Baustellenbesichtigung vor der Sparkasse, sozusagen vier Baustellen in einer. Anwohner machten sich vor Ort ein Bild. Foto: Gerald Nill

Eigentlich sollte die öffentliche Begehung der Baustelle in Schopfheims Innenstadt das Verständnis fördern, der Einladung der Stadt zur Besichtigung waren aber nur wenige Bürger gefolgt. Beim Rundgang zeigte sich die Komplexität der Arbeiten

Das Interesse an einer Baustellenbesichtigung in der Stadtmitte, auf Einladung der Stadt, hielt sich in Grenzen. Remko Brouwer vom Tiefbauamt, blickte zu den Vertretern der ausführenden Firmen und meinte lakonisch: „Wir sind in der Überzahl.“

 

Dabei war der Rundgang an den offenen Gräben interessant, finden sich doch mindestens vier Baustellen zeitgleich in einer Baugrube. Vier Leitungen werden im Untergrund erneuert beziehungsweise neu verlegt: Nahwärme und Stromkabel, Wasserleitungen und Breitband. Es blieb kein Zweifel, dass die Koordination des Geschehens im Erdreich eine anspruchsvolle Aufgabe ist, die auch unliebsame Überraschungen birgt.

Heiße Phase der Arbeiten

Brouwer erklärte anlässlich der Baustellenbesichtigung: „Wir haben zur öffentlichen Begehung eingeladen, um für Verständnis zu werben.“ Warum dauern die Arbeiten so lange, warum wird die Sparkassen-Kreuzung komplett gesperrt? Das seien Fragen, die die Bürger beschäftigten.

Zum aktuellen Stand der Arbeiten teilte er mit: „Wir befinden uns derzeit in der heißen Phase.“ Die Stadt mache Druck, möchte schnellstmöglich fertig werden, um Anwohner und Geschäftsleute nicht länger mit Sperrungen, Umleitungen und Unannehmlichkeiten zu drangsalieren. „Wir berücksichtigen dabei die wichtigsten Veranstaltungen“, versicherte der Tiefbauamtsmitarbeiter. Nach der Fasnacht ging die Buddelei los, bis Ende Juni soll sie beendet sein, damit der „Sommersound“ Mitte Juli reibungslos über die Bühne gehen kann. Deshalb sei phasenweise eine Abend-Baustelle eingerichtet worden, um mal mit der Baustelle Wasser zu beginnen. Um den Einzelhandel nicht zu beeinträchtigen wurden zwischen 19 und 21 Uhr alte Leitungen herausgeholt und neue verlegt.

„Es ist schwieriger als es aussieht.“

Insgesamt wird abschnittsweise vorgegangen, um 40 bis 50 Meter Wasserleitungen neu zu verlegen. Ein Mitarbeiter versicherte: „Es ist schwieriger als es aussieht.“ Brouwer präzisierte: „Es sind ja auch noch andere Leitungen im Boden: Gas- und Stromleitungen oder Telekomleitungen.“ Nicht alle sind detailliert kartographiert. Es geht mit den neuen Leitungen buchstäblich drunter und drüber. Dies betrifft auch die neuen Nahwärmeleitungen, die auf 450 Metern Länge rund 1,30 Meter tief im Erdreich liegen. Die Stadt wolle das Nahwärmenetz massiv erweitern. Im ersten Abschnitt werden Rathaus und Max-Metzger-Schule angeschlossen. Eine Anwohnerin wollte wissen, ob die Anschlussquote hoch sei. „Sehr hoch“, lautete die Antwort.

Heizzentrale aufrüsten

Aktuell wird auch die Heizzentrale in der Stadthalle aufgerüstet. Sie verbrennt zwar Gas, erhält aber eine Kraft-Wärme-Kopplung und erzeugt dadurch auch Strom. Im zweiten Schritt soll im Bereich der Wiesenstraße ein Kraftwerk entstehen, das Biomasse verbrennt, geplant für eine Dauer von rund acht Jahren, bis künftig der Wasserstoff als Energiequelle genutzt werden kann. Die bestehenden Wärmeleitungen zur Stadthalle aus dem Jahr 1982 seien übrigens hervorragend in Schuss, versicherte ein Experte. Glasfaserkabel werden aktuell auch verlegt, um die Nahwärme-Anschlüsse intelligent verknüpfen zu können. Nahwärme und Breitband gehörten ab sofort zusammen.

Stromleitungen werden erneutert

Stromleitungen werden im Zuge der Bauarbeiten ebenfalls erneuert. Sie werden auch zwei Schnellladesäulen versorgen, hieß es beim Ortstermin. Am Ende, wenn alles wieder zugeschüttet wird, entsteht vor der Sparkasse bekanntlich ein Kreisel. Anwohner wollten wissen, ob dafür mehr Fläche benötigt wird, was verneint wurde. Zum Schluss sprach Brouwer das „heiße Eisen“ der Verkehrsbehinderungen während der Bauarbeiten an und versicherte: „Es sind alle Straßen erreichbar, aber nicht aus allen Richtungen.“ Auch auf die Bedürfnisse der City-Bummler werde Rücksicht genommen. Eine Anwohnerin sprach abschließend das aktuelle Nadelöhr vor der Hirsch-Apotheke an. Es sei „sehr unglücklich“, dass aktuell auch noch die Schwarzwaldstraße gesperrt sei. Brouwer entschuldigte sich, dass sich eben nicht alles koordinieren lasse.

Unaufgeregter Rundgang

Manfred Schnell von „Schopfheim aktiv“ versicherte, dass die Schwarzwaldstraße kommende Woche wieder geöffnet werde. Damit endete der Baustellenrundgang unaufgeregt. Ein Rundgang, an dem übrigens kein Gemeinderat teilnahm – aber die hatten womöglich noch genug von der langen Sitzung zwei Tage zuvor.