Es ist mit das schlimmste Szenario, was sich ein Besitzer vorstellen kann: Der eigene geliebte Vierbeiner wird von zwei herrenlosen Artgenossen angegriffen und getötet. Zu solch einem Vorfall ist es am Samstag „Im Holderstock“ in Altenheim gekommen.
„Ein Schäferhund mit Maulkorb sowie ein Kangal ähnlicher Mischlingshund, dessen Maulkorb herunterhing, sollen den Hund einer Anwohnerin angegriffen und tödlich verletzt haben“, schreibt die Polizei zu einem Vorfall, der sich am Samstag gegen 12.45 Uhr im Neurieder Ortsteil Altenheim in der Straße „Im Holderstock“ ereignet hat. Beide angreifenden Hunden gehörten offensichtlich zusammen und hatten sogenannte Elektroimpulsgeräte am Hals – was darauf schließen lässt, dass der Besitzer sehr wohl bereits vor dem Angriff um die Gefährlichkeit seiner Tiere wusste. Wie die beiden Hunde zu ihrem vierbeinigen Opfer gelangten und woher sie kamen, das ist nach wie vor offen. Sie wurden nach dem Vorfall gesichert und in das Tierheim Offenburg gebracht.
Die Polizei ist nun auf der Suche nach den Besitzern. Bislang haben sich diese aber noch nicht gemeldet. Aus Angst vor den Konsequenzen? „Zunächst einmal würden auf die Besitzern gar nicht wirklich hohe Strafen zukommen“, sagt Volker Olbrisch gegenüber unserer Redaktion. Zumindest was das Strafrecht anbelange.
Im Strafrecht gilt der Hund als eine Sache
Denn anders als über das Tierschutz g esetz (in dem der Hund als Lebewesen gilt), ist der Vierbeiner im Strafrecht als eine Sache zu sehen. Und, so erklärt Olbrisch es weiter, in diesem Falle würde eine Sache eine Sache beschädigt haben. Strafrechtlich würde dies also nicht weiter verfolgt. „Die Beamten würden aber natürlich weiter ermitteln, um unter anderem die Gefährlichkeit einzustufen. Es geht um Gefahrenabwehr“, so Olbrisch weiter. Im schlimmsten Fall könnte es dazu führen, dass die Hunde nicht bei ihren Besitzern bleiben dürfen. „Außerdem könnte über das Zivilrecht eine Entschädigung verlangt werden“, hebt Olbrisch außerdem hervor.
Vielfach werden die beiden seit Samstag herrenlose Hunde durch die Sozialen Medien gejagt. Auch für Désirée Henninger von „Für alle Felle“ stand außer Frage, sich bei der Suche nach den Besitzern zu beteiligen. Sie hat aus erster Hand erfahren, wie der Jack Russel – der getötete Hund – seine letzten Minuten verbringen musste. „Nachdem ich mich angeboten hatte, die Erkennungschips der beiden Hunde auszulesen, hat mich der geschädigte Besitzer angerufen und mir das Geschehene erzählt“, so Henninger.
Die beiden Hunde seien auf den Hof gestürmt und hätten sich dann sofort auf den kleineren Artgenossen gestürzt – „vor den Augen der sich dort ebenfalls befindenden Kinder“, gab Henninger die Erzählungen des Besitzers unserer Redaktion wieder. Die beiden Hunde hätten sich daraufhin entspannt auf eine Wiese gegenüber gelegt und konnten dann von der hinzugerufenen Polizei auch ohne weiteres gesichert werden.
Tierheim Offenburg gibt kaum Auskunft
„ Wichtig ist mir in diesem Fall, dass keine Hetze auf die Hunde gemacht wird“, macht Henninger deutlich. Das gehe über die Sozialen Medien viel zu schnell, ohne, dass man Hintergründe kenne. Noch niemand wisse, woher die Hunde kommen, aber es werde gerne schnell wild spekuliert. Aktiv habe Henninger immer wieder darum gebeten, unangebrachte Kommentare unter Posts, die zur Findung der Besitzer veröffentlicht wurden, zurückzunehmen. Sollte dies innerhalb einer bestimmt Zeit nicht geschehen sein, habe sie selbst diese Kommentare wieder gelöscht. Statt zu helfen, würden mit solch Kommentaren vermutlich die Besitzer noch mehr eingeschüchtert, erklärt Henninger ihr Vorgehen.
Das Tierheim Offenburg, bei dem die Hunde derzeit untergebracht sind, hat unter ihrem Beitrag die Kommentarfunktion sogar gleich deaktiviert. Und auch gegenüber unserer Zeitung bleibt das Tierheim reserviert. „Wir dürfen zum momentanen Zeitpunkt keinerlei Auskunft geben“, so eine Mitarbeiterin. Auch das bereits auf Facebook veröffentlichte Foto dürfe man der Zeitung nicht zur Verfügung stellen. Lediglich die Chip-Identitätsnummern sind zu erfahren: „6533“ und „6534“.
Das oben gezeigte Foto konnte die LZ dann letztlich über Henninger einholen. Die Aufnahmen entstanden kurz nach der Sicherung der Vierbeiner.
Hinweise
Die Polizei bittet um Mithilfe der Bürger. Hinweise nehmen die Ermittler der Polizeiführerhundestaffel unter Telefon 0781/21 47 14 entgegen.