Die Gemeinde Auggen hat ihr altes Löschfahrzeug öffentlich versteigert. Ein 21-Jähriger aus dem Dorf hat zugeschlagen. Warum – das hat er unserer Zeitung erzählt.
Die Versteigerung fand unter dem Motto „Einsatz beendet – Wenn Helden in Rente gehen“ statt.
Etwa 40 Neugierige hatte die besondere Auktion am Samstag ans Auggener Feuerwehrhaus gelockt. Geboten hat am Ende indes nur einer: Der 21-jährige Philip Wenger. Für 13 000 Euro – 1000 Euro über dem Mindestgebot – erhielt er den Zuschlag. Er ist nun neuer stolzer Besitzer des Löschfahrzeugs vom Typ „8/6“, das der Auggener Wehr fast 30 Jahre lang treue Dienste geleistet hat.
Zufrieden zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung Bürgermeister Ulli Waldkirch – „auch wenn unser finanzielles Wunschziel nicht erreicht wurde“. Im Vorfeld hatten mehrere Personen Interesse an dem Fahrzeug bekundet, weshalb man mit mehr Geboten gerechnet habe. Bei der ganzen Aktion sei es jedoch um mehr gegangen als nur um den reinen Erlös, macht der Rathauschef deutlich, der bei der Versteigerung in die Rolle des Auktionators schlüpfte.
Werbung für Feuerwehr
Erfreulich sei für alle Beteiligten, dass das alte Löschfahrzeug im Dorf bleibe. „Und nun auch die Rente hier in Auggen verbringen darf“, sagt Waldkirch mit einem Schmunzeln. Schließlich sei das Fahrzeug, das seit 1996 im Dienst der Gemeinde war, über die Jahre vielen ans Herz gewachsen.
Außerdem sei ein wichtiges Ziel der „witzigen Aktion“ gewesen, die Feuerwehr ins Licht zu rücken und Werbung für den freiwilligen Dienst zu machen. „Das ist uns gelungen“, hält Waldkirch im Gespräch mit unserer Zeitung fest.
Neue Kameraden gewonnen
Im Zusammenhang mit der Auktion habe die Auggener Feuerwehr gleich zwei neue Kameraden für sich gewinnen können. Einer von ihnen ist Philip Wenger – der neue Besitzer des alten Löschfahrzeugs. Er will sich im Frühjahr zum Truppmann ausbilden lassen.
Wenger, der als Lokführer arbeitet, gehörte früher der Jugendfeuerwehr an. Wegen Ausbildung und Beruf hatte er die vergangenen Jahre jedoch pausiert. Nun freue er sich umso mehr, wieder aktiv zu werden.
Ein Kindheitstraum
Das Fahrzeug hat der Auggener aus nostalgischen Gründen ersteigert, erzählt er unserer Zeitung. Damals, als Zehnjähriger in der Jugendfeuerwehr, habe er davon geträumt, das Löschfahrzeug einmal selbst zu fahren. Mit dem Kauf sei für ihn somit ein Kindheitstraum wahrgeworden.
Das Fahrzeug will er originalgetreu erhalten, kündigt der Nostalgiefan an. Nach und nach wolle er auch die Ausrüstung kaufen und wieder auffüllen. Die Kosten hierfür schätzt er auf nochmals 5000 bis 6000 Euro.
Für den privaten Spaß
Das Feuerwehrauto will er „zum privaten Spaß nutzen“, sagt Wenger, beispielsweise für eine Sonntags-Tour durch die Gegend. Denkbar sei auch, dass er mit dem Fahrzeug an Feuerwehr-Oldtimertreffen teilnehmen wird. Im nächsten Jahr, wenn das Fahrzeug 30 Jahre alt wird, will er es als Oldtimer anmelden.
„Fühle mich verbunden“
Das Auggener Löschfahrzeug ist bereits das zweite Feuerwehrauto im Fuhrpark des jungen Mannes. Seit einigen Monaten besitzt er bereits einen alten Feuerwehr-Bully VW T2. Das Fahrzeug sei zuletzt im Großraum Hannover als Feuerwehrauto im Einsatz gewesen und schließlich über Umwege bei ihm gelandet. „Das war’s jetzt aber auch – die beiden reichen“, sagt der 21-Jährige mit einem Schmunzeln. Das Auggener Feuerwehrauto habe er nur unbedingt haben wollen, „weil ich mich mit dem Fahrzeug verbunden fühle“.
Eine echte Feuerwehr-Familie
Die Faszination für die Feuerwehr wurde Philip Wenger quasi in die Wiege gelegt: Der Auggener ist in einer waschechten Feuerwehrfamilie großgeworden. Sein Vater arbeitet bei der Berufsfeuerwehr Freiburg, zusätzlich ist er ehrenamtlich bei der örtlichen Feuerwehr aktiv. Und auch Philip Wengers Opa, der im vergangenen Jahr verstorben ist, sei das ganze Leben bei der Auggener Feuerwehr engagiert gewesen, berichtet der 21-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.
Beitrag im Fernsehen
Mit der öffentlichen Versteigerung
des alten Auggener Löschfahrzeugs haben Gemeinde und Feuerwehr auch überregional für Interesse gesorgt. Ein SWR-Team war in der Winzergemeinde vor Ort und hat bei der Auktion gedreht.
Der Bericht
soll voraussichtlich am Mittwoch, 3. Dezember, ab 18.15 Uhr in der SWR-Landesschau ausgestrahlt werden.