DJ, Ersthelfer, Technikprofi und Schlittschuhexperte: Als Eismeister sorgt Sven Spies in der Offenburger Halle für einen reibungslosen Ablauf. Beim Besuch unserer Redaktion berichtet der 42-Jährige, was ihm an seinem Job besonders Spaß macht.
Eis unter den Füßen, kalte Luft im Gesicht und laute Musik in den Ohren: Sven Spies arbeitet dort, wo Andere in ihrer Freizeit auf Schlittschuhen Runden drehen. Der 42-Jährige ist Eismeister in der Offenburger Eislaufhalle und pflegt dort zusammen mit seinen drei Kollegen das Eis, kümmert sich um die Technik und schleift Schlittschuhkufen.
„Eismeister ist eine Tätigkeitsbeschreibung, keine geschützte Berufsbezeichnung“, macht der Offenburger gleich zu Beginn beim Treffen mit unserer Redaktion klar. Der offizielle Ausdruck sei „geprüfte Fachkraft für Eissportanlagen“. Und diese Fachkräfte seien äußerst selten: „In Deutschland gibt es nur 150“, betont Spies stolz. Seine Aufgaben seien vielfältig: „Zum einen kümmern wir uns um den Eisaufbau“, erklärt er.
Damit die Läufer auf der Fläche ihren Spaß haben können, wird auf die Betonfläche Wasser aufgetragen, das durch das darunterliegende Kühlungssystem gefriert. „Man kann sich das ähnlich vorstellen wie eine Fußbodenheizung. Im Boden liegen mehr als 20 Kilometer Rohre, durch die -10 Grad kaltes Kältemittel fließen“, erklärt der Experte, der schon seit 15 Jahren Eismeister ist. Sich mit dieser Technik auszukennen, sei ein wichtiger Teil seiner Arbeit.
Maschine hat 110 000 Euro gekostet
Während des Betriebs muss das Eis gepflegt werden. Immer dann, wenn es „nicht mehr gut ist“, heißt es für Spies: Aufsitzen auf die Bearbeitungsmaschine und ab damit auf das Eis. Das batteriebetriebene Fahrzeug sammelt während der Fahrt den „Schnee“ – so nennt Spies das abgeschabte Eis – auf, sprüht frisches Wasser auf die Fläche und verteilt es. Ist die Oberfläche gefroren, kann der Spaß auf dem frischen Eis erneut starten. Der 42-Jährige ist sichtlich stolz auf das handgefertigte Gerät: „Es ist eine besondere Maschine und wird auch so behandelt.“ 110 000 Euro habe es gekostet. Ist das Eis an einzelnen Stellen stärker beschädigt, kommen Feuerlöscher zum Einsatz: „Wir spachteln größere Löcher mit Schneematsch zu und lassen die Stelle mit dem CO₂-Löscher anschließend gefrieren“, so Spies. Wann das Eis erneuert werden muss, erkennt der Experte am Aussehen und mit seinem Gehör.
Im Umgang mit Unfällen sind Eismeister routiniert
„Die Qualität des Eises kann man hören“, erklärt er.
Damit in der Halle richtig Stimmung aufkommt, muss der Eismeister auch die Rolle eines DJs einnehmen. „Es ist eine große Herausforderung, die richtige Musik zu treffen und zu wissen, was Jugendliche gerade so hören“, berichtet Sven Spies. Weinende Kinder trösten und bei Unfällen erste Hilfe zu leisten gehöre ebenfalls dazu. Denn: „Natürlich birgt Eislaufen, wie jede Sportart, gewisse Risiken“, erklärt der Eismeister, „doch es ist längst erwiesen, dass viele andere Sportarten deutlich gefährlicher sind.“ „Wir sind alle routiniert im Umgang mit Unfällen und können uns gut kümmern“, so Spies.
Das Schleifen der Schlittschuhkufen übernehmen die Eismeister in Offenburg ebenfalls. Sowohl die ausgeliehenen – rund 1000 Schuhe werden in der Halle bereitgehalten – als auch private Schuhe kann man von ihnen vor Ort schärfen lassen. „Das ist essenziell wichtig. Das beste Eis nützt sonst nichts“, betont der Experte. Das Schleifen sei eine Wissenschaft für sich. „Es gibt nicht viele, die wirklich gut schleifen können.“ Auch die Pinguine (die Eislaufhilfen für Anfänger in Tierform) erhalten ebenfalls von Zeit zu Zeit einen neuen Anschliff – in Form von neuer Farbe. „Sie werden gehegt und gepflegt. Das sind schon jahrelang die selben“, verrät Spies.
Eishalle hat von November bis Februar geöffnet
Besonders viel Spaß an seinem Job macht dem 42-Jährigen, der bei der Messe Offenburg angestellt ist und in der Sommerzeit im Büro arbeitet, die Herausforderung, „jeden Tag das perfekte Eis zu haben“. „Besonders freue ich mich, wenn Stammkunden immer wieder kommen.“
Dass die Halle in Offenburg nun nach jahrelanger Schließzeit wieder von November ist Februar geöffnet ist, freut den Eismeister sehr. „Es war schön zu hören, dass wir wieder aufmachen, auch wenn acht Wochen Vorlauf sehr sportlich waren“, so Spies.
Vorschläge für die Serie
Im Rahmen unserer Serie „Besondere Berufe“ stellen wir Menschen vor, die besonderen Berufen nachgehen. Wenn Sie Ideen für außergewöhnliche Jobs sowie interessante Berufe haben, melden Sie sich gerne und schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion@lahrer-zeitung.de.