Unter dem Titel „Fest gemauert in der Erden“ aus Schillers „Glocke“ lud ein besonderer Stadtrundgang dazu ein, die Villinger Kirchenglocken neu zu entdecken.
Über 60 Personen nahmen teil, um mit dem Glockeninspektor der Erzdiözese Freiburg, Johannes Wittekind, durch die Villinger Innenstadt von Kirche zu Kirche zu gehen.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Geschichts- und Heimatverein Villingen sowie der römisch-katholischen Kirchengemeinde Im Quellenland angeboten. Die Interessenten trafen sich am Haupteingang des Münsters, wo sich der Architekt vorstellte und eine kurze Einführung gab.
St. Klara
Erste Station war die Klosterkirche St. Klara, deren historische Glocke aus dem Jahr 1615 von Christof Reble in Villingen gegossen wurde. Von der Bickenstraße aus hörten die Besucher den zwei Glocken vom nahen Türmchen zu, die zeitnah erklangen. Ansonsten erklingen sie täglich zum Angelusgebet.
Johanneskirche
Anschließend ging es weiter in die Gerberstraße zur evangelischen Johanneskirche mit ihrem charakteristischen Geläut. Zuerst erklang die kleine Bronzeglocke, eine Grüninger-Glocke, gefolgt von drei in Bochum erstellten Stahlglocken über die Stadt hinweg. Besonders erwähnenswert ist hier die „Vater unsere Glocke“, die auch der Organist mit Knopfdruck zum Erklingen bringen kann.
St. Fidelis
Danach erklangen nach dem Spaziergang durch die Niedere Straße die Glocken der Pfarrkirche St. Fidelis mit ihrem fünfstimmigen Bronzegeläut aus dem Jahr 1958. Sie wurden einst in der Glockengießerei Schilling in Heidelberg gegossen und wie alle Kirchenglocken im Rahmen einer feierlichen Weihe in den Glockenturm gebracht.
Wittekind beantwortete stets Fragen der Besucher unter anderem zur Läuteordnung. Diese gibt vor, welche Glocken an einem gewöhnlichen Werktag, Sonntag oder sogar Feiertag erklingen. Beeindruckt waren alle, als alle fünf Glocken machtvoll im „Plenum“ erklangen. Auch erwähnte Wittekind, dass manche Glocken so abgestimmt sind, dass sie dem Te Deum oder Gloriaruf wiedergeben.
St. Georg
Weiter ging der Weg zur Kirche St. Georg, der ehemaligen Benediktinerkirche, in der ebenfalls ein reich abgestuftes Bronzegeläut aus den 1950er-Jahren zu hören ist. Wittekind erinnerte daran, dass fast 80 Prozent der Glocken im Zweiten Weltkrieg eingegossen wurden, um zur Waffenherstellung zu dienen.
Deshalb gibt es nur noch wenige Glocken aus der Villinger Glockengießerei Grüninger. Eine davon, die einst in der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bickenkapelle am Bahnhof erklang, kam vor Jahren nach einer Odysseereise zurück nach Villingen und befindet sich im Kirchenraum der Benediktinerkirche. Die nach dem Krieg wieder neu gegossenen Glocken müssen durch den Glockeninspektor in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Dabei wird auch das Glockengestühl genaustens untersucht.
Das Münster
Den musikalischen und geistlichen Höhepunkt bildete der abschließende Besuch im Münster Unserer Lieben Frau: Dort wurde das große Münstergeläut vorgestellt, das überwiegend aus Glocken der Gießerei F. W. Schilling (1954) und der Karlsruher Glockengießerei (1985) besteht.
Oft sind die Glocken mit Ornamenten verziert, wie die 1909 aus verschiedenen Gründen eingeschmolzene Glocke, die 300 Jahre lang der Stolz der Villinger war und die 1601 von Hans Reble gegossen und von Hans Amann mit ornamentalem und figürlichem Schmuck wertvoll gestaltet worden war. Die alte, große Münsterglocke ist zur Erinnerung an die Pest von 1592 gegossen worden, bei der 2000 Bürger gestorben waren.
Die jetzige große Münsterglocke ist 1954 von der Stadt Villingen zur Erinnerung an die Opfer der Kriege gestiftet worden, und sie läutet seit damals jeden Freitag um 11 Uhr, mit der Bitte um Frieden auf der Welt.
Eine Orgelimprovisation durch Bezirkskantor Roman Laub unter Einbeziehung der Münsterglocken sowie Gebet und Segen mit Pfarrer Thomas Mitzkus rundeten den besonderen Stadtrundgang ab.