Für Eisenbahnfreunden gibt es derzeit eine Besonderheit zu erleben – ein Nachtzug der zwischen Zürich und Amsterdam verkehrt, kommt durch den hiesigen Hauptbahnhof und hält teilweise sogar kurz an.
Noch bis 30. August ist die Rheintalbahn zwischen den Bahnhöfen Rastatt und Baden-Baden für Reise- und Güterzüge gesperrt. Grund ist, dass die südliche Tunnelröhre beim Bahnhof Rastatt an den Schienenverkehr angebunden wird. Bis der gesamte Tunnel fertiggestellt ist, kann es Ende 2026 werden. Fernreisende müssen bis Ende August in Baden-Baden oder Rastatt den Schienenersatzverkehr mit Bussen in Anspruch nehmen. Güterzüge und einzelne Fernreisezüge werden teils weitreichend umgeleitet.
Das bringt Eisenbahnfreunden in Freudenstadt, wie schon im August 2017, besondere Fotomotive. Damals wurde nach der Sperrung der Rheintalstrecke wegen der eingesackten Tunnelröhre der Autoreisezug Zug 1795 (Hamburg-Altona – Lörrach) und Zug 1796 (Lörrach – Hamburg-Altona) mit zehn Waggons (fünf Liege- und Schlafwagen) über die Murgtalstrecke und die Kinzigtalbahn umgeleitet. Er verkehrt heuer während der Sperrung nicht.
In diesem Jahr ist es der Nightjet 403 Amsterdam – Zürich, der die kommenden Wochen täglich um 5.10 Uhr von Stuttgart her durch den Freudenstädter Hauptbahnhof rollt. Von Offenburg kommend passiert Nightjet 402 Zürich – Amsterdam den Freudenstädter Hauptbahnhof gegen 22.35 Uhr.
Nach drei Minuten ist der Aufenthalt vorbei
Beide Züge haben normalerweise zwischen Offenburg und Bonn oder umgekehrt keine Zu- oder Ausstiege. Und so ist Freudenstadt in der Sperrzeit an den internationalen Bahnverkehr angeschlossen, wenn auch nur mit dem kurzen Halt oder der Durchfahrt der Züge. So rollen beide Nachtzüge von der ÖBB mit dem Nightjet Partner SBB durch die Niederlande, Deutschland und die Schweiz oder umgekehrt.
Unsere Redaktion hat die Ankunft des Nightjets 403 einmal live mitverfolgt. Fast flüsternd rollte der von einer Diesellok der Baureihe 218 (Loknummer 218 414-1) gezogene Nachtzug am Hauptbahnhof ein. Die erste Tür öffnete sich und ein Zugführer von der Einsatzstelle Basel Badischer Bahnhof überprüfte kurz, dass niemand aus- oder einstieg. Nach drei Minuten war der Aufenthalt vorbei. Dezent rollte der Zug ohne großen Lärm wieder an. Die 218 verschwand mit ihren insgesamt fünf Sitz-Liegewagen- und Schlafwagen im Dunkel der Nacht.
Der Nachtzug machte sich auf seine Weiterreise, um in Offenburg mit einer E-Lok bestückt zu werden. Anwohner der Gäubahn ab Eutingen/Gäu und Kinzigtal (Freudenstadt – Hausach) sollten sich also nicht wundern, wenn beide Züge zur Früh- und Spätstunde unterwegs sind.
Nachtzüge der ÖBB sind international auf der Erfolgsspur. So hat die ÖBB 33 neue Nightjet-Züge geordert, die bis spätestens 2025 ausgeliefert werden sollen. In Regelzeiten können einige Nachtzüge von Stuttgart, Offenburg oder Karlsruhe aus gebucht werden.
Früher gab es eine direkte Verbindung bis Dortmund
Nightjets wird es nach dem 30. August nicht mehr so schnell in Freudenstadt geben. Dann darf man wieder von den Schnellzügen 769/770 träumen, die bis Anfang der 90er-Jahre die direkte Verbindung bis Dortmund brachten. Kurswagen nach Hamburg-Altona, Berlin, oder den IC Alpirsbach – Emden gab es auch. All diese Verbindungen wurden gestrichen, obwohl die Züge nicht leer durch die Gegend rollten. Gerade älteren Bürgern ermöglichten diese Züge eine entspannte Anreise.
In den 60er- bis 90er-Jahren gab es dazu auch Reisesonderzüge. In den 70er-Jahren war die Internationale Apfelpfeil Organisation in Freudenstadt zuhause. Freudenstadt war mit dem am Hauptbahnhof angrenzenden Bahnbetriebswerk eine echte Eisenbahnerstadt mit Tradition.