Franz von Lenbach malte 1900 ein Porträt des alten Hauser. Es gehört dem Landkreis Zollernalb und hängt im Rathaus Burladingen. Foto: Ku_ZAK, Nr. 1067

„Lange Bevor es einen Wolfgang Grupp gab, war er der berühmteste Burladinger und in ganz Deutschland und weit darüber hinaus bekannt“, sagt ein Kenner über den Hofmaler, Restaurator, und Konservator Alois Hauser. Hauser wurde am 17. Februar 1831 in Burladingen geboren.

Die Fehlastadt, vor allem die Sparkasse Burladingen aber auch das Landratsamt des Zollernalbkreises bewahren das Erbe dieses großen Sohnes der Stadt würdevoll. Und obwohl ein Schild an der Burladinger Sparkassenfiliale darauf hinweist, dass hier einst das Geburtshaus von Alois Hauser stand – viele Kunden gehen achtlos daran vorbei oder nehmen es schon nicht mehr wahr. Die wenigsten kennen Hausers Lebensgeschichte und noch viel weniger die wahre Geschichte über die Tragik, die mit seinem Porträt verknüpft ist.

 

Geplant war, dass am 1. September, dem Antikriegstag, der DGB Zollernalb, diesmal Burladingen Themen anstößt und Referate und Workshops organisiert. All das wurde abgesagt, inklusive des Vortrages, der über Alois Hauser und die Geschichte seines Porträts angekündigt und eingeplant war.

Sein Porträt hängt im Rathaus Burladingen

Dieses Porträt hängt jetzt, nach zwei Weltkriegen, einer langen Odyssee und der tragischen Geschichte des jüdischen Sammlers Walter Westfeld im kleinen Sitzungssaal des Burladinger Rathauses. Gemalt hat es kein geringerer als der berühmte Münchner Künstler Franz von Lenbach – ein Zeitgenosse und langjähriger Freund Alois Hausers.

Die Stadt Burladingen, die Sparkasse aber auch das Landratsamt des Zollernalbkreises – der Besitzer des Bildes – tun viel, um Alois Hauser ein würdiges Andenken zu bewahren.

So hat die Fehlastadt nach dem großartigen Restaurator aus dem 19. Jahrhundert eine Straße benannt, die Sparkasse erinnert nicht nur mit einem Schild außen am Gebäude an Alois Hauser, sondern auch mit einer kleinen Dauerausstellung von Fotos im zweiten Stock des Gebäudes. Aus dieser Ausstellung stammen unsere Fotos.

Landkreis: „Es war enteignete Kunst“

Und der Landkreis hat das Gemälde „Portrait Alois Hauser“, um das sich so eine tragische Geschichte rankt, im Jahre 1952 von der Stadt Burladingen erworben. „Nachdem bekannt wurde, dass es sich bei diesem Werk um enteignete Kunst handelt, wurde im Jahre 2014 mit den Erben Westfeld eine gütliche Einigung geschlossen. Diese beinhaltet die Entschädigung der Erben und den Kauf des Werkes durch den Zollernalbkreis. Seither befindet sich das Bild als Dauerleihgabe im Besitz der Stadt Burladingen“, sagt der Landkreis auf Anfrage unserer Redaktion dazu.

Dem berührenden Schicksal des jüdischen Kunstsammlers Walter Westfeld und der Reise des Lenbach-Porträts wird unsere Redaktion einen Fortsetzungsartikel widmen.

Über die Bedeutung von Alois Hauser

Alois Hauser
wurde 1831 in Burladingen, das damals Teil des Fürstentums Hohenzollern-Hechingen war, geboren. Sein Vater war Ofenbauer, oder Hafner, wie man damals sagte. Sein Sohn Alois begann seine Lehre schon mit 14 Jahren beim Dekorationsmaler Kaspar Lieb in Hettingen, führte sie sie sieben Jahre lang, von 1847 bis 1854 bei dem Maler und Restaurator Anton Deschler in Augsburg fort. Dort besuchte er auch die Kunstschule im Polytechnikum, wo er vermutlich Franz von Lenbach kennenlernte.

Viele Förderer gefunden und wertvollste Schätze konserviert
Hausers Talent, sein Sachverstand und sein technisches Können fiel auf. Einige bedeutende Persönlichkeiten seiner Zeit förderten das junge Genie, empfahlen ihn weiter und so führte sein weiterer Weg von Bamberg, über Nürnberg schließlich nach München. Da galt er bereits als einer der gefragtesten Gemälderestauratoren der Gründerzeit. So hat die Alte Pinakothek der bayerischen Landeshauptstadt ihm ihre wertvollsten Gemälde zur Restaurierung anvertraut. Darunter Dürers Triptychon, den Paumgartner-Altar, Rubens’ Jüngstes Gericht und van Dycks Susanna im Bade.

Alois Hausers bekanntester Auftrag dürfte die Restaurierung der Darmstädter Madonna, einem Gemälde von Hans Holbein d.J. gewesen sein. Dieses Bild gehört zu den bedeutendsten Werken der Renaissance und wurde unlängst von dem Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen Reinhold Würth erworben. Anlässlich der fertigen Restaurierung durch Alois Hauser gab es seinerzeit zur Feier des Ergebnisses, sogar eine eigene Ausstellung des Bildes.

Neue Generation von Gemälde-Restauratoren
Hausers Arbeitsweise war revolutionär und grundlegend. Er führte eine neue Generation von Restauratoren an, die sich intensiv mit der Analyse der historischen Maltechniken befassten. Eingriffe in die Bildsubstanz wurden dadurch kalkulierbarer. Und: Hauser gab sein Können und Wissen weiter, bildete in seinem Münchner Atelier auch Nachwuchskräfte aus, die später europaweit Karriere machten.Darunter auch seinen Sohn Alois Hauser jr. (1857–1919), der 1887 Chefrestaurator der Berliner Gemäldegalerie wurde, oder Otto Vermehren, den späteren Direktor der Restaurierungswerkstätten der Uffizien in Florenz. Hauser starb 1909 in München, die Anteilnahme war groß. Der Grabredner war kein geringerer als Franz von Reber, Direktor der Bayerischen Staatssammlungen. Er bezeichnete den großen Sohn der Stadt Burladingen, Alois Hauser, als „nicht bloß der Besten einer, sondern der Beste seines Faches in seiner Zeit“.