Jährlich kommen 1800 Lungenerkrankte nach Königsfeld in die MediClin Albert-Schweitzer-Klinik. Jener, der das Haus prägte, geht in den Ruhestand: Chefarzt Bernd Mössinger.
Als 2014 der Chefarzt der Pneumologie, Rolf Heitmann, in den Ruhestand ging, konnte dieser die Führung getrost dem bereits seit 14 Jahren an der Klinik tätigen Oberarzt Bernd Mössinger überlassen.
Nun, nach vielen Jahren verlässlicher Führung scheint sich eine solche Übergabe zu wiederholen. Bernd Mössinger geht in den Ruhestand und kann die Klinik in bekannte Hände übergeben. Seit 2018 ist Lacramioara Ilie Oberärztin in Königsfeld. Sieben Jahre ging sie gemeinsam mit Mössinger und den rund 185 Mitarbeitern der Albert-Schweitzer-Klinik einen spannenden Weg zwischen wissenschaftlich fundierter medizinischer Rehabilitation und innovativer Ausrichtung, teilt die Klinik mit.
Noch immer leiden die meisten Hilfesuchenden der Klinik unter Asthma, COPD und Lungentumoren. Die Behandlung anderer Lungenerkrankungen kam jedoch hinzu: Im Zentrum dieser stand hierbei neben Mukoviszidose und Covid-19 die noch immer wissenschaftlich nicht genau verstandene postvirale Erkrankung Long-/ Post-Covid.
Gebäudetrakt wegen Corona umgeformt
Als zu Beginn der Corona-Pandemie das Kreisklinikum vor Patienten zu platzen drohte, war die Königsfelder Klinik bereit, frisch von der Intensivstation entlassene Patienten aufzunehmen. Ein ganzer Gebäudetrakt wurde hierzu umgeformt und mit Schleusen versehen, so dass die hochinfektiösen Patienten behandelt werden konnten.
Später widmete sich die Klinik eigenen Angaben zufolge als eine der ersten bundesweit dem Krankheitsbild Post-Covid. Die dort entwickelten Hilfemaßnahmen sprachen sich herum: Bundesweit kamen seither rund 2500 Patienten mit dieser Erkrankung in die Klinik.
Im wissenschaftlichen Austausch
Bernd Mössinger stand immer wieder im wissenschaftlichen Austausch mit ärztlichen Kollegen zur bestmöglichen Anpassung der Therapien. Er, wie auch seine Nachfolgerin waren zu Beginn ihrer ärztlichen Karriere in Akutkliniken tätig. Beiden ging es ähnlich: „In solchen Kliniken mögen spannendere medizinische Fälle auftauchen und die zeitliche Herausforderung eine ganz andere sein, dafür kann die Rehabilitation einen ganzheitlicheren Ansatz verfolgen und dem einzelnen Patienten mehr Zeit widmen“, so Mössinger. „Wir können viel mehr auch psychologische und sozial-medizinische Aspekte in den Blick nehmen“.
In der Rehabilitation lasse sich ein distanzierter, weiterer Blick als in der hektischen Akutmedizin auf das Krankheitsgeschehen der Patienten werfen. Der umfassendere Ansatz muss zwangsläufig auch das Personal beinhalten.
Auch der Chef muss teamfähig sein
Immer wieder betont Mössinger im Gespräch, dass der Erfolg der Klinik nicht der einiger weniger, sondern der gesamten Mitarbeiterschaft sei und nimmt sich selbst dabei zurück – „auch der Chef muss teamfähig sein.“
Dass auch Sie dies als künftige Chefin kann, hat Lacramioara Ilie längst bewiesen, teilt die Klinik mit. Geboren 1967 in Rumänien studierte sie in Bukarest Medizin und erlangte später den Status der Lungenfachärztin. Ihrem Mann folgte sie nach Deutschland und war elf Jahre lang in Bad Berka (Landkreis Weimarer Land in Thüringen) an einer Akutklinik für Pneumologie tätig, darunter sieben Jahre lang ebenfalls als Oberärztin. „Dann wollte ich allerdings raus aus der Akutmedizin“, so Ilie, „das Liebste wäre mir die Rehamedizin gewesen.“
Klinik-Hospitation in Königsfeld
Verschiedene Möglichkeiten taten sich für die erfahrene Ärztin auf. Eine Klinik-Hospitation in Königsfeld entschied das Rennen für den Schwarzwald. Bereut hat sie es bislang nie. Die künftige Chefärztin fühlt sich im Schwarzwald wohl. Gemeinsam mit ihrem Mann, Hund Lupu und Kater Dixi wohnt sie in Schonach und pendelt täglich von dort nach Königsfeld. Der 16-jährige Sohn absolviert gerade ein Auslandsjahr in einem irländischen College.
Welche Herausforderungen sind für die nähere Zukunft absehbar? Die Klinik muss sich immer weiterentwickeln und sich gesundheitlichen wie auch gesellschaftlichen Trends anpassen. Einer davon stellt das derzeit diskutierte höhere Eintrittsalter in die Rente dar. Ältere, multimorbide Patienten werden noch öfter eine Rehabilitation absolvieren. Auch die Digitalisierung in Dokumentation, Diagnostik (beispielsweise durch KI gestützte Auswertung von Röntgenbildern) und vielleicht sogar Therapie zeichnet sich ab.
Weiterhin für die Klinik als Gutachter tätig
Wie fühlt sich die Rente als Zukunft an? „Sehr gut“, lacht Mössinger, „ich werde vieles tun, aber ich muss nicht“. Weiterhin will er für die Klinik als Gutachter tätig sein. Über die 25 Jahre hinweg habe er viele Freunde in der Umgebung kennengelernt und freue sich darauf, die Beziehungen zu intensivieren. Und dann wäre da noch am Wohnsitz in Neuhausen das geliebte Herumschrauben am Elektro-Campingbus und: „Endlich mal wieder in Ruhe Gitarre spielen.“