Tom Lissy kann in seinem Plattenladen seine Leidenschaft für Musik voll ausleben. Foto: Ralf Deckert

„Der Plattenladen“ in der Freiburger Innenstadt ist ein Ort der Begegnung für Musikfans jeden Alters. Anfang des Monats wurde er von Kulturstaatsministerin Claudia Roth als „ausgezeichneter Ort der Kultur“ prämiert.

„Ein bisschen verrückt muss man für so einen Laden schon sein“, sagt Tom Lissy. Aber was vor allem zähle, sei die Leidenschaft fürs Vinyl und die Musik. Lissy ist einer der drei Inhaber des Plattenladens in der Schiffstraße in Freiburg. Früher war das Geschäft mal ein renommierter CD-Fachhandel. Und Lissy war dort angestellt. Doch das Compact Disc Center (CDC) machte vor ein paar Jahren dicht, weil CDs nicht mehr gefragt waren und die Corona-Pandemie dem Laden den endgültigen Todesstoß versetzte.

 

Für Tom Lissy, seinen Kollegen Holger Dehno und den ehemaligen Chef des Burghofs und des Stimmen-Festivals in Lörrach, Markus Muffler, bot sich dadurch die Gelegenheit eines Neustarts: Sie eröffneten unter dem simplen Titel „Der Plattenladen“ ein Fachgeschäft für Schallplatten. Muffler sei erst Kunde im CDC gewesen, daraus habe sich eine Freundschaft entwickelt und die Idee „Freiburg braucht einen Fachhandel“, erinnert sich Lissy.

Plattenladen-Besitzer von Auszeichnung überwältigt

Anfang des Monats hat der Laden den Branchenpreis „Emil“ als bundesweit herausragende Neugründung im Schallplattenfachhandel erhalten. Für die Preisvergabe wurden die drei Musikfanatiker nach Köln eingeladen. Dort gab es – neben lobenden Worten – auch ein Preisgeld von 25 000 Euro aus den Händen von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). „Als wir gehört haben, dass wir gewonnen haben, rutschte uns das Herz in die Hose“, sagt Lissy. „Für den Preis muss man sich bewerben und wird dann eingeladen. Aber wir hatten keine Ahnung, dass wir eine der drei Hauptkategorien beim Emil für uns entscheiden würden“, blickt der Preisträger zurück.

Betreiben gemeinsam den Plattenladen (von links): Tom Lissy, Markus Muffler und Holger Dehno. Foto: Der Plattenladen

Der Trend zurück zur Vinyl-Schallplatte sei keine Eintagsfliege, ist Lissy überzeugt: „Wenn ich eine Platte aus der Hülle nehme und auflege, will ich bewusst Musik hören. Da passiert was im Kopf. Wenn ich die Musik im Netz streame, denke ich nach zwei oder drei Songs daran, dass ich noch die Küche aufräumen muss oder irgendetwas anderes“.

Gerade weil Musik heute kostenlos und immer und überall verfügbar sei, gebe es eine Rückbesinnung auf Vinyl und den Wunsch, Künstler durch den Kauf ihrer Platten zu unterstützen. „Auch junge Leute kommen hier rein, wollen sich beraten lassen und kaufen dann hier ein“, so Lissys Erfahrung.

Geschäft soll kulturelle Begegnungsstätte sein

Als Kind der Achtziger habe er festgestellt, dass die heutigen jungen Musikhörer stilistisch offen seien und neben aktuellem Hip Hop und Stars wie Taylor Swift auch wieder Klassiker wie Pink Floyd oder Fleetwood Mac für sich entdecken.

Er und seine Mitstreiter wollen eine kulturelle Begegnungsstätte mit dem Geschäft bieten. „Das hat viel mit Idealismus zu tun bei uns. Man macht keinen Plattenladen auf, weil man damit reich werden will, sondern aus Überzeugung. Oder weil man komplett einen an der Waffel hat“, sag Tom Lissy. „Und bei uns ist es eine Mischung aus beidem“, fügt er an.

Konzerte könnten kommen

Zu dieser Mischung und der Idee, eine kulturelle Begegnungsstätte sein zu wollen, gehört für die drei dazu, dass sie einmal im Monat nach Ladenschluss zum „Betreuten Hören“zu bestimmten Vinyl-Themen, Künstlern oder Musikstilen einladen. Bis zu 40 Leute kommen da in der Regel. „Man hört zusammen Musik und tauscht sich darüber aus. Das ist immer superschön“, sagt Lissy. Und auch über kleinere Konzerte im Geschäft haben Lissy, Muffler und Dehno nachgedacht. Man wolle sich schließlich nicht auf dem Ruhm der Emil-Auszeichnung ausruhen, sagt Lissy schmunzelnd.

Der Plattenladen

Betreutes Hören
Der Plattenladen in der Schiffstraße 6 in Freiburg lädt am Dienstag, 7. Januar, ab 19 Uhr zum „Betreuten Hören“ mit Markus Muffler ein. Das Thema ist noch geheim, der Eintritt kostenlos.  Weitere Infos und Termine gibt es unter www.derplattenladen-freiburg.de.