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Beschlagtechnikspezialist aus Nagold Häfele setzt auf internationalen Nachwuchs

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Joseph kann auf den Rat seines Kollegen und Paten Thorsten Klaes (links) vertrauen. Foto: Häfele

Nagold - In der Volkshochschule, im Betrieb und auf dem Fußballplatz. Das sind die drei Orte, an denen Joseph Deutsch gelernt hat, erzählt der junge Afrikaner während er gewissenhaft Kartons mit Paketband zuklebt. Sein sprachliches Talent hat dem 35-jährigen Mann aus Kamerun den Weg in die deutsche Arbeitswelt geebnet. Im September hat er eine Ausbildung zum Fachlageristen bei der Firma Häfele in Nagold begonnen. Da war Joseph gerade einmal anderthalb Jahre in Deutschland. Er ist der älteste von zwölf jungen Männern, die eine Lehre bei dem Familienunternehmen aus dem Nordschwarzwald begonnen haben. Acht der zwölf jungen Männer zwischen 17 und 35 Jahren sind wie er erst 2015 ins Land gekommen. Damit, dass Häfele Flüchtlingen so früh und in so großer Zahl in die betriebliche Ausbildung aufgenommen hat, ist das Unternehmen eine echte Ausnahmeerscheinung.

Grund genug für den designierten Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, den Weg von Nürnberg in den Nordschwarzwald auf sich zu nehmen, um aus erster Hand zu erfahren, wieso Unternehmenschefin Sibylle Thierer diesen mutigen Schritt gewagt hat. „Wir verstehen es als Verpflichtung, einen Beitrag zur Integration junger Menschen zu leisten“, sagt die 56-Jährige, die den Spezialisten für Möbel- und Baubeschläge sowie elektronische Schließsysteme seit 2003 in dritter Generation führt. Sie habe sich gleich nach dem Beginn des großen Flüchtlingsansturms im vergangenen Sommer dazu entschieden, „ein richtig großes Projekt“ zu machen. „Wir brauchen Mitarbeiter und Internationalität ist für uns der Normalfall“, sagt Thierer. Häfele exportiere in 150 Länder weltweit und hat selbst in 37 Staaten Niederlassungen.

Ein runder Tisch vor Ort hat das Projekt ermöglicht

Möglich sei die Einstellung der Flüchtlinge erst durch die Zusammenarbeit unterschiedlichster Institutionen vor Ort geworden: Vertreter von Landratsamt, Schule und Berufsschule sowie Arbeitsagentur hätten im Rahmen eines runden Tischs daran mitgewirkt. Bei einer Veranstaltung im Januar habe sich das Unternehmen als Arbeitgeber vorgestellt. 120 junge Flüchtlinge seien zum Versandzentrum auf den Wolfsberg gekommen, 21 hätten später ihre Bewerbung eingereicht, erläutert Personalleiter Bruno Schanz.

Zwölf Bewerbern habe man schließlich zunächst im Rahmen eines zweimonatigen Praktikums die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen gegeben. Alle zwölf haben im September eine Lehre begonnen – die zweijährige, „theoriegeminderte“ Ausbildung zum Fachlageristen. Den Abschluss zur Fachkraft für Lagerlogistik können sie in einem zusätzlichen dritten Jahr erreichen. Sie kommen aus Afghanistan, Eritrea, dem Irak, Pakistan, Somalia, Togo, Nigeria, Kamerun und Gambia und haben ganz unterschiedliche Vorbildungen: Der junge Eritreer war Automechaniker in seiner Heimat, der Iraker hat Fachabitur, sein Kollege aus Nigeria studierte Elektrotechnik. Ob sie alle bleiben können, ist ungewiss. Manche von ihnen sind nur geduldet, für sie greift die 3+2 Regel. Sie dürfen für die Dauer ihrer Ausbildung und weitere zwei Jahre in Deutschland bleiben. Das sei nicht entscheidend, sagt Firmenchefin Thierer. „Auch wenn sie nicht bleiben können, ist ein Gesellenbrief eine tolle Basis für eine Zukunft in ihrer Heimat.“

Der designierte BA-Chef lobt den Mut des Betriebes

Der BA-Vorstand Scheele, der im April 2017 Frank-Jürgen Weise an der Spitze der Bundesagentur in Nürnberg ablösen wird, ist beeindruckt: „Das ist vorbildlich und in diesem Umfang auch einzigartig“, lobt der 60-Jährige seine Gastgeberin. Die Jobcenter und Arbeitsagenturen stehen vor einer Mammutaufgabe: Für das kommende Jahr rechnet die BA bundesweit mit 380 000 Flüchtlingen in der Grundsicherung. Der Betrieb stellt für früheren Hamburger Sozialsenator den besten Ort zur Integration dar: „Dort lernen die jungen Menschen die deutsche Sprache und knüpfen über Kollegen erste Verbindungen zu Sportvereinen, Gemeinden oder anderen Organisationen.“

Der Schlüssel zum Erfolg ist für Scheele das persönliche Engagement. Daher sieht er Mittelständler, Handwerksbetriebe und Familienunternehmen durch ihre größere Nähe zur Region im Vorteil gegenüber Dax-Konzernen, die in den vergangenen Monaten nicht unbedingt mit einer hohen Einstellungsbereitschaft aufgewartet haben.

Joseph aus Kamerun fühlt sich bei Häfele gut aufgenommen und hat sogar sein fußballerisches Engagement vorübergehend zurückgestellt, um den Ausbildungserfolg nicht zu gefährden. „Ich möchte noch viel lernen“, sagt der Mann, der in seiner Heimat einen Bachelorabschluss in Elektrotechnik gemacht hat, dem es aber nichts auszumachen scheint, dass er noch einmal ganz von vorne anfangen muss.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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