Die Landtagswahl ist beendet. Das persönliche Fazit des Autors dieser Glosse: Wer in Nagold Wahlen analysiert, braucht starke Nerven – und weniger Kaffee.
Mitunter tendieren Journalisten ja zu einer martialischen Sprache. Zum Beispiel bei Wahlen. Da geht es ganz schön kriegerisch zu. Vom Wahlkampf ist da die Rede. Oder noch besser: Von der Wahlschlacht.
Streng genommen ist das völlig übertrieben. Wahlschlacht, was für ein Humbug! Obwohl, bei genauer Betrachtung meines Schreibtischs nach der Wahlberichterstattung sind da schon gewisse Assoziationen möglich.
Nach Stunden der Wahlanalyse erinnert das alles rund um meinen Bildschirm durchaus an ein Schlachtfeld. Zahlen über Zahlen türmen sich da. Ausgedruckte Grafiken, alte Zeitungsberichte, Ordner, Zettel.
„Warum müssen für deine Wahlanalyse Bäume sterben?“
Wenn es um die Analyse von Wahlen geht, bin ich leider ziemlich altmodisch. Viel zu viel wird da noch ausgedruckt. Nein, bei weitem nicht alles. Doch die eine oder andere Tabelle brauche ich einfach vor meinen Augen auf dem Tisch liegend, um erfolgreich die Hochburgen der Parteien in den Nagolder Wahlbezirken aufzuspüren.
Das ist eine schlechte Angewohnheit von mir, ich weiß. Manche Kollegen schütteln nur mitleidig den Kopf. Und ihre Blicke klagen an: „Wozu ausdrucken, ist doch alles digital vorhanden? Warum müssen für deine Wahlanalyse Bäume sterben?“
„Jaja, frotzelt ihr nur“, denke ich mir dann. Aber auf einem Bildschirmseite lassen sich halt verdammt schlecht mit dem Textmarker Zahlen markieren.
Der Körper schreit nach Aufmerksamkeit: „Gib mir endlich Koffein!“
Da wir jetzt schon beim Beichten schlechter Angewohnheiten sind: Wenn es um Wahlen geht, habe ich noch eine weitere Macke. Mein Kaffeekonsum ist viel zu hoch. Und das bis in die späten Abendstunden hinein. Gesund ist das nicht. Aber spätestens nach der gefühlt 187. Wahltabelle, die es auszuwerten gilt, schreit mein Körper nach Aufmerksamkeit: „Gib mir endlich Koffein!“
Als erfahrener Journalist weiß ich, diese Stimme zu überhören, ist zwecklos, also ziehe ich lieber gleich in Richtung Kaffeemaschine davon – um danach Geist und Körper den wohlverdienten Koffeinkick zu verpassen.
Erst der Kaffee auf dem Tisch vollendet das Schlachtfeld
Das führt mich jetzt wieder zum Ausgangspunkt dieser Kolumne. Sie wissen schon, die Wahlschlacht. Denn erst der Kaffee auf dem Tisch vollendete das Schlachtfeld vor mir. Und das leider im wahrsten Sinn des Wortes.
Denn vor lauter Schusseligkeit griffen bis dato mir unbekannte Kräfte aktiv in die Wahlschlacht ein und ließen meine rechte Rückhand kräftig gegen die Kaffeetasse krachen. Wutsch, da war das Schlachtengemälde perfekt: Der Kaffee ergoss sich über den halben Schreibtisch und begrub alles unter sich: Zahlen, Daten, Grafiken, Notizzettel, Kalender, Stifte, ja sogar Tastatur und Maus. Und in mir begann es furchtbar zu brodeln, als wäre ich eine Kaffeemaschine.
Ein mit Kaffee durchtränkter Schreibtisch
Aber nur kurz! Es ist ja nicht meine erste Wahl, die ich als Redakteur erlebe. Und wenn ich eins an hektischen Wahlabenden gelernt habe, dann ist es, ruhig zu bleiben, komme, was wolle. Eins nach dem anderen gilt es an so einem Abend abzuarbeiten. Und selbst wenn es ein mit Kaffee durchtränkter Schreibtisch ist.
Also schaffte ich flugs Ordnung. Was weg konnte, wanderte bereits in den Mülleimer, anderes legte ich sorgfältig zum Trocknen auf die Seite. Maus, Tastatur, Locher und Tacker konnten mit klarem Wasser und Zewa-Tüchern notversorgt werden. Und ganz zum Schluss wischte ich auch noch die Schreibtischplatte und den Boden zu meinen Füßen mehrfach und intensiv auf, natürlich feucht und mit Spüli. Nicht, dass mir die Landtagswahl 2026 als klebrige Angelegenheit in Erinnerung bleibt.
Wischeinsatz zur Wahl
Und dann, nach zehnminütiger Putzattacke auf dem einstigen Schlachtfeld vor mir, ging es auch schon wieder frisch ans Werk – mit aufgeräumtem Schreibtisch.
Auch der Geist war da übrigens schon wieder hellwach. Und das, ohne auch nur einen einzigen Schluck Kaffee getrunken zu haben.
Es bleibt also dabei: Ein Kaffee in den Abendstunden einer Wahl, das ist ein echter Muntermacher – ob nun geputzt oder verputzt! Der Wischeinsatz zur Wahl jedenfalls sorgte bei mir für einen Koffeinkick, wie ihn der stärkste Espresso nicht hätte auslösen können.