Der Stuttgarter Andreas Meinhardt – bekannt als Nils Bennett – entwickelt magische Effekte für Shows und Filme wie „Die Unfassbaren 3“. Im Gespräch lässt er sich in die Karten schauen.
Der Stuttgarter Andreas Meinhardt arbeitet unter seinem Künstlernamen Nils Bennett als Berater in Sachen Zauberei. Zuletzt half er bei den Dreharbeiten des Kinofilms „Die Unfassbaren 3“ mit.
Herr Meinhardt, auf Ihrer Webseite steht, dass Sie „Illusion Designer“ und „Magic Consultant“ sind. Könnte man auch einfach sagen, dass Sie ein Zauberer sind?
Nein, das ist etwas anderes. Ich komme aus der Zauberei und sehe mich immer noch als solcher. Aber der Zauberer ist für mich mehr derjenige, der auf der Bühne steht und seine Shows präsentiert, während ich mich mittlerweile im Hintergrund halte und Effekte für die Zauberer entwickle. Ich sehe mich als Designer – ein schwieriger Begriff, weil er so frei ist.
Wie wird man das?
Das ist natürlich kein Beruf, der eine reguläre Ausbildung hat. Ich habe mich schon immer für die Zauberei interessiert, aber zunächst eine Ausbildung zum Goldschmied gemacht und auch im Juweliergeschäft gearbeitet. Das Geschick und meine Kellerwerkstatt kamen mir dann aber auch bei meinem Hobby der Zauberei zugute. Ich habe angefangen, eigene Tricks und Requisiten zu entwerfen. Immer mehr Zauberer-Kollegen kamen auf mich zu und wollten meine Entwürfe. Dann habe ich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Und inzwischen mache ich das jetzt schon fast 20 Jahre lang.
Und wie entsteht so ein neuer Trick oder ein neues Requisit? Folgt man dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip und baut so lange, bis es funktioniert?
Das ist ganz unterschiedlich, weil jeder Effekt so einzigartig ist, auch in seinen Herausforderungen. Meistens fange ich an, das Requisit aus Pappe vorzubauen und so lange auszuprobieren bis ich es schließlich etwas stabiler bauen kann. Im Idealfall erprobt der Künstler das Requisit dann mal auf der Bühne und wenn alles passt, kann man es dann einmal richtig gut bauen.
Können Sie eine Sache nennen, die Sie entwickelt haben? Damit man eine Vorstellung davon bekommt, was das für Requisiten sind.
Das ist schwierig, weil ich nicht über konkrete Sachen sprechen kann.
Das heißt, das Geheimnis hinter dem Trick kennen nur Sie und der Kunde?
Ja, im Regelfall. Wir Zauberer sind ja sehr verschwiegen, was so etwas angeht. Und zwar nicht, weil wir überheblich oder arrogant sein wollen, sondern weil es einfach das Trickgeheimnis ist.
Ich verstehe. Werden auch Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnet?
Also beim Film habe ich ein ganzes Paket NDAs („Non-Disclosure Agreement“) unterschrieben. Bei Musicals ist das auch üblich. Teilweise auch bei den bekannten Zauberkünstlern.
Apropos Film: In den Kinos läuft aktuell „Die Unfassbaren 3“. Sie waren bei der Produktion involviert. Inwiefern?
Wir waren ein ganzes Team an Zauberkünstlern. Da gab es Leute, die mit den Schauspielern gearbeitet haben und ihnen die Tricks beigebracht haben. Dann welche, die am Set die Dreharbeiten koordiniert und betreut haben. Meine Aufgabe war die tricktechnische Vorplanung. Das fängt bei den Kostümen an: Wie muss man die schneidern, dass die Tricks nicht auffallen? Und hört bei der Gestaltung der Requisiten auf: Wie müssen die aussehen, dass sie in die jeweilige Epoche passen?
Kann man das inzwischen nicht alles mithilfe von Computern und visuellen Effekten machen?
In dem Fall – speziell unter Regisseur Ruben Fleischer – war der Ansatz: Wir wollen so viel wie möglich echt machen. Und das merkt man dem Film auch an, finde ich. Das hat eine andere Sprache, was die Zaubereffekte angeht.
Ich starte nochmal einen Versuch, Ihnen einen Trick zu entlocken: Haben Sie einen ganz einfachen Trick, den man zu Hause an Weihnachten vorführen kann, um die Verwandten zu beeindrucken?
Das Internet ist voll damit. Ich werde in diesem Interview keinen Trick verraten – das geht wieder gegen meine Policy. Aber die Empfehlung ist: Auf Youtube schauen. Es ist unglaublich, was da alles zu sehen ist. Es gibt tolle Sachen mit Alltagsgegenständen: Geldscheine, Münzen, Spielkarten.
Na gut, ich gebe auf. Und was macht man, wenn auf der Bühne ein Trick schiefgeht?
Daran unterscheiden sich Profis von Amateuren. Wenn man eine gute Bühnenpräsenz hat, fällt ein Fehler weniger auf. Jemand Unerfahrenes wird wahnsinnig nervös, wenn etwas kaputtgeht oder runterfällt. Doch wenn man Nervosität zeigt, platzt die Illusion. Die erfahrenen Zauberkünstler spielen darüber hinweg. Die Leute merken dann oft gar nicht, dass etwas schiefging. Topas aus Stuttgart ist so ein Beispiel: Der hat so viel Routine, dass er bei einem Fehler einfach improvisiert. Man merkt den Fehler nur, wenn man die Nummer kennt.
Was ist der größte Zaubertrick aller Zeiten?
Zu sagen „das ist DER Trick“ ist schwierig. Copperfield hat mich in den 80ern wahnsinnig beeinflusst, weil das, was er macht, tricktechnisch auf den Punkt ist. Originelle Tricktechniken, tolle Präsentation, stilsicher. Aus heutiger Sicht nicht mehr alles zeitgemäß, aber die Sachen sind oft nicht besser zu machen. Und dann gibt es Kollegen wie Juan Tamariz in Spanien – unglaubliche Sachen mit Karten. Oder Penn & Teller, die live tolle, originelle Tricks zeigen.
Und die Frau, die durchgesägt wird – ist das ein schwieriger Trick?
Der wurde von Robert Harbin in den 60ern entwickelt. Das war damals eine einfache Holzkiste, aber sehr innovativ. Inzwischen gibt es zig Versionen. Die Originalversion war technisch nicht sehr kompliziert, aber die Präsentation hat es ausgemacht. Und dann gibt’s moderne Varianten – zum Beispiel von Copperfield oder den Ehrlich Brothers – mit wahnsinniger Technik.
Also es ist nicht nur das Gerät, sondern auch die Präsentation, die eine gute Show ausmacht?
Ganz unbedingt. Das Trickgerät ist nur ein Teil des magischen Konzepts. Die Illusion funktioniert nur perfekt, wenn alles zusammenspielt: Präsentation, Tricktechnik, Emotion.
Warum fasziniert uns die Zauberei bis heute, wo es doch inzwischen Computer und KI gibt?
Ich glaube, der Wunsch nach Geheimnis ist immer da. Der Mensch will geheimnisvolle Dinge erklären. Die Zauberei spielt genau damit. Digital weiß ich: Man kann alles faken. Zauberei ist aber, Dinge möglich zu machen, die eigentlich nicht möglich sind. Und wenn die Menschen das live sehe, dann finden sie das faszinierend.
Info
Zur Person
Der Stuttgarter Andreas Meinhardt (52) arbeitet unter dem Künstlernamen Nils Bennett als sogenannter Illusionsdesigner und Magie-Berater. Zu seinen Kunden gehören bekannte Magier wie die Ehrlich Brothers oder Topas und große TV-Sender wie ARD und RTL.