Vor genau 225 Jahren, am 29. März 1797, entschied der Herzog von Württemberg, dem Wunsch der Teilhaber, die Calwer Zeughandlungs-Compagnie (CC) aufzulösen, zu folgen. Damit endete nach 147-jährigem Bestehen die weltberühmte "Calwer Compagnie", ein Aushängeschild im altwürttembergischen Gewerbeleben.
Calw - Im September 1650 kam es nach langen Verhandlungen zwischen Zeugmachern, Färbern, Händlern und der herzoglichen Regierung in Stuttgart zu einem Vergleich. Damit endete ein seit Jahrzehnten schwelender Konflikt. Die Färber und Händler versuchten in Calw zusammenzuarbeiten und die Zeugmacher nur zu Lieferanten der Wollstoffe (Rohware) zu machen und ihnen so die Möglichkeit zu eigenem Handel zu nehmen. Eine klare Regelung war also von Nöten. Durch den Vergleich bekam die Compagnie das alleinige Recht des Färbens der Stoffe, der Bearbeitung und des Vertriebs. Gleichzeitig war sie verpflichtet, den Zeugmachern ihre gesamte Ware abzukaufen, was diesen auch das Einkommen in schlechten Zeiten sicherte.
Amt übernehmen
Schon einen Monat vorher hatten sich 29 Färber und Händler zur Calwer Zeughandlungs-Compagnie zusammengeschlossen, sie entstammten nur 14 Familien. Es kamen keine anderen Familien hinzu, manche verließen mit der Zeit die Compagnie oder starben in der männlichen Linie aus. Nur um den Namen "Vischer" wurde die Liste der Gründerfamilien noch erweitert. Fast ausschließlich heiratete man innerhalb dieser Familien. Jeder Teilhaber musste in der Gesellschaft tätig sein und ein Amt übernehmen.
Einen besonderen Stellenwert nahm die Ausbildung des Nachwuchses ein. Die Compagnie handelte mit sogenannten Zeugen, also feinen und leichten Wollstoffen. Die Geschäfte liefen teilweise so gut, dass bis zu 6000 Heimarbeiter (Spinnerinnen und Weber) für die Compagnie tätig waren. Die Calwer Handelsherren machten dabei große Gewinne. Mit 429 200 Gulden erzielten sie im Geschäftsjahr 1761/62 den höchsten Umsatz in der Unternehmensgeschichte. Jeder Teilhaber verdiente manchmal jährlich den Gegenwert eines Hauses. Die Compagnie unterstützte zudem die württembergischen Herzöge in Zeiten knapper Kassen finanziell, wofür sie mit vielen Privilegien belohnt wurde.
Streitig gemacht
Sie war auf Messen in ganz Europa und auf regionalen Märkten vertreten, wobei Bozen der wichtigste Handelsplatz war. Schon um 1700 jedoch wurde der Compagnie ihr Spitzenplatz bei den Absatzmärkten streitig gemacht. Die Produkte aus den Niederlanden und Frankreich waren qualitativ bestens und auch in Deutschland schlief die Konkurrenz nicht. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die Geschäfte immer mehr rückläufig. Die Mode hatte sich verändert. Leichte Baumwolle verdrängte die Wollstoffe und das Fabriksystem setzte sich gegen das traditionellen Herstellungsverfahren der Calwer immer mehr durch.
Hinzu kamen noch andere Gründe, so dass sich die Compagnie-Verwandten genötigt sahen, im Sommer 1896 beim Herzog die Auflösung der Moderation zu beantragen. Diesem Ansinnen kam der Herzog nach langen Verhandlungen am 29. März 1797 nach. Der Beschluss wurde am 5. Mai 1797 offiziell verkündet. Von den ehemaligen Gebäuden der Zeughandlungs-Compagnie sind in Calw nur noch das frühere Kaufhaus (später Andreähaus und heute Teil des Bekleidungsgeschäftes Madison) in der Lederstraße und ein ehemaliges Schwarzfärberhaus an der Nagold, Beim Weinsteig 3, noch vorhanden. Einzelne Compagnie-Verwandte beteiligten sich in der besagten Zeit noch an anderen Unternehmungen wie im Bereich des Bergbaus im mittleren Schwarzwald, der Kobald-Farbmühle in Wittichen, dem Bankhaus Doertenbach in Stuttgart, der Glasverhüttung im Murgtal, der Porzellanmanufaktur und der Holzhandelscompagnie, beide in Calw.
Die Tradition der Textilherstellung blieb Calw jedoch trotzdem noch bis ins 20. Jahrhundert lebendig – in der Calwer Deckenfabrik.