Das Café im ehemaligen Feuerwehrhaus in Stammheim ist kein Café wie jedes andere. Es geht um Begegnung und Miteinander – auch mit Menschen mit Behinderungen.
Die Sonne strahlt an diesem Morgen bis tief in die Räume des Cafés, an den Tischen sitzen die Gäste und lassen sich ein deftiges Frühstück schmecken, auch im Garten sitzen Gäste.
Doch das Café in der ehemaligen Feuerwehr ist kein Café wie jedes andere: Davon zeugen schon die Spielecke für Kinder und der schwarze Flügel an der Wand.
„Wichtig, dass Menschen mit und ohne Behinderung mitarbeiten“
„Begegnung, Kaffee, Kultur“, heißt denn auch das Motto des Cafés. Und noch etwas ist hier anders als in anderen Cafés: Die Gäste werden an diesem Morgen von Anna Hauser bedient, in der Küche arbeitet an diesem Vormittag Bettina Mack – die beiden jungen Frauen haben das Down-Syndrom.
„Von Beginn an war es uns wichtig, dass Menschen mit und ohne Behinderung in unserem Café mitarbeiten können“, sagt Stefanie Hettich, eine der treibenden ehrenamtlichen Kräfte in dem Café.
„Die Gäste sind nett, gute Atmosphäre“
Vor elf Jahren hat sie selbst ein Kind mit Down-Syndrom bekommen – da entschloss sie sich, etwas zu tun.
Das Café ist gut besucht, nicht jeder Platz ist besetzt an diesem Vormittag, trotzdem hat Anna Hauser mit dem Auf- und Abtragen der Speisen und Getränke gut zu tun. „Ja, die Arbeit macht mir großen Spaß“, sagt die 31-jährige Frau, die zum ersten Mal einen Arbeitsplatz in der Gastronomie hat. „Die Gäste sind nett, gute Atmosphäre.“
Die beiden Frauen mit Down-Syndrom arbeitet seit der Eröffnung des Cafés im vergangenen September – bislang als Praktikanten. Jetzt haben sie einen festen inklusiven Arbeitsplatz erhalten – zur Ehre wurden den beiden Blumen überreicht. Die Freude ist ihnen ins Gesicht geschrieben.
„Unser gemeinsames Ziel war von Anfang an, dass sich jeder Mensch mit seinen individuellen Begabungen und Fähigkeiten einbringen kann. Dazu zählen natürlich nicht nur die Menschen mit Behinderung“, so Hettich.
Manchmal ist Fingerspitzengefühl gefragt
Insgesamt zählt das Team des Cafés 80 ehrenamtliche Mitarbeiter, die mithelfen – auch das zeigt, dass es sich ganz und gar nicht um ein „normales“ Café handelt.
Und wie machen sich die beiden jungen Frauen bei der Arbeit? „Mitunter brauchen sie Anleitung“, sagt Hettich, nicht alle Tätigkeiten können sie problemlos selbstständig ausführen. „Da ist bei der Anleitung Fingerspitzengefühl gefragt.“ Bettina Mack etwa räumt bereitwillig ein, dass sie mitunter Probleme beim Abrechnen mit dem Geld habe. „Das kann ich nicht so gut.“
Im Zwei-Wochen-Rhythmus wird gewechselt
Anna Hauser klagt, weil sie eher klein gewachsen ist, komme sie bei der Küchenarbeit nicht an die oberen Regale heran – aber während sie das erzählt, lacht sie fröhlich. Ansonsten aber komme sie mit der Arbeit in der Küche gut zurecht, auch mit dem leidigen „Obstschnippeln“ und dem Streichen der Butterbrezeln.
„Aber die Arbeit im Service macht doch mehr Spaß als Küchendienst“ – da sind sich die beiden Frauen einig. Deshalb werde jeweils im Zwei-Wochen-Rhythmus gewechselt.
Nicht unter- aber auch nicht überfordert
Wichtig sei, dass man die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter im Blick hat, betont Stefanie Hettich. Das gelte besonders für Menschen mit Einschränkungen und Behinderungen – nur so könne Inklusion gelingen.
Wichtig sei, dass die beiden jungen Frauen nicht unter- aber auch nicht überfordert werden sowie die Pausen bedürfnisentsprechend eingehalten werden.
„Wir möchten Inklusion leben“, sagt Renate Pletschen, einer der Ehrenamtlichen und Vorstandsmitglied des Vereins Alte Feuerwehr. „Ohne dieses Thema gäbe es dieses Café nicht.“