspannen", aufgehen, und so weiter...

Morgens um 9 Uhr bereite ich daher bereits den Vorteig zu; vermische fünf Gramm Hefe mit 250 Gramm Mehl und dem Wasser. Die Masse ist flüssig; das soll sie laut Video aber auch sein. Jetzt heißt es warten – und zwar rund sechs Stunden lang. Bis der Teig ordentlich Blasen wirft und angenehm fermentiert – also gewissermaßen "gegoren" – riecht. Mittags gegen 15 Uhr geht es weiter: Ich zerbrösele die restliche Hefe mit dem restlichen Mehl, gebe den Vorteig hinzu und knete, bis alles Mehl gebunden ist.

Wieder ist Warten angesagt; 20 Minuten, in denen der Teig "entspannen" kann. Dadurch, so heißt es zumindest im Video, soll der Teig leichter zu verarbeiten sein.

Die mehr oder weniger kurzen Pausen kommen mir gar nicht ungelegen; immerhin habe ich so immer wieder Zeit, mir Teile des Anleitungsfilms anzusehen. Wofür ich dankbar bin – denn manche Arbeitsschritte sind nur schwer zu erklären, dafür aber umso leichter zu zeigen. Beispielsweise, wie der Teig nun "lang gezogen" und "gefaltet" werden muss. Nur so bekomme dieser auch die nötige "Spannung", erklärt der Bäcker im Video.

Nun kommt das Salz dazu. Dann zehn Minuten kneten, ziehen, falten, bis der Teig elastisch und zu einer Kugel geformt wird, die dann in eine leicht geölte Schüssel kommt, wo sie nochmals eine Stunde abgedeckt ruhen soll.

Offen gesagt: Auch als Journalist, der davon lebt, mit Worten und möglichst treffenden Formulierungen zu arbeiten, komme ich hier schnell an meine Grenzen, anschaulich zu beschreiben, wie das Ganze funktioniert. Zum Glück gibt es diese Videos.

Nach einer Stunde gebe ich den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche und teile ihn in drei gleich große Stücke auf, forme sie zu kleinen Paketen, die nochmals zehn Minuten entspannen müssen.

Der spannendste Teil steht aber erst bevor: das eigentliche Formen der Baguettes. Und hierfür ist der Film wirklich beinahe unerlässlich. Das stelle ich fest, als ich das Rezept in Schriftform finde. Denn dieser Arbeitsschritt wird mit dem schlichten Satz "Dafür schaut ihr euch am besten das Video an" beschrieben.

Die länglich geformten Teigrohlinge müssen dabei zuerst zur Mitte und anschließend nochmals zum Ende hin gefaltet werden. Wichtig dabei: Den Teig nach dem Falten mit dem Handballen zusammendrücken; andernfalls reißt das Baguette im Backofen später an der Seite auf (was bei meinem Backwerk, offen gesagt, dann auch passiert – das nächste Mal werde ich wohl besser darauf achten müssen). Am Ende länglich rollen.

Mit einem Tuch abgedeckt lasse ich die Brote nochmals rund 45 Minuten gehen, bis sich deren Größe verdoppelt hat. Mit einem Messer schneide ich den Teig jeweils drei oder vier Mal schräg ein; dann kommen die Baguettes endlich in den vorgeheizten Backofen (Ober- und Unterhitze 250 Grad Celsius). Auf den Boden des Ofens steht eine Auflaufform mit kochendem Wasser, damit die Brote nicht austrocknen. Nach 20 Minuten nehme ich das Wasser heraus und backe die Baguettes noch rund zehn Minuten weiter auf 180 Grad Celsius. Et voilà: Endlich ist das echt französische Brot fertig.

Geschmacklich hat es mich übrigens sofort überzeugt. Ob ich den Aufwand noch allzuoft auf mich nehme, weiß ich dagegen noch nicht.

Sicher bin ich mir auf jeden Fall in einer Hinsicht: Tutorials sind eine wirklich wertvolle Hilfe beim Kochen und Backen. Meine Empfehlung: Einfach mal ausprobieren. Es dürfte sich lohnen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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