Im Laufschritt und gerne auch mal mit einem 22-Kilo-Paket im Arm: Tobias Rau hat als Zusteller einen körperlich herausfordernden Job. Foto: Otto

Bei diesem Termin sind Turnschuhe gefragt. Denn wer mit Tobias Rau mithalten will, der muss flott zu Fuß sein: Der 34-Jährige ist DHL-Zusteller und bringt den Rottweilern Päckchen und Briefe im Dauerlauf. Wir haben ihn ein Stück weit begleitet und ihn über alles rund um seinen Job befragt.

Kreis Rottweil - Die Belchenstraße in Rottweil an einem sonnigen Mittag: ein schönes Wohngebiet mit Ein- und Mehrfamilienhäusern. Tobias Rau ist mit seinem gelben Elektrotransporter unterwegs – allerdings nicht, weil er damit weite Strecken fahren muss, sondern weil er die Unmengen von Paketen schlecht unterm Arm tragen kann. Seit 7 Uhr ist er im Dienst, hat im Zustellstützpunkt in der Königstraße die Post sortiert und alles für die Tour vorbereitet.

 

Seit 9.30 Uhr ist der 34-Jährige in seinem Bezirk unterwegs. Das E-Fahrzeug wird strategisch günstig abgestellt, dann schnappt er sich Briefe, Kataloge und Päckchen für die nächsten Häuser. Immer griffbereit: der Scanner, über den Pakete und Einschreiben dokumentiert werden.

Ich hetze ihm zu einem schmucken Einfamilienhaus hinterher. Dort wird geklingelt und geduldig gewartet, um ein Paket abzugeben. "Ich klingle in jedem Fall. Viele Leute sind tatsächlich zuhause", weiß Tobias Rau. Das sei im Endeffekt immer noch schneller, als ums Haus herumzugehen und die Sendung am vereinbarten Ablageort abzulegen.

Stammzusteller und Teamleiter

Tatsächlich öffnet sich die Tür, und die Dame nimmt erfreut ihre Post entgegen. Man kennt sich. Rau ist in dem Gebiet Stammzusteller. Er ist gleichzeitig Teamleiter in Rottweil und hat ein etwas kleineres Gebiet, um neben der Zustellung auch seine ganzen anderen Aufgaben hinter den Kulissen erledigen zu können.

Das erzählt er, während es im Laufschritt schon zum nächsten Haus geht. Dort öffnet auch nach längerem Warten niemand. Weil kein Ablagevertrag besteht, muss er die Päckchen wieder zurück zum Fahrzeug tragen. "Einfach vor der Tür ablegen geht nicht. Wir haften, wenn das Päckchen dann fehlt", sagt Rau. In Blitzgeschwindigkeit lässt er einhändig aus seinem Scanner einen Beleg für die Benachrichtigungskarte heraus, die er dem Empfänger in den Briefkasten steckt. Das Päckchen kann am Folgetag in der Filiale abgeholt werden.

Jeder Handgriff sitzt. Wie lange macht er den Job schon? "Jetzt sind es zehn Jahre", sagt er und zieht die nächsten Pakete aus dem Laderaum. Er landete, wie so viele, als Quereinsteiger in diesem Beruf.

Rau kommt ursprünglich aus Dietingen und hat Verwaltungsfachangestellter gelernt. "Dann habe ich die Fachhochschulreife nachgeholt und wollte eigentlich studieren." Als er nichts Passendes bekommen hat, hat er bei der Post angefangen. "Und ich bin hängengeblieben", schmunzelt er.

14 Kilometer am Tag

Wie viele Kilometer er seither im Dienst zurückgelegt hat, mag man sich kaum ausmalen. "Jeden Tag kommen 13 bis 14 Kilometer zusammen", erklärt der 34-Jährige. Die körperliche Belastung sei tatsächlich nicht ohne. Der Schrittzähler zeigt am Abend bis zu 20.000 Schritte an. Und dann sind da noch die vielen Eingangstreppen, die er an diesem Tag hoch- und runterflitzt. Sport braucht er nach Feierabend nicht mehr. "Ich habe früher noch in Dietingen Fußball gespielt, das hab ich aber irgendwann aufgehört." Kein Wunder.

Inzwischen sind wir durch die ganze Belchenstraße gespurtet, die Sonne brennt vom Himmel. Zumindest bei ihm ist noch keine Schweißperle zu sehen. Dabei geht es jetzt ans "Gewichte stemmen". Drei riesige Pakete mit Tierfutter müssen zugestellt werden. Eins davon wiegt 22 Kilo. Weil niemand zuhause ist, schleppt Rau die Pakete hinters Haus zum vereinbarten Ablageort. Oft hat er auch Weinflaschen zuzustellen. "21 Flaschen sind da in einem Paket." Na dann Prost.

Menge an Paketen hat sich verdreifacht

Bei der Frage nach der größten Veränderung von seinen Anfängen bis heute muss er denn auch nicht lange überlegen. "Die Menge an Paketen hat sich verdreifacht", sagt Rau. Zu seinen Anfangszeiten habe man es als Zusteller schon "verflucht, wenn es 40 Pakete waren", meint er schmunzelnd. Inzwischen ist es täglich oft eine dreistellige Zahl. Corona hat die Entwicklung weiter nach oben getrieben. "In diesem Frühjahr war es wie sonst zur Weihnachtszeit", berichtet der Zusteller. Inzwischen sei jedoch zumindest etwas zu spüren, dass die Läden wieder geöffnet haben. Am Morgen ist Rau mit 93 Paketen gestartet. Jetzt sind noch 33 Stück im Wagen.

Wer tagsüber meist nicht Zuhause ist und auch keinen geeigneten Ablageort hat, kann sich Pakete auch an eine Packstation liefern lassen, rät Rau. Davon gibt es im Bereich Rottweil inzwischen drei Stück.

Doch ob viele oder wenige Pakete: Die Arbeit macht ihm einfach Spaß. "Man ist für sich und kann selbstständig arbeiten." Natürlich müsse man sein Tempo laufen und organisiert sein. Ein Nachteil an dem Beruf fällt ihm aber nicht wirklich ein. Nur bei Regen sei der Spaß ein wenig getrübt. Dann sei die richtige Ausrüstung gefragt. "Schnee ist mir da noch lieber", schmunzelt Rau.

Auch die Bezahlung könne sich sehen lassen. "Schon Einsteiger oder Aushilfen bekommen 14,06 Euro die Stunde", erklärt Pressesprecher Marc Mombauer, der an diesem Tag in Rottweil vor Ort ist. Auch ein 13. Gehalt ist drin. Neue Kräfte würden stetig gesucht. Und natürlich gebe es auch etliche Karrierechancen.

In Rottweil habe er Kollegen, die schon seit 40 Jahren mit Freude in ihrem Beruf sind, sagt Rau. Und er selbst? "Auch ich werde noch lange dabei sein", lacht er, bevor er zum nächsten Haus flitzt. In Turnschuhen natürlich.