Ludwig Kirsner war auch bei der Donaueschinger Fasnet aktiv. Foto: Xenia Messner

Eine Nachfahrin stellt den Fürstlichen Sammlungen Donaueschingen Exponate des Hofapothekers zur Verfügung. Es drehen sich einige Veranstaltungen um Ludwig Kirsner.

Als Nachfahrin der bekannten Donaueschinger Familie Kirsner bleibt Andrea Klaas aus Karlsruhe am Mittwochabend, 25. März, zunächst eine eher unauffällige Besucherin der Vernissage „Pillen und Politik“ in den Fürstliche Fürstenbergischen Sammlungen. Still mischt sie sich unter die zahlreich erschienenen Gäste, betrachtet die Schautafeln und geht zwischen den Porträts umher, die ihre Vorfahren zeigen. Erst als Bürgermeister Severin Graf sie im Verlauf der Eröffnungsreden namentlich anspricht, rückt sie kurz in den Mittelpunkt.

 

Er bedankt sich bei ihr für die Schenkung, zu der unter anderem mehrere historische Familienporträts gehören, die nun erstmals öffentlich gezeigt werden, und überreicht ihr einen Blumenstrauß. Klaas kommentiert dies mit einem Lächeln und sagt, die Bilder seien „zuhause eher selten angeschaut worden“ und sie freue sich, dass sie nun „einen Ort haben, an dem sie mehr wertgeschätzt werden“. Der Moment wird von den Anwesenden mit warmem Applaus aufgenommen.

Donaueschingens Bürgermeister Severin Graf bedankt sich bei Andrea Klaas, einer Nachfahrin der Kirsner-Familie. Foto: Xenia Messner

Zu diesem Zeitpunkt ist der Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss der Fürstlichen Sammlungen gut gefüllt. Die Besucher wollen erfahren, was sich hinter dem Titel „Pillen und Politik. Hofapotheker Ludwig Kirsner (1810–1876) und seine Zeit“ verbirgt, der die Ausstellung ankündigt, die vom 2. April bis 17. Mai zu sehen sein wird. Sie erinnert an die breite Wirkung des Donaueschingers, dessen Name heute vielen möglicherweise nur noch durch die Ludwig-Kirsner-Straße geläufig ist.

Viele tragen zur Schau bei

Schnell wird bei der Rede des Bürgermeisters deutlich, wie viele Beteiligte zur Entstehung der Ausstellung beitrugen: Bürgermeister Severin Graf dankt dem Haus Fürstenberg, dem Fürstlichen Archiv, dem Stadtarchiv, Kulturamtsleiterin Kerstin Rüllke, der Sparkasse Schwarzwald-Baar, der Bürgerstiftung Donaueschingen sowie dem Fürstenberg-Gymnasium, das Räume für das umfangreiche Begleitprogramm zur Verfügung stellt.

Ludwig Kirsner steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen. Foto: Xenia Messner

Es folgt der Vortrag von Jörg Martin, Archivar beim Haus Fürstenberg, der seit Monaten mit der wissenschaftlichen Aufbereitung des Materials befasst ist.

Archivar Martin zeichnet Kirsner Lebensweg nach

Er schildert Kirsners Lebensweg: Nach dem Pharmazie-Studium arbeitet er in der väterlichen Hofapotheke, übernimmt diese und etabliert sich als erfolgreicher Geschäftsmann. Politisch engagiert er sich als Vorsitzender des „Vaterländischen Vereins“ Donaueschingen, wird in den 1850er Jahren Bürgermeister und später Präsident der Zweiten Kammer des Badischen Landtags, zuständig für Finanz- und Steuerpolitik.

Einige Jahre wirkt er zudem als Abgeordneter im Reichstag für die Nationalliberale Partei, muss das Mandat jedoch aufgrund einer schweren Erkrankung aufgeben. Martin beschreibt Kirsner als ausgesprochen liberale, weltoffene Persönlichkeit, die Politik, Pharmazie, kulturelles Engagement und wirtschaftliche Weitsicht miteinander verband.

„Einigkeit macht stark“

Sein Leitspruch „Einigkeit macht stark“ prägte nach Ansicht Martins viele seiner Entscheidungen. Die Gäste hören aufmerksam zu; manche tuscheln staunend, als er die Breite seiner Tätigkeiten beleuchtet und die enge Verknüpfung zwischen Kirsners Beruf, der Stadtentwicklung und der politischen Modernisierung im 19. Jahrhundert erklärt.

Kulturell ist Kirsner ebenso aktiv: Er schreibt Theaterstücke für die ’Eschinger Fastnacht, spielt im Hoftheater, gründet den Gewerbeverein und setzt sich für den Bau der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz über Villingen und Donaueschingen ein. Unter den Gästen befinden sich auch Vertreter des Fürstenberg-Gymnasiums, an dem Kirsner einst Schüler war.

Einst Schüler am Fürstenberg-Gymnasium

Schulleiter Mario Mosbacher sagt im Anschluss: „Es ist spannend zu sehen, wie vielschichtig dieser Mann war und wie umfangreich sein Nachlass ist. Wir haben heute viel über einen unserer ehemaligen Schüler gelernt.“ Dagmar Potschka aus Donaueschingen zeigt sich begeistert: „Dr. Martin hat das so eindrucksvoll und lebendig erzählt, dass man ein echtes Gefühl für diese Persönlichkeit bekommt.“

Als sich die Räume nach und nach leeren, bleibt der Eindruck eines gelungenen Auftakts und eines Abends, der weit mehr war als eine reine Ausstellungseröffnung – ein Wiederentdecken eines Mannes, der Donaueschingen mitgestaltet hat und dessen Geschichte nun neu erzählt wird.

Weitere Veranstaltungen

Vorträge und Führungen
Am Donnerstag, 9. April findet um 19 Uhr im Fürstenberg-Gymnasium ein Vortrag von Volkhard Huth zum Thema „Freisinnig und gerecht?“ zur frühen politischen Karriere Ludwig Kirsners statt. Am Sonntag, 3. Mai, um 15 Uhr, folgt in der Musikschule Donaueschingen der Vortrag „Ludwig Kirsner und Johann Wenzel Kalliwoda“. Am 17. Mai um 14 Uhr lädt Martin Schorpp zu einem Rundgang „Auf den Spuren Ludwig Kirsners“ ein (Treffpunkt: Hanselbrunnen), um 16 Uhr schließt sich eine Führung mit Jörg Martin an.