Dunkle Wolken ziehen über ein Feld mit jungen Pflanzen. Die Böden sind durch Wassermangel und Hitze – wie hier im April 2020 auf einem Feld in Filderstadt – aufgrund von Trockenheit mit Rissen durchzogen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Unter dem Klimawandel leiden vor allem die ärmeren Länder. Doch auch den Industriestaaten droht großes Ungemach, wenn die Erderwärmung nicht begrenzt wird. Der Weltklimarat prognostiziert in seinem Bericht die Ausbreitung von Hunger, Krankheiten und ein höheres Sterberisiko.

Washington - Dutzende Millionen Menschen mehr werden aufgrund des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten unter Hunger, Dürre und Krankheiten leiden: Dieses Szenario skizziert ein Berichtsentwurf des Weltklimarates IPCC (The Intergovernmental Panel on Climate Change).

Auf 4000 Seiten zeigen die mehr als 700 Autoren unter anderem auf, wie sich die Erderwärmung auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Politische Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, können diese Folgen abmildern, viele sind laut dem UN-Bericht jedoch bereits unvermeidbar.

Hunger

Durch die steigenden Temperaturen nimmt der Nährstoffgehalt der Nutzpflanzen dem Berichtsentwurf zufolge ab. Der Proteingehalt von Reis, Weizen, Gerste und Kartoffeln werde voraussichtlich um 6,4 bis 14,1 Prozent sinken, wodurch fast 150 Millionen Menschen zusätzlich unter Proteinmangel leiden könnten. Auch wichtige Mikronährstoffe, die vielen Menschen auf der Südhalbkugel ohnehin bereits fehlen, werden weniger.

Da extreme Wetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen, steigt laut IPCC die Gefahr, dass die Ernten in mehreren Kornkammern der Welt gleichzeitig ausfallen. Die Autoren rechnen mit einem Anstieg der Lebensmittelpreise bis zur Mitte des Jahrhunderts um fast ein Drittel, wodurch weiteren 183 Millionen ärmeren Menschen Hunger drohe.

Für Asien und Afrika prognostiziert der Berichtsentwurf eine Zunahme der Zahl der unterernährten Kinder bis zum Jahr 2050 um zehn Millionen – mit langfristigen gesundheitlichen Folgen.

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Trinkwasser

Etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung leidet bereits jetzt unter einer unsicheren Wasserversorgung. Der IPCC legt dar, welche Auswirkungen der Wassermangel in Zukunft haben könnte. Die Berichtsautoren halten es für wahrscheinlich, dass deswegen zwischen 30 und 140 Millionen Menschen in Afrika, Südostasien und Lateinamerika bis 2050 zu Binnenvertriebenen werden könnten.

Bis zu drei Viertel der Grundwasservorräte – die Hauptquelle für Trinkwasser für 2,5 Milliarden Menschen – könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts versiegen. Das rasche Abschmelzen der Gebirgsgletscher hat bereits „den Wasserkreislauf stark beeinträchtigt“, was „Spannungen um Wasserressourcen schaffen oder verschärfen könnte“, heißt es in der Zusammenfassung des Berichtsentwurfs.

„Wassermangel ist eines der Probleme, mit denen unsere Generation sehr bald konfrontiert sein wird“, sagt Maria Neira von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Es wird massive Vertreibungen geben, massive Migration, und wir müssen all das als ein globales Problem behandeln.“

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Krankheiten

Mit der Erderwärmung breiten sich Mücken und andere Arten aus, die Krankheiten übertragen. Die Hälfte der Weltbevölkerung könnte bis Mitte des Jahrhunderts Krankheiten wie dem Dengue- und Gelbfieber sowie dem Zika-Virus ausgesetzt sein, warnt der Bericht. Die Gefahr von Malaria und Borreliose werde zunehmen, außerdem würden klimabedingt mehr Kinder an Durchfallerkrankungen sterben.

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Auch Krankheiten, die mit schlechter Luftqualität und Ozonbelastung zusammenhängen, werden laut IPCC erheblich zunehmen. Sein Berichtsentwurf weist zudem auf „ein erhöhtes Risiko der Verunreinigung von Lebensmitteln und Wasser durch Gifte im Meer“ hin.

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