Von drei Modellkommunen, Haigerloch, Burladingen und Trochtelfingen schneidet die Fehlastadt in Sachen Leerstand von Wohnraum am schlechtesten ab. Der Gemeinderat hörte dazu einen Bericht.
„Schaffe, schaffe, Häusle baue“, heißt es über die umtriebigen Schwaben und ihr höchstes Glück. Jetzt stoßen derlei Bestrebungen auf die Endlichkeit einer wichtigen Ressource: Flächen für Baugrundstücke.
Denn dem Flächenverbrauch will das Land entgegen wirken und hat zusammen mit dem Regionalverband Neckar-Alb und den Städten Burladingen, Haigerloch und Trochtelfingen ein Projekt mit dem zugegebenermaßen sperrigen Namen „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung: Mobilisierung und Qualifizierung von Flächenpotentialen in Innenstädten und Ortsmitten der Region Neckar-Alb“ aus der Taufe gehoben. Das Modellprojekt wurde durch das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg im Rahmen des Förderprogramms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ gefördert.
Ein großes Lob ging an die Ortsvorsteher
Im Januar 2024 wurde mit der Erfassung begonnen, und Marleen Von Au vom beauftragten Büro ProRaum Consult gab dem Gemeinderat der Stadt Burladingen jetzt erste Ergebnisse bekannt. Dabei lobte sie vor allem die Ortsvorsteher der Fehlastadt. Denn die hätten durch ihre genaue Kenntnis über Häuser und ihre Bewohner in jedem einzelnen Teilort maßgeblich dazu beigetragen, den Leerstand überhaupt korrekt zu erfassen.
Die drei Modellkommunen haben alle gleiche Probleme: Da ist zum einen der demografische Wandel, die wirtschaftlichen Veränderungen und die Abwanderung, was wiederum zunehmenden Leerstand zur Folge hat.
Elf Prozent Leerstand in Burladingen
Von Au erläuterte den Kommunalpolitikern zunächst die Vorgehensweise: Die Innenstadt und die Ortskerne wurden nach einheitlichen Kriterien abgegrenzt und untersucht. In den Schwerpunkträumen wurden danach Begehungen mit Vertretern der Stadt- und Ortschaftsverwaltungen durchgeführt und dann Ende November 2024 das Projekt abgeschlossen.
Die drei Modellkommunen bekamen einen Leitfaden mit den Ergebnissen an die Hand. Erste Gespräche und Beratungen mit Hauseigentümern gab es ebenfalls. Die Zahlen aber, die sind für Burladingen nicht gerade rosig. Denn unter den drei Modellkommunen schaffte es Burladingen – was den Leerstand angeht – auf Platz eins. Insgesamt erfasste das Büro 260 Leerstände in der Fehlastadt, 214 Gebäude stehen komplett, 46 teilweise leer. Das entspricht 11,6 Prozent des Wohnraumes. Die Nachbarstädte bringen es gerade mal auf drei bis vier Prozent. Das liege zum Teil an der großen Renovierungsbedürftigkeit der Gebäude aber auch an deren Lage. Nicht wenige von ihnen – und das wissen die Burladinger – liegen an lauten, viel befahrenen Durchgangsstraßen, die noch lange nicht verkehrsberuhigt sind oder wo ein Lärmaktionsplan auf sich warten lässt. Das macht die leerstehenden Wohnungen wenig attraktiv. Vor allem nicht für junge Familien mit Kindern.
Zu Gute halten musste Marleen Von Au den Stadtvätern und -müttern, dass bereits erste Gegenmaßnahmen in Angriff genommen worden sind. Der Abriss der alten Fabrik in der Josengasse auf dem dann Wohnraum entstehen soll nannte Bürgermeister Davide Licht als eine der Maßnahmen, eine weitere seien die Planungen auf dem Inter-Jersey-Areal an der Fehla.
Von Au regte an, mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen und sie auf Fördertöpfe und Zuschüsse hinzuweisen, sollten sie die Sanierung ihrer alten Gebäude in Angriff nehmen wollen. Diese – wie sie es nennt – „Eigentümeransprachen“ gelte es fort zu setzen. In der ersten Ortsvorsteherrunde in diesem Jahr wird das Thema ebenfalls auf der Agenda stehen.