Hinterwälder Rind, Mords-Geschichte und Krimi-Dinner: Diese Elemente wollen eine Journalistin und eine Theatermacherin gemeinsam mit Laien-Schauspielern zur Aufführung bringen.
Katja Brudermann muss bei einer Auftaktveranstaltung im Hofgut Leo etwas ausholen: „Wie kommt man auf eine Idee vom Kuh-Theater?“ fragt sie sich selbst und schmunzelt dabei. Sie sei Agrar-Ingenieurin und Journalistin. In dieser Doppel-Funktion schreibe sie auch für den Badischen Bauernverlag, berichtet sie. Vor zwei Jahren sei die Anregung an sie herangetragen worden, ein Buch über die leider vom Aussterben bedrohte Rasse der Hinterwälder Rinder zu schreiben. Der Verlag rannte bei Brudermann offenbar offene Türen ein. „Ich nahm den Auftrag voller Begeisterung an und recherchierte auf Bauernhöfen mit Hinterwälder Rindern“, berichtet die Autorin. Bei ihrer Recherche habe sie festgestellt, dass die wenigen Züchter der bedrohten Rasse zwar hingebungsvoll, aber auch gefrustet wirtschafteten.
Überlebenskünstler statt Hochleistungskuh
Jemand beim Kennenlern-Abend für ein Krimi-Dinner will wissen, warum die Rinderart überhaupt bedroht sei. Wenig Milch und wenig Fleisch - das sei das Manko auf der Soll-Seite. Auf der Haben-Seite stehen hingegen Genügsamkeit auch bei schlechtem Futter auf mageren Weiden und Robustheit auf steilen Hängen. Hinterwälder Rinder seien eben Überlebenskünstler und keine Hochleistungskühe. „Aber sie sind die idealen Landschaftspfleger im Schwarzwald“, berichtet Brudermann und überlegt, wie sie der Rinderrasse zu mehr Popularität verhelfen kann.
Die Autorin ist ehrlich: Bei einer Zukunftswerkstatt mit betroffenen Landwirten kam nicht viel Input. Da braucht es vielleicht die Kreativität einer Vollblut-Theaterfrau wie Franziska Braegger, die in Freiburg ihre Stücke mit dem RAB-Theater inszeniert.
Verschiedene Akteure spannen zusammen
Plötzlich kamen alle Fäden zusammen: das Kulturbüro AllerLand, das Biosphärengebiet und auch das Theater in den Bergen mit Arnd Heuwinkel. Auch von dort, aus Häg-Ehrsberg kam ein Schauspieler nach Gresgen, um beim Krimi-Dinner rund ums Hinterwälder Rind mitzumachen. Der Schwarzwaldverein tritt als gemeinnütziger Verein als Träger des Projektes auf. Ein Förderantrag zur Unterstützung des Kultur-Events läuft bislang vielversprechend beim Kulturbüro AllerLand.
Phantasie, Kreativität und Mitspieler gefragt
Jetzt beginnt die Phase der praktischen Umsetzung des Vorhabens. Katja Brudermann versichert, dass es bereits mehrere Interessenten gebe, die mitmachen wollen. Theater-Macherin Franziska Braegger sprüht vor Schauspiel-Leidenschaft und freut sich schon auf die Ideen der Gruppe, welcher Mordfall auf dem Land ersonnen werden soll. Der Phantasie sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Sie will die Ideen hinterher in ein bühnenreifes Stück umsetzen, das in heimischen Gaststätten aufgeführt werden soll.
Krimi-Dinner bedeutet, dass die Gäste zwischen den Gängen eines Menüs Zeuge einer Bluttat werden. Wie soll das arme Opfer enden? In der Jauche-Grube oder auf dem Misthaufen? Franziska Braegger fragt: „Was wollen wir erzählen? Alles ist noch offen.“ Und wer soll der Täter sein? „Die fiese Socke oder womöglich die liebe Nachbarin, die immer den Kuchen bringt?“ Wichtig ist ihr, dass Leute mitmachen, die Lust am Spielen haben.
Viele Interessenten schon beim ersten Treff
Beim ersten Vorbereitungstreffen haben sich so viele Interessenten gemeldet, dass das Projekt tatsächlich realisiert werden könnte. Mit dabei sei auch die „Lieblings-Landwirtin“ aus Rollsbach, die Brudermann noch von ihrer Hinterwälder-Recherche kennt.
Spätestens im Herbst soll das Krimi-Dinner in der Region inszeniert werden. Geradezu prädestiniert für einen Austragungsort sind die Gasthöfe, die auch beim traditionellen Hinterwälder-Essen des Biosphärengebiets im Herbst mitmachen. Acht Auftritte im Landkreis sind geplant.
Braegger wirbt für einen weiteren Vorbereitungstermin in 14 Tagen: „Die Schwelle ist nicht so hoch, Teilnehmer müssen für das Krimi-Dinner nicht ihren Hof aufgeben.“ Entscheidend seien Lust und Laune. Das Macherinnen-Duo ist gespannt auf die Resonanz beim entscheidenden nächsten Vorbereitungstreffen am 22. Februar von 10 bis 18 Uhr im Hofgut Leo in Zell-Gresgen.
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