Der Bärlauch mit seinen knoblauchduftigen Blättern gedeiht in Wäldern an feuchten Standorten. Foto: Bein/dpa

Bärlauch hat Saison, auch in den Wäldern rund um Lahr. Probleme mit Dieben des grünen Krauts gibt es hier aber nicht. Einem Betrieb ist die schonende Ernte erlaubt.

Bärlauch gehört zu den ersten frischen Kräutern im Frühjahr, seit Anfang März sprießt er auch in den Wäldern im Lahrer Raum. Für manche Menschen gehört das Sammeln und Verarbeiten dieses mildwürzigen Frühlingsboten zu einer naturnahen und saisonalen Küche. Jedoch: Übertreiben darf man es damit nicht, wer ganze Tüten voll Bärlauch erntet, riskiert ein Bußgeld.

 

Dabei ist es im Grunde einfach: Laut der sogenannten Handstraußregel ist das Sammeln kleiner Mengen für den Eigenbedarf erlaubt, das Ausgraben der Zwiebel jedoch verboten. Für die Entnahme größerer Mengen braucht es eine Erlaubnis des Waldbesitzers und der Naturschutzbehörde.

Nach dieser Methode wird das Bärlauchthema auch in Lahr gehandhabt: Eine Firma erntet im Stadtwald in Langenwinkel und Kippenheimweiler den Waldknoblauch, wie diese Pflanzenart auch genannt wird, um sie dann in regionalen Lebensmittelmärkten, auf Dorf- und Bauernmärkten zu verkaufen. „Voraussetzung sind die Genehmigungen des Landratsamts als unterer Naturschutzbehörde und der Stadt Lahr, die jeweils erteilt wurden“, teilt die Verwaltung mit.

Die Stadt verdient durch Bärlauch Geld – wie bei Brennholz

Bei der Firma handelt es sich um den Gemüse- und Obstbaubetrieb Torsten Wurth in Altenheim, der nach Bioland-Richtlinien zertifiziert ist. Er bietet im eigenen Hofladen in der Kirchstraße 57 in Altenheim sowie auf Wochenmärkten eine Vielzahl von biologisch angebauten Gemüse- und Obstsorten an. Darunter auch Bio-Bärlauch „aus zertifizierter Wildsammlung“, wie es auf der Verpackung heißt. 50 Gramm für 1,79 Euro gibt es in den Edeka-Kohler-Märkten von Kehl bis Teningen, darunter auch in der Arena in Lahr.

Nach Überzeugung der Verwaltung stellt diese Vereinbarung eine gute Lösung dar, ist der Antwort aus dem Rathaus auf eine Nachfrage unserer Redaktion zu entnehmen. „Für die Stadt Lahr als Waldbesitzer ist der Bärlauch ein Produkt im Wald, das Einnahmen einbringt – genau wie Brennholz oder Stammholz für Sägewerke“, heißt es. Auf die Frage, wie viel Geld man so jährlich einnimmt, hält die Verwaltung sich bedeckt. Das richte sich nach der geernteten Menge, heißt es lediglich.

Der Bärlauch dürfe auf vereinbarten Flächen geerntet werden, danach werde er gewogen und abgerechnet. Dabei lege das Ortenauer Amt für Umweltschutz die Menge auf einen naturverträglichen Rahmen fest, um eine „Übernutzung“ auszuschließen, heißt es von der Stadt Lahr.

Man achte darauf, nicht zu viel zu entnehmen, „die Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig“, betonte auch Torsten Wurth bei einem Gespräch mit unserer Redaktion. Den schonenden Umgang mit dem Wald bestätigt die Stadt: Laut dem städtischen Förster seien bereits drei Wochen nach der Ernte keine Kahlflächen oder Lücken im Waldboden mehr zu erkennen – der Bärlauch sei dann bereits nachgewachsen. Die Bärlauch-Saison startet ungefähr im März und ist vergleichsweise kurz, sie endet je nach Witterungsverlauf oft schon Anfang Mai.

In ihrer Antwort an unsere Redaktion hebt die Verwaltung die Vorteile hervor, die die Abmachung mit dem Gemüse- und Obstbaubetrieb Wurth bringe: Man habe zusätzliche Einnahmen, die zur Sicherung des Lahrer Forstes eingesetzt würden. Außerdem werde auf diese Weise ein natürliches und biologisch einwandfreies Naturprodukt zum Nutzen der Verbraucher verwertet.

Andernorts entnehmen organisierte Banden Bärlauch in rauen Mengen

In anderen Städten sieht es ganz anders aus, dort gibt es große Probleme mit der wilden Entnahme von Bärlauch, da die beliebte Pflanze bei ihnen in rauen Mengen geerntet wird. Zuletzt gab es zum Beispiel Meldungen aus Leipzig, dass aus stadtnahen Wäldern tonnenweise Bärlauchblätter, teilweise auch die Wurzeln, in Säcken abtransportiert werden. Dabei sind die Sammler oft keine Privatpersonen, sondern organisierte Banden, die den Bärlauch illegal verkaufen, wird vermutet. Die ökologischen Folgen sind indes dramatisch, durch das rücksichtslose Ausgraben und Ernten ganzer Bestände werden Pflanzen zerstört und der Waldboden geschädigt. Solche Probleme gibt es laut der Verwaltung in Lahr nicht.

Die Beliebtheit des Bärlauchs erklärt sich aus seiner vielseitigen Verwendbarkeit in der Küche als aromatischer, knoblauchähnlicher Ersatz für Knoblauch, Zwiebeln oder Schnittlauch. Er wird primär roh in Pesto, Kräuterbutter, Dips, Salaten oder als frisches Topping für Suppen und Risottos verwendet, um das Aroma zu erhalten. Bärlauch ist außerdem reich an Vitamin C, Eisen und Magnesium. Er soll auch gesundheitsfördernd, verdauungsfördernd und entschlackend wirken.

Waldbesucher dürften die Pflanze in einer für den haushaltsüblichen Eigenbedarf typischen Menge pflücken, ähnlich wie bei Pilzen, heißt es von der Stadt Lahr. Dabei spricht die Verwaltung allerdings eine deutliche Warnung aus: Man übernehme keine Haftung, „falls Privatsammler Bärlauch mit dem giftigen Maiglöckchen verwechseln und es daraufhin zu Vergiftungserscheinungen kommt“.

Achtung, Verwechslungsgefahr!

Wer Bärlauch selbst pflücken möchte, sollte genau hinschauen: Die jungen Blätter ähneln denen des giftigen Maiglöckchens und der sehr giftigen Herbstzeitlosen sowie des Aronstabs. Eine Verwechslung kann schwere, teils tödliche Vergiftungen verursachen, hat das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium mitgeteilt. Unterscheidungsmerkmale seien der Geruch (Bärlauchblätter riechen beim Zerreiben intensiv nach Knoblauch, Maiglöckchenblätter riechen neutral), die Blattunterseite (Bärlauch hat eine matte Unterseite, Maiglöckchen sind glänzend) und der Stiel (Bärlauchblätter wachsen einzeln an einem Stiel, während Maiglöckchen oft zwei Blätter um den Stängel haben).