Bernd Tacke hat bereits zahlreiche Reisedokus gedreht. Das neue Werk des Lahrers über die Masuren hat an diesem Samstag bei Kultur im Koffer in Hugsweier Premiere.
Als Bernd Tacke noch Realschullehrer in Ichenheim war, lud er einmal Philipp Brucker ein, vor seinen Schülern eine Lesung zu halten. Das war im Sommer 1994, Anlass war eine Projektwoche von Tackes Klasse zum Thema „Alemannen“. Der beliebte Alt-OB und Mundartdichter sagte zu und trug den Schülern dann Auszüge seiner Texte vor. „Er konnte sehr gut mit den Jugendlichen umgehen“, erinnert sich Tacke an diesen Tag.
Das Besondere daran ist, dass dieser Auftritt seither von zahlreichen Menschen gesehen und gehört worden ist – denn Tacke baute damals im Klassenzimmer ein Stativ auf und filmte mit einer Kamera im S-VHS-Format. Für heutige Sehgewohnheiten ist es ein arg grieseliges Bild, noch dazu in schwarzweiß.
Gleichwohl ist es die einzige Filmdoku einer Autorenlesung Bruckers, die seither immer wieder öffentlich gezeigt worden ist. Das macht den 47 Minuten langen Streifen zu einem zeithistorischen Dokument, denn so können sich auch spätere Generationen ein Bild von Bruckers sympathischer, verschmitzten Art machen, seiner Gabe, Menschen zu unterhalten.
Mit einer Lesung von Philipp Brucker fing es an
Allerdings ist die Aufnahme auch für Tacke ganz persönlich von großer Bedeutung – denn sie markiert den Anfang seiner großen Leidenschaft fürs Filmen. Er legte sich später eine High-8-Videokamera zu, damals der Standard für ambitionierte Heimvideos. Der gebürtige Mietersheimer nahm damit jedoch nicht Privates auf, sondern drehte richtige Filme. So entstanden profimäßig wirkende Dokumentationen ungewöhnlicher Reisen oder Erlebnisse, die Tacke regelmäßig im Raum Lahr, Offenburg und Kehl öffentlich vorführt, bei Volkshochschulen oder anderen Veranstaltern.
Es ist ein Hobby, dem der 77-Jährige bis heute treu geblieben ist, wobei er natürlich längst auf dem neuesten Stand der Technik in HD dreht. Seinen neuen Film über Masuren, die Wald- und Seenlandschaft in der früheren deutschen Provinz Ostpreußen, zeigt er am Samstag zum ersten mal (siehe Info-Box).
Bei einem Besuch in der Redaktion der Lahrer Zeitung hat Tacke über seine Liebe für das Filmen gesprochen. Er kam mit einem Aktenkoffer voller DVDs – eine Auswahl seiner insgesamt 15 Filmdokus. Darunter natürlich sein Erstlingswerk über die Brucker-Lesung, aber etwa auch eine Doku über eine Fahrt mit der Postkutsche von Leipzig nach Dresden, der Tacke den Titel „Die Entdeckung der Langsamkeit“ gegeben hat.
Auch aufs Wasser hat er sich begeben und Filme über eine Flusskreuzfahrt auf der Donau oder über eine Reise mit dem Postschiff Hurtigruten durch die norwegischen Fjorde gedreht. Dabei zeigt er nicht nur besonders schöne Städte oder Landschaften, sondern stellt auch die Menschen vor, die darin leben.
Beim Gespräch in der LZ-Redaktion zeigt sich, dass Tacke ein Experte seines Metiers ist, er kann über optimale Bildkompositionen und Kameraschwenks philosophieren wie ein Profi. Das kommt nicht von ungefähr, denn er war nicht nur Realschullehrer in Ichenheim, Lahr und Seelbach, sondern von 1994 bis Ende Juli 2012 auch Leiter des Kreismedienzentrums Lahr. Die inzwischen geschlossene Einrichtung in der Tramplerstraße verlieh audiovisuelle Medien und Geräte für Schulen, Bildungseinrichtungen und Vereine. In seiner Zeit dort gab Tacke auch Filmkurse für Schüler und Erwachsene.
Das Bewegtbild sei das beste Medium, um Erlebnisse festzuhalten, betont der Lahrer. „Beim Filmen nehme ich alles viel intensiver wahr“, erklärt er er. Denn die Suche nach der besten Kameraeinstellung bewirke, dass er sich besonders konzentriert – „ohne das würden die Erinnerungen versacken“, ist er überzeugt
Der größte Teil der Arbeit wartet zuhause auf ihn
Er hat aber auch eine Freude daran, wie seine Filme auf andere Menschen wirken, gibt Tacke zu. Denn wenn seine Dokus gezeigt werden, nimmt er in den Zuschauerreihen Platz und erlebt die Reaktionen des Publikums somit direkt mit.
Bei seinem Besuch in der Redaktion schwärmt er außerdem vom Filmerglück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und so einmalige Aufnahmen machen zu können. So habe er zum Beispiel in Namibia die Antilopenjagd eines Löwensrudels vom Anfang bis zum (für das Beutetier) bitteren Ende drehen können.
Kommt er mit solchem Material nach Hause, beginnt für ihn erst die eigentliche Arbeit. Denn Tacke schneidet und vertont seine Filme selbst – er sucht die passende Hintergrundmusik aus und spricht die Texte ein. Bevor die fertig sind, muss er freilich gründlich recherchieren, schließlich will er seinem Publikum interessante Fakten nennen. „Die Vertonung ist der aufwendigste Teil im Produktionsprozess“, bestätigt Tacke, der zu guter Letzt auch die Menüs für die DVD-Versionen seiner Filme selbst kreiert.
Er sei seiner Frau dankbar, dass sie ihn bei seinem Hobby unterstützt, betont Tacke, für den das Filmemachen ein sehr wichtiger Teil seines Lebens ist. Gleichwohl weiß er, dass er nicht ewig weitermachen kann. „Ich spüre das Alter“, erklärt der Pensionär. Denn wenn er bei seinen Reisen auf Motivsuche ist, trägt er einen Rucksack voller Filmequipment mit sich – und das falle ihm dann doch zunehmend schwerer. Fest eingeplant ist in diesem Jahr aber ein Trip nach Costa Rica, bei dem seine Kamera natürlich mitkommen wird.
Und dann träumt Tacke noch von einer weiteren Exkursion in Afrika, das einen besonders tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen hat – im Okavangodelta im Norden von Botswana, das einen üppigen Lebensraum für Tiere bietet, will er auf Filmsafari gehen, sofern seine Kraft es zulässt.
Die Filmpremiere
Der neue Film von Bernd Tacke führt die Zuschauer in die Masuren, die Wald- und Seenlandschaft in der früheren deutschen Provinz Ostpreußen im Nordosten Polens. Ausgehend von Mikolajki im masurischen Landschaftspark, stellt Tacke die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft vor, die von mehr als 3000 Seen, kleinen Flüssen und Kanälen, Wäldern und Hügeln geprägt ist. Kleine masurische Dörfer, größere Städte, historische Orte und Sehenswürdigkeiten sind weitere Inhalte des Films.
Er wird am Samstag, 28. Februar, ab 20 Uhr beim „Koffer“ im Gemeindesaal der evangelischen Kirche Hugsweier auf Großleinwand gezeigt. Weitere Informationen und Tickets gibt es unter www.koffer-lahr.de.