Sven Gnass vereinte eine außergewöhnliche Besetzung von Chören, Solisten und Orchester. Die Musiker boten eine mitreißende Inszenierung von Mozarts Requiem.
An einem nebligen, regnerischen Abend lässt es sich in einer kalten und stockdunklen Kirche gut trauern. Auch musikalisch mit dem „Mozart Requiem“. Sven Gnass, Leiter der Horber Musikschule hatte zu einem Konzertabend der Extraklasse geladen und viele kulturbegeisterte Menschen aus der ganzen Raumschaft folgten dieser Einladung.
Die Horber Stiftskirche war voll besetzt, und im hinteren Bereich der Kirche mussten sogar einige Zuhörer stehen. Kein Wunder, denn Gnass hatte mit dem Horber Kammerorchester, dem Chor der städtischen Musikschule Horb, dem Philharmonia Chor Stuttgart und den Solisten Victoria Kunze (Sopran), Jasmin Hoffmann (Mezzosopran), Stefan Hahn (Tenor) und Kai Preussker (Bariton) einen Klangkörper zusammengestellt, dem ein hervorragender Ruf vorauseilte.
Dunkle Inszenierung
Schon bevor der erste Ton erklang, die Instrumente nach Kammerton A, den Konzertmeisterin Larissa Dolgova vorgab, gestimmt waren, gab es großen Applaus für die Instrumentalisten und Sänger dieses besonderen Abends. Sie alle kamen schwarz gekleidet auf die Bühne und in den Altarraum der Kirche, die extra für den Auftritt nochmals abgedunkelt wurde. Schwarzgekleidete Menschen in einer ohnehin dunklen Kirche ließen jedoch wenig Raum für visuelle Opulenz.
Schade eigentlich, denn zu so einer Aufführung gehören mehr als nur die Töne. Der Blick ins Orchester, auf die Sängerinnen und Sänger, wie sie konzentriert auf den Dirigenten schauen, die Hingabe der Instrumentalisten, die ihren Part mit liebevollem Einsatz spielen, das alles sind Momente, die ein Konzert bereichern. Am Sonntagabend in der Stiftskirche blieb den vielen Besuchern nur der Klang der Musik, auf die sie sich konzentrieren konnten –oder sollten.
Erst Auftakt mit Leichtigkeit
Ohne lange Vorrede eröffnete Sven Gnass den Abend mit der Serenade No. 3 in e-Moll von Robert Fuchs, mit der er gleich zu Beginn die Leistungsfähigkeit des Horber Kammerorchesters unter Beweis stellte.
Flirrende Geigen, die von den Bässen und den restlichen Holzstreichern unterstützt wurden, führen einschmeichelnd in die, im alten Stil gehaltene, Komposition ein. Die ersten drei Sätze dieser Serenade erinnerten an die Leichtigkeit einer Ballettaufführung, um dann aber zum Finale hin in feuriger Gemeinsamkeit zu enden. Herausragende Passagen waren von der Konzertmeisterin zu hören, die ihr Instrument immer wieder meisterlich ertönen ließ.
Gedenken an Musiklehrer
Gnass ging dann nach der Begrüßung zum Hauptwerk des Abends, zu Mozarts Spätwerk, dem „Requiem in d-moll“, einer Tonart – die eher ernsten oder auf das Jenseits bezogenen Dingen zugeordnet ist – über. Dieses Meisterwerk der Musica Sacra, der Kirchenmusik, konnte Mozart nicht mehr vollenden, doch wurde dieses Requiem, das seinen Namen trägt, unter anderem von Franz Xaver Süßmayr, einem seiner Schüler, fertiggeschrieben.
In acht Sätzen erzählt dieses Requiem die Leidensgeschichte von Jesus Christus in seiner ganzen, aufwühlenden Traurigkeit. Eine Meisterleistung, auch was die Konzentration und Engagement der vielen Freizeitsänger aber auch der Profis im Orchester und auf der Bühne anbelangt, die hier in der Stiftskirche geboten wurde.
Dieses Konzert wurde dem leider viel zu früh verstorbenen Schlagzeuglehrer an der Musikschule, Bernd Haid, gewidmet. Mit Schuberts wunderbaren „Ave Maria“, in deutscher Fassung gesungen von Victoria Kunze, ging diese großartige Aufführung unter nicht endend wollendem Beifall der begeisterten Zuhörer zu Ende.