Das Ortenau-Klinikum hat für ein baldiges Ende der Maskenpflicht auch im Gesundheitswesen plädiert. Foto: Christophe Gateau/dpa/Christophe Gateau

Das Ortenau-Klinikum hat für ein baldiges Ende der Maskenpflicht auch im Gesundheitswesen plädiert. Dauerhaftes Arbeiten mit einem Mund-Nase-Schutz sei Pflegekräften und Ärzten nicht weiter zumutbar, heißt es in einer Mitteilung des Klinikverbunds.

Im öffentlichen Nahverkehr und in den Arztpraxen ist sie bereits Geschichte, in den Krankenhäusern gilt sie noch – die Maskenpflicht. Wenn es nach dem Klinikum geht, soll sich das jedoch bald ändern. Das „dauerhafte Arbeiten unter Atemschutzmasken“ sei Ärzten und Pflegekräften in der jetzigen Situation nicht mehr zuzumuten, betonte Christian Keller, Vorstandsvorsitzender des Klinikums, am Montag in einer Mitteilung seines Hauses. „Unsere Beschäftigten haben über die gesamte Dauer der Corona-Pandemie großes Engagement im Kampf gegen die Pandemie gezeigt. Das dauerhafte Tragen einer FFP2-Maske hat diesen Einsatz zusätzlich erschwert.“ 

Aktuell werden zehn Corona-Patienten behandelt

Bei seiner Forderung nach der Abschaffung der allgemeinen Maskenpflicht im Gesundheitswesen stützt sich das Klinikum auf aus der Pandemie gewonnene wissenschaftliche Erkenntnisse.  Nach Auffassung führender Virologen habe Corona den Status einer Pandemie verloren, sei jetzt also eine Krankheit unter vielen. Klinikum-Chef Keller selbst spricht in der Mitteilung gar vom „Ende der Pandemie“ und fordert: „Die Politik sollte schnell reagieren und die Vorgaben jetzt ändern.“
Die Infektionszahlen untermauern das: „Die Zahl der Corona-Patienten ist in den vergangenen Wochen stark zurückgegangen“, erläuterte Christian Eggersglüß, Pressesprecher des Klinikums,  auf Anfrage unserer Redaktion. Aktuell würden rund zehn Corona-Patienten im Ortenauer Klinikverbund behandelt.  

Covid auch künftig als ansteckende Krankheit ernst nehmen

„Zu Beginn der Pandemie ging es immer darum, die Kurve der Infektionen abzuflachen“, erläuterte Andreas Schröder, Chefarzt der Klinikhygiene, unserer Redaktion. Dazu hätten das allgemeine Tragen der Masken und das enge Testregime sicher beigetragen. „Jetzt ist die Kurve flach. Deswegen sind diese Maßnahmen in den Häusern nicht mehr zeitgemäß.“ Selbstverständlich werde  man Covid auch in Zukunft als ansteckende Erkrankung ernst nehmen. „Im Umgang mit ansteckenden Erkrankungen waren unsere Mitarbeiter aber auch schon vor der Pandemie geschult“, so Schröder.
Das Masken weiterhin zum Einsatz kommen sollen, wo im Kontakt mit den Patienten ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, sagte auch Keller. Das gehöre zum verantwortungsvollen Handeln im Gesundheitswesen und sei wesentlicher Bestandteil der geltenden Hygienekonzepte jeder Klinik. Das gelte etwa in Operationssälen, bei potenziell infektiösen Patienten mit entsprechenden Symptomen, im Umgang mit Krebspatienten in der Therapie mit verringertem Immunschutz und in der Klinikapotheke, bei der Herstellung bestimmter Medikamente. 

Klinikum verweist auf  wissenschaftliche Studien

Ein Festhalten an der  allgemeinen Maskenpflicht ist laut Argumentation des Klinikums  jedoch unsinnig. Neuere Studien zeigten, so der Klinikverbund, dass diese in Kliniken zu keiner eindeutigen Verringerung von Virusinfektionen führe und auch nicht maßgeblich deren Ausbreitung verhindere. Bereits im Oktober habe eine Kommission des Robert-Koch-Instituts  darauf verwiesen, dass die allgemeine Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken in den Krankenhäusern einer wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.
In der Folge sei diese Feststellung von den großen Fachgesellschaften der Krankenhaushygiene bekräftigt worden. Ganz aktuell komme auch eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zu dem Ergebnis, dass das Tragen von Schutzmasken nur wirksam ist, wenn diese situationsabhängig sinnvoll eingesetzt werden, so das Klinikum. „Diese Studienergebnisse bestärken uns in unserer Auffassung, dass wir zu einem baldigen Ende der allgemeinen Maskenpflicht kommen müssen“, betonte Keller.

Ob Besucherregeln gelockert werden, bleibt offen

Ob mit dem „Ende der Pandemie“ auch Lockerungen bei den Regeln für Besucher in Aussicht stehen, lässt das Klinikum am Montag offen. Zur Zeit gilt für alle, die das Klinikum betreten, eine allgemeine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken. Besucher und ambulante Patienten müssen einen aktuellen negativen Test vorweisen können. Stationär aufgenommene Patienten werden mit PCR-Test getestet.