Die Sirene auf dem alten Mötzinger Rathaus wurde vor Jahren abgebaut – jetzt sollen im Ort wieder zwei bis drei Sirenen installiert werden. Foto: Priestersbach

Einstimmig fiel die Zustimmung des Mötzinger Gemeinderats aus, sich an der Erarbeitung eines kreisweiten Sirenenkonzeptes zu beteiligen. Die notwendigen Mittel für zwei bis drei zu installierende Sirenen sollen in den kommenden Haushaltsplänen eingestellt werden.

Mötzingen - Wie Ordnungsamtsleiter Torsten Melzer in Erinnerung rief, hatte die Flutkatastrophe im Ahrtal für ein Umdenken in Sachen Sirenen gesorgt. Wurden diese in den letzten Jahren nach Ende des Kalten Krieges konsequent abgebaut, hatten die Ereignisse im Sommer 2021 gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Sirenenstruktur sein kann, um die Bevölkerung in Notfällen zu warnen und zu informieren.

Gerade die derzeitige weltpolitische Lage mit möglicherweise konkreten Auswirkungen auf die Kommunen mache eine schnelle und unmittelbare Kommunikationsstruktur erforderlich. "Ohne WLAN sind die Warn-Apps nutzlos – und deshalb macht es Sinn, zur guten alten Sirene zurückzukehren", erklärte Torsten Melzer.

Einheitliches Vorgehen im Kreis Böblingen

Nachdem auf Bundes- oder Landesebene keine Bestrebungen erkennbar sind, die Kommunen entsprechend auszustatten, will man wenigstens auf der Ebene des Landkreises Böblingen einheitlich in Sachen Planung, Installation und Auslöseschwelle vorgehen. Nach überschlägigen Berechnungen geht man von einem Bedarf in der Größenordnung von bis zu 200 Sirenenanlagen im Kreis Böblingen aus. Die Kosten pro Sirene werden mit bis zu 25 000 Euro veranschlagt, so dass unterm Strich rund vier Millionen Euro für die flächendeckende Ausstattung notwendig werden. Die Beschaffung der Sirenen soll zentral durch den Landkreis erfolgen, wobei die Beschaffungskosten den Kommunen anschließend in Rechnung gestellt werden.

2025 sollen die Sirenen landkreisweit in Betrieb gehen

Ziel ist es, so Torsten Melzer, bis zum Jahr 2025 landkreisweit alle Sirenen in Betrieb zu nehmen. Die zwei bis drei Sirenen-Standorte in Mötzingen sollen im Zuge der Planung ermittelt werden, wobei vorrangig öffentliche Gebäude in Betracht kommen. Allerdings ist die Nachfrage nach den Vorkommnissen im Ahrtal sprunghaft gestiegen, und der Ordnungsamtsleiter weiß, dass es bundesweit nur drei große Sirenenhersteller gibt, die ihre Kapazitäten in den letzten Jahren aber runtergefahren hatten. Gleichzeitig sei ebenfalls die Anzahl der einschlägigen Fachplaner begrenzt, weshalb ein koordiniertes und zügiges Vorgehen um so wichtiger sei.

Gibt es weitere Förderprogramme?

"Es ist sinnvoll, ein einheitliches Konzept für alle Kommunen im Landkreis zu erstellen", erklärte Bürgermeister Marcel Hagenlocher, wobei es noch unklar sei, ob weitere Förderprogramme aufgelegt werden. Das landesweite Zuschussprogramm "1000 Sirenen für Baden-Württemberg" war auf jeden Fall in Windeseile überzeichnet.