Die "2" ist Trumpf in diesem Monat bei den Schnapszahl-Hochzeiten. Die Nachfrage ist bei den Standesämtern allerdings ganz unterschiedlich. Foto: Björn Otterbeck – stock.adobe.com

Im Februar tauchen sie gleich zweimal auf: sogenannte Schnapszahldaten. Solche Zahlenfolgen (2.2. und 22.2.2022) sind selten, aber auch Anlass, an diesen Tagen unbedingt heiraten zu wollen? Die Standesämter der Gegend wissen mehr, der Astrologenverband, ob die Sterne günstig stehen.

Horb/Region - Ein Ansturm ist beim Standesamt in Waldachtal bisher ausgeblieben: Für die beiden Daten 2.2.2022 und 22.2.2022 seien keine Anfragen eingegangen, teilt Bettina Axt von ebenjenem Amt unserer Redaktion mit. Somit finde auch keine Trauung an diesen Tagen statt. Ein Termin dauere im Übrigen zwischen 20 und 30 Minuten, je nachdem ob das Brautpaar Musikwünsche habe oder sonstige Beiträge in die Trauung einbringe wolle.

 

In Empfingen sieht es ähnlich aus: "Das Thema ist bei uns nicht wichtig beziehungsweise nachgefragt", heißt es von Bürgermeister Ferdinand Truffner. Es gebe nur eine Trauung am 2.2., entsprechend ist ein Ansturm auf die Schnapszahltage in seiner Gemeinde ausgeblieben. "Man muss ja nicht an besonderen Daten heiraten", erklärt Truffner, "es geht ja doch um Liebe und nicht den Termin im Kalender."

Mal schnell heiraten, ja aber...

Und wenn man sich kurzfristig entscheiden sollte, Last-Minute quasi, wie sieht es diesbezüglich mit den Fristen aus? "Das bekommen wir alles hin", verspricht der Bürgermeister, "sofern das Brautpaar in Empfingen wohnt und das Standesamt des Geburtsorts schnell reagiert – da könnte man auch mit ein paar Stunden Vorlauf heiraten. Das rate ich allerdings nicht, denn wenn etwas in den Unterlagen fehlt, wird es blöd."

Das gleiche Bild in Eutingen. Auch hier traut sich nur ein Paar zu Heiraten, ebenfalls am 2.2. "Grund ist vor allem, dass wir eine relativ kleine Gemeinde mit durchschnittlich 18 bis 25 Trauungen pro Jahr sind", weiß Claudia Belz vom Bürgermeisteramt. Bedingt durch die Rathaussanierung müssen Heiratswillige derzeit mit dem Medienraum der Gemeinschaftsschule vorlieb nehmen. Kommt es deswegen jetzt zu Terminabsagen? Belz: Inwieweit sich der Umzug auf das Traugeschehen auswirke, könne man aktuell noch nicht sagen.

Für den Monat März sei in den letzten Tagen eine Anfrage zu einem Trautermin eingegangen. Für dieses Brautpaar stelle es kein Problem dar, dass die Trauung im Medienraum stattfinde. Belz verspricht: "Selbstverständlich wird der Medienraum für Trauungen, wie bisher die anderen Räumlichkeiten auch, entsprechend dekoriert und hergerichtet, dass so gut wie möglich eine der Trauung würdige Form des Trauzimmers erreicht wird."

Standesamt Rottenburg: Keine ›Fließbandtrauungen‹

Bei den größeren Städten sieht es da schon ein wenig anders aus: "Es gibt nun tatsächlich am 22.2.22 drei Trauungen, aber nur weil dies den zwei weiteren Brautpaaren vorgeschlagen wurde, dass das ja ein schönes Datum sei, wenn man schon im Februar heiraten möchte", gibt Sprecherin Birgit Reinke die Infos aus dem Standesamt weiter. Das Standesamt Rottenburg mache auch nur maximal drei Trauungen am Tag, weil es keine ›Fließbandtrauungen‹ machen möchte. Insofern sei das Maximum für den Tag sowieso erreicht.

Da der 22.2 allerdings ein Dienstag sei und Februar nicht der klassische Traumonat, sei die Nachfrage eher verhalten gewesen. Ein Brautpaar habe jedoch schon im Herbst angefragt, ob es an diesem Datum heiraten könne. Die Gründe für Schnapszahlen könne man nur vermuten: schönes Datum, leichter zu merken et cetera.

Klar ist weiter: "Natürlich ist die Pandemie für eine langfristige Planung einer Trauung sehr schwierig, weil den Brautpaaren nicht Monate im Voraus gesagt werden kann, wie viele Personen bei der Trauung dabei sein dürfen oder was die Coronaverordnung bis dahin vorschreibt", so Reinke. Im Jahr 2021 seien es entsprechend knapp 30 Trauungen weniger als sonst gewesen, weil nur jene geheiratet hätten, die entweder schon bald zwei Jahre im Voraus dieses bestimmte Datum geplant haben oder die ohnehin keine große Trauung wollten.

In Horb wiederum sprechen die Zahlen eine andere Sprache: "Die Anzahl der Trauungen ist im Vergleich der Jahre nicht zurückgegangen", teilt Inge Weber von der Stadt mit. Es gebe, pandemieunabhängig, immer mal wieder Schwankungen nach oben oder unten. So habe es 2018 126, 2019 136, 2020 127 und 2021 ebenfalls 127 Trauungen in Horb gegeben.

Astrologische und kalendarische Zählung zwei Paar Schuhe

Am 2.2.22 jedenfalls seien bisher zwei und am 22.2.22 vier Trauungen geplant. Dies sei ungewöhnlich für einen Wochentag und entspreche eher der Anzahl der Trauungen an Wochenenden. "So haben für den 7. Mai 22 zum Beispiel bereits fünf Paare einen Trautermin reserviert", berichtet Weber. Meist seien es von Montag bis Freitag ein bis zwei Trauungen. Wann war beim Horber Standesamt eigentlich der letzte große Run auf ein Datum? Weber: "Am 10.10.2020 waren es neun Trauungen. Aber am 07.08.2021 und am 07.12.2019 waren es jeweils sieben Trauungen. Und an diesen Tagen war das Datum keine Schnapszahl."

Ein Datum, das Glück bringen soll oder das man so schnell nicht vergisst. Aber stehen Schnapszahlehen eigentlich unter einem guten Stern? Klemens Ludwig, Sprecher vom Deutschen Astrologenverband, teilt auf Nachfrage mit, dass "diese sogenannten Schnapszahlen keine astrologische Relevanz haben." Ludwig führ aus: "Die relevante astrologische Zählung bezieht sich auf die Gradzahlen von Sonne, Mond und den Planeten, danach arbeiten wir. Diese Zählung ist nicht gänzlich identisch mit der vertrauten kalendarischen. Die ›Schnapszahlen‹ könnten allenfalls noch von der Zahlen-Mythologie her interessant sein, aber selbst der Zusammenhang ist eher erzwungen. Es geht dabei doch in erster Linie um schlichten Aberglauben."

Am Rande: Heiraten

Von Joachim Becker - Drum prüfe, wer sich ewig bindet und wo das nächste Amtsgericht sich befindet, hat wohl mancher schon gewitzelt. Ach weh, wenn man dann im Fall der Fälle spürt, in welch einem Güterstand man lebt. Das kann bitter werden, wenn Partner oder Partnerin mit gut gefülltem Säckchen scheidet. Oh weh! Einen so guten Schnaps gibt es auf der ganzen Welt wohl nicht, der für solch einen Schlamassel am Ende entschädigt. Den Bund der Ehe einzugehen will daher reiflich überlegt sein, schon gar nicht sollte der Entschluss einer Schnapslaune entwachsen sein. Wir hören es auch von den Astrologen: Bei Schnapszahlen handelt es sich um schnöden Aberglauben, Glück bringen sie im Zweifel den Anwälten, und wer das Datum der Ehe nicht memorieren kann, ist der Trauung nicht reif. Letztlich: Erst heiraten, wenn man zu wissen glaubt, was einen erwartet.