Wer den Satz von Dold kennt, dem ist vielleicht nicht bekannt, dass dieser Mathematikprofessor aus der eigenen Heimat stammt. Denn Albrecht Dold stammt aus Nußbach. Zu Ehren seines Schaffens bekam er nun von seinem Patensohn eine Ehrentafel.
Albert Einstein, das Mathematik- und Physik-Genie aus Ulm kennt jedes Kind. Dass er einen nahezu ebenbürtigen Kollegen hatte, der aus dem beschaulichen Nußbach stammte, ist nahezu unbekannt – es ist Albrecht Egon Dold.
Der Mathematikprofessor aus Nußbach wurde am 5. August 1928 geboren. Er gilt als Pionier der algebraischen Topologie. Nun ehrten ihn sein Patensohn Joachim Kern, dessen Frau Christine und einige Freunde mit einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus, wo dereinst seine Mutter den Gemischtwarenhandel Dold führte. Rolf Meier, Graveur und Künstler aus Triberg, hatte die Bronzetafel gestaltet.
Schullaufbahn Der Sohn eines Uhrmachers und Kaufmanns wechselte 1939 zur Schwarzwaldschule in Triberg. Im Januar 1944 wurde er als Flakhelfer einberufen (er diente bis März 1945). Im November 1945 starb sein Vater an Kriegsfolgen. Trotzdem gelang es ihm, einen Studienplatz an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zu erhalten, wo er ab 1948 Mathematik studierte, 1952 sein Diplom ablegte und 1954 bei Herbert Seifert zum Dr. rer. nat. promoviert wurde.
Zunächst Professor für reine Mathematik
Berufslaufbahn 1954 bis 1956 war er Assistent am Mathematischen Institut in Heidelberg. 1956 wechselte er an das Institute for Advanced Study in Princeton, New Jersey. 1958 folgte seine Habilitation in Heidelberg. Ab 1960 war Dold zunächst Assistant Professor und ab 1961 Associate Professor an der New Yorker Columbia University. Ordentliche Professuren erhielt er 1962 an der Universität Zürich und ab 1963 an der Universität Heidelberg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1996 Professor für reine Mathematik war. 1970 und 1971 war er Dekan der mathematischen Fakultät.
Überblick in viele Bereiche
Der Nußbacher war zu Gastaufenthalten weltweit an Universitäten. Von 1966 bis 1985 war Dold Beirat im Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach. Zudem war er lange Zeit Mitherausgeber der „Lecture Notes in Mathematics“, was ihm einen weiten Überblick über die Entwicklung nahezu aller Bereiche der modernen Mathematik verschaffte. Seit 1965 war Dold mit der holländischen Mathematikhistorikerin Yvonne Dold-Samplonius verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Albrecht Dold starb am 26. September 2011 in seiner Wahlheimat Neckargemünd, seine Frau Yvonne folgte ihm im Juni 2014.
Mathematische Forschung Albrecht Dold beschäftigte sich im Wesentlichen mit Algebraischer Topologie und Homologischer Algebra. Er schrieb ein verbreitetes Lehrbuch der algebraischen Topologie im Springer-Verlag. Er arbeitete unter anderem über die Kobordismentheorie von René Thom. Seine Arbeiten über Fixpunktsätze haben Anwendungen unter anderem in den Wirtschaftswissenschaften. Von ihm stammen der Satz von Dold, der Satz von Dold-Thom und der Satz von Dold-Kan.
Mitherausgeber vieler Werke
Von 1984 bis 1985 war er Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, von 1995 bis 1998 Vizepräsident der International Mathematical Union. Und er war bei zahlreichen mathematischen Werken zumindest als Mitherausgeber verantwortlich. Daneben betreute er einige Doktoranden. Klaus Nagel, der sich mit der Historie Tribergs beschäftigt, zeigte sich tief beeindruckt von dem Mathematikgenie aus dem Dorf.
Einweihung Ehrentafel Patensohn Joachim Kern, seine Ehefrau Christine sowie die Nachbarn Susanne und Rolf Hör konnten bei einer kleinen Feier zur Einweihung der Ehrentafel einige Anekdoten über den Professor, aber auch über dessen Erbe – in der Hauptsache eine von ihm und seiner Frau gegründeten Stiftung – erzählen. Ein Mann von Welt sei er gewesen, der in seinem Herzen immer der fröhliche Bub aus Nußbach geblieben sei und der seine Heimat liebte.
Formeln zieren die Tafel
Buch über Albrecht Dold Edgar Hug, einst selbst Lehrer, hatte aus dem Archiv ein Buch geschrieben, dessen Auflage allerdings überschaubar sei, wie er sagte. Verstanden habe er die von Dold erforschte Mathematik dennoch nicht. Selbst die Grundlage dessen, was auf der Erinnerungstafel dargestellt ist, nämlich der Kirchturm von Nußbach als Teil der algebraischen Topologie mitsamt den dazugehörenden Formeln, sei für „Normalsterbliche“ absolut unverständlich. Diese Bronzetafel ziert nun den Eingang des Hauses Sommerauerstraße 31 in Nußbach.