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Besonderer Berufswunsch 16-Jährige aus Waldachtal will Hof ihrer Eltern übernehmen

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Die 16-jährige Simone hat viel Spaß mit ihren Pferden. Pferdewirtin will sie aber dennoch nicht werden. Foto: Maier

Simone Renz hat sich entschlossen, den Beruf einer Landwirtschaftsmeisterin anzustreben und den Waldacher Hof ihrer Eltern zu übernehmen. Welche Vorstellungen sie für die Zukunft des Betriebs hat, lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Waldachtal-Oberwaldach - Einer 16-Jährigen in Waldachtal ist es nicht Jacke wie Hose, wie es mit dem elterlichen Betrieb weitergeht. Simone Renz hat sich entschlossen, den Beruf einer Landwirtschaftsmeisterin anzustreben und den Hof zu übernehmen.

Während ihr Vater zwei Jahre lang schwer erkrankt war und sie aus eigenem Antrieb ihre Mutter unterstützte, reifte in Simone Renz der Entschluss: "Ich möchte Landwirtin werden." Ihren Papa überraschte sie in der Klinik in Tübingen mit dieser verheißenden Aussage.

Vater Heinz Otto Renz in Oberwaldach zeigte sich beeindruckt: "Das macht mich stolz, dass meine Tochter den Waldacher Hof übernehmen möchte." Sie will versuchen, den Hof in Oberwaldach zum Vollerwerbsbetrieb mit Erhalt der Vielfalt zu entwickeln. Dass Lebensmittel wieder mehr geschätzt werden, liegt ganz in ihrem Interesse. In Zeiten des Überflusses solle die Qualität wieder mehr Beachtung finden.

Ursprünglich wollte sie Erzieherin werden und von Pferdewirtin ist sie inzwischen abgekommen. Dabei war immer klar: "Ich möchte etwas mit Tieren machen." Nach einem Praktikum reifte in ihr der Entschluss: "Pferde sollen mein Hobby bleiben."

Lieber Tiermedizin als Agrarwissenschaft

Überhaupt: "Die Berufswahl zur Landwirtin habe ich aus Leidenschaft entschieden.", bekräftigt die 16-jährige Realschülerin mit einer Eins in Mathe. "Von den Noten her könnte ich weiter studieren." Das meinen auch ihre Lehrer in Pfalzgrafenweiler. Offen hält sie sich noch den Bereich Tiermedizin: "Das reizt mich mehr, wie Agrarwirtschaft zu studieren. Aber Ackerbau geht schon." Vielleicht qualifiziert sie sich eines Tages zur Tierarztpflegerin, Tierpflegerin oder Osteopathie-Therapeutin.

Gerade macht Simone den Traktor-Führerschein T, der sie berechtigt, ab 18 Jahren auch große Traktoren mit bis zu 60 Stundenkilometern zu fahren. Zuerst möchte sie heimatnah ein Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb machen. Drei Jahre lang dauert die Ausbildung zur Landwirtin, davon ist ein Jahr Vollzeit Schule. Sie hält Ausschau nach einem Ausbildungsbetrieb in der Region. Im Alter von 22 oder 23 Jahren, so das berufliche Ziel, könnte sie Landwirtschaftsmeisterin sein.

Die väterliche Sicht von Heinz Otto Renz: "Simone ist mit Natur und Tieren aufgewachsen. Das war schon immer ihr Terrain. Seit drei Jahren betreut sie die Pferde weitgehend alleine." Gewissermaßen steckt das in ihren Genen. Und: "Einerseits freut es mich schon, dass sie hier einsteigt, andererseits kann sie von diesem Betrieb nicht leben, wenn wir es weiterhin nur als Nebenerwerbslandwirtschaft betreiben."

Weg von Kunstdünger und Spritzen

Der Schwerpunkt der 40 Hektar großen Nebenerwerbs-Landwirtschaft liegt auf der Mutterkuh-Haltung mit Direktvermarktung. Von Kartoffeln bis Mais: Vielfalt ist Trumpf. Etwa 40 Limousin-Rinder weiden rund um den Waldacher Hof oder befinden sich in den Stallungen.

Simone findet es gut, dass die Kälber bei der Mutterkuh bleiben. Beste Fleisch- und Wurst-Qualität bieten die selbst gezüchteten schwäbisch-hällischen Landschweine. 60 Legehennen aus drei Rassen gackern in Freilandhaltung rund um das Hühner-Mobil. Der Massentierhaltung will die Familie Renz gegensteuern. "Wir wollen gesunde Lebensmittel erzeugen. Wir sind in Richtung Bio unterwegs, weg vom Kunstdünger und vom Spritzen. Und unsere Wiesen werden nicht mit mineralischem Dünger gedüngt. Wir verwenden ausschließlich eigenes Futter", betont der frühere Cresbacher Ortsvorsteher Heinz Otto Renz. Alles sei frei von Gentechnik. Monokulturen sind ihm verpönt.

"Ich möchte keine Spezialisierung"

Simone schlägt in die gleiche Kerbe wie ihr Vater: "Ich liebe die Abwechslung und Vielfalt. Ich möchte keine Spezialisierung." Die seit 20 Jahren gut laufende Direktvermarktung möchte sie noch weiter ausbauen. Seit Juli 2020 betreibt der Waldacher Hof einen SB-Automaten mit frischen Produkten im Ebeneweg 28 in Waldachtal-Oberwaldach. "Dadurch haben wir die Möglichkeit, unsere Produkte rund um die Uhr anzubieten.", bekräftigt Simone Renz.

Hier gibt es Dosenwurst, Portionswürste, Käse, Eier und Kartoffeln aus eigenem Anbau. "Der SB-Automat wird von der Bevölkerung schon sehr gut angenommen", bestätigt Heinz Otto Renz. Die Tochter hat im Sinn, den Hofladen als regionaler Vermarkter zu vergrößern und mehr Öffnungszeiten anzubieten. Angedacht ist überdies, die Pferde-Pension mit bisher zwei Einstellern zu erweitern.

Ein zusätzliches Standbein sind "Ferien auf dem Bauernhof". Überlegt wird, noch mehr Ferienwohnungen anzubieten. Das Hoffest musste heuer Corona-bedingt ausfallen. Simone möchte zukünftig Landwirtschaft erlebbar machen durch Beteiligung am Landesprojekt "Lern-Ort Bauernhof". Diese Initiative in Baden-Württemberg hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen pädagogisch wertvolle Primärerfahrungen zu ermöglichen. Zielgruppen sind Kindergärten und Schulen, die auf den Hof kommen. Simone schwebt vor, hierzu einen Kurs zu besuchen, um sich dafür zu qualifizieren.

Die 16-jährige schätzt die SWR-Fernsehserie "Lecker aufs Land" ob ihrer Ideen und Inspirationen. Sie meint: "Diese Sendung bessert das Image von Landwirten auf."

Die christliche Familie Renz will das Tierwohl achten. Vater und Tochter teilen unisono mit: "Unseren Schweinestall wollen wir noch artgerechter gestalten. Der Modernisierungsplan zielt auf zwei Quadratmeter Platz für jedes Tier und einen überdachten Freigang."

Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit

Seit einem Jahr engagiert sich Simone Maria Renz in der Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde Waldachtal. Den Umgang mit Tieren und Reiten zählt sie zu ihren Steckenpferden. Zu ihren Haustieren zählen neben Shetland-Ponys und Welsh-Mix "Lilly" sowie etlichen Stallhasen die Hof-Katzen "Mikado", "Tina" und "Tilly" sowie die Appenzeller Sennenhündin "Betty". Ausfahrten mit der Kutsche unternimmt die Familie Renz neuerdings ab und an mit einer Haflinger Stute. Es bleibt spannend, wie sich der Waldacher Hof weiterentwickelt.

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