Badische Küche trifft auf Grünzeug aus dem Meer: Michael Schmid bereitet beim VHS-Kochkurs konzentriert Flammkuchen mit Algen zu. Foto: Niklas-Marco Dinauer

Die Volkshochschule bot einen ungewöhnlichen Kurs an. Expertin Hanna Koglin erklärte den Nutzen der Wasserpflanzen. Sie wachsen schnell und enthalten viele Nährstoffe – und „sie riechen wie ein Spaziergang am Meer“. Wirklich?

Auf den ersten Blick stehen ganz normale Gerichte auf dem Speiseplan dieses Kurses der Volkshochschule (VHS) Baar: Flammkuchen, Reibekuchen oder auch Frikadellen. Und das beliebte Getränk Bubble-Tea, eine Mischung aus Tee, Fruchtsirup und bunten Tapioka-Kugeln.

 

Eine Besonderheit verbindet die Rezepte: Sie werden mit Algen zubereitet. Unter Anleitung von Köchin Hanna Koglin lernen zehn Teilnehmer bei dem Kurs in Hüfingen, wie man mit dem vermeintlichen Unkraut aus dem Meer leckere Speisen zaubern kann.

Koglin ist zertifizierte Algen-Sommelière. Und damit eine von bisher wenigen Expertinnen und Experten hierzulande, die sich auf Algen als Nahrungsmittel spezialisiert haben. Die Reise der Freiburgerin in die Welt der essbaren Wasserpflanzen begann Ende 2023. Damals wurde ein Nachfolger für die Geschäftsführung der spanischen Algenfirma Algamar gesucht, und Hanna Koglin sprang ein.

In drei Monaten Expertin

Als sie nach einiger Zeit merkte, dass sie nicht immer so genau wusste, was sie ihren Kunden verkaufte, und dass sie diese kaum beraten konnte, ließ sie sich kurzerhand zur Algen-Sommelière ausbilden. Der Lehrgang an der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg habe rund drei Monate gedauert und 54 Lerneinheiten beinhaltet, erklärt Koglin.

Hanna Koglin ist Algen-Sommelierè – diesen Titel tragen nur zwölf Expertinnen und Experten auf der ganzen Welt. Foto: Niklas-Marco Dinauer
Christine Harms-Höfler organisierte den Kochkurs, nachdem sie in den Medien auf Hanna Koglin aufmerksam geworden war. Foto: Niklas-Marco Dinauer

Auf dem Kochplan des VHS-Kurses steht etwa ein Drei-Gänge-Menü, in dem verschiedene Algen verarbeitet werden. Es gibt klein gehackte Noriblätter, wie man sie zum Beispiel bei Sushi kennt, oder Meeresspaghetti und Meersalat. Je nach Gericht wird die Alge dann in den Kochprozess integriert und zum Beispiel mit Schmand vermengt.

Häufig diente die Alge auch nur „als Topping, um dem Gericht einen gewissen Twist zu verleihen“, erklärt Hanna Koglin. „Algen verwendet man am besten wie ein Gewürz, um die Gerichte etwas aufzupeppen.“

Passt zur badischen Küche

Die Köchin will bei ihrem Kurs zeigen, dass man Algen auch in die badische Küche integrieren kann. Joey Schubert, einer der Teilnehmer, ist vollauf begeistert. „Von den Zutaten her ist es zwar aufwendig, aber in der Zubereitung einfach“, findet er.

Kursteilnehmer Joey Schubert macht sich an eine Tomatensalsa mit Algen. Foto: Niklas-Marco Dinauer

Die Kochenden sind sich einig, dass sie den VHS-Kurs sehr inspirierend finden. Dennoch sind zu Beginn nicht alle von der Alge im Kochtopf überzeugt. Teilnehmer Michael Schmid sagt, er müsse sich erst noch geschmacklich von dem Meeresgemüse überzeugen lassen. Bei den Teilnehmern kam auch schnell die Frage auf, wo man diese exotische Zutat kaufen kann.

Im Supermarktregal

Hanna Koglin verwies auf ihren eigenen Online-Shop. „Aber es gibt in jedem größeren Markt auch ein Algensortiment“, ist die Spezialistin überzeugt. „Algen zeichnen sich durch ihren hohen Jod-Gehalt aus“, erklärte Koglin. Außerdem sollen sie reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen und daher besonders gesund sein, so die Expertin. Algen werden unter anderem von der Krankenkasse AOK als „Nahrung der Zukunft“ bezeichnet.

Matthias Maier bereitet Chicorée-Orangen-Salat mit Nüssen und Meersalat vor. Foto: Niklas-Marco Dinauer

Die Verwendung von Algen als Lebensmittel soll dabei helfen, „die Überfischung der Meere zu reduzieren und Menschen mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen“, erklärt die Algen-Sommelière. „Algen sind eine unerschöpfliche Quelle“, so Hanna Koglin. Sie wachsen zehn bis 20 Mal schneller als Landpflanzen und benötigen keine Ackerfläche, schreibt das Gesundheitsmagazin der AOK online. Zudem sei die Ernte sehr umweltfreundlich und hinterlasse keine Rückstände.

Sparsam dosieren

Hanna Koglin betont allerdings auch, dass man mit der exotischen Zutat sparsam umgehen sollte. Grund dafür sei der hohe Jod-Gehalt, den Mitteleuropäer nicht gewohnt seien. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt deshalb eine Verzehrmenge von nur einem Gramm pro Tag.

Und es gibt noch mehr zu beachten, um die Verzehrmengen im Blick zu behalten: Laut DGE werden bei Untersuchungen mitunter hohe Gehalte an Schwermetallen wie Cadmium, Blei, Arsen und Aluminium in getrockneten Algenblättern nachgewiesen.

Teilnehmer sind begeistert

Beim VHS-Kurs sind am Ende alle Teller leer und die Stimmung ist bestens. Jedem hat es geschmeckt, und die meisten waren überrascht. „Die Algen riechen wie ein Spaziergang am Meer“, fasste die Sommelière den Eigengeruch der Alge zusammen. Letztlich konnte Hanna Koglin alle zehn Teilnehmer für die Algen begeistern. „Ich koche jetzt damit!“, ist das Fazit von Joey Schubert.

Party am 27. Juni

Jubiläum
Die Volkshochschule Baar, die sich für Bildung, Kultur und Begegnungen engagiert, feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Hierfür sind in den kommenden Monaten mehrere Veranstaltungen geplant. Höhepunkt soll ein großes Fest am Freitag, 27. Juni, in der Donauhalle sein, bei dem die zehnköpfige Band The Soulmachine Soul, Funk, Pop und Rhythm'n'Blues spielen wird.