Einen gelungenen Start legte die 17. Auflage des Bergstadtsommers hin: Mit dem Programm-Mix beim Auftaktkonzert in der Stadthalle trafen die Macher des Musikfestivals den Publikumsgeschmack total.
Beste Organisation, Energie, Einfallsreichtum, Durchhaltevermögen auch in schwierigen Zeiten sowie eine große Schar an Helfern und Sponsoren waren die Garantie für die unglaubliche Erfolgsserie. Thomas Wagner von der Bürgerstiftung begrüßte die Gäste und wies auf die Unterstützung für den Bergstadtsommer seit 2011 hin.
Die musikalische Verwirklichung des Mottos „Wassermusik“ erfolgte durch herausragende Profis: der Flötist Pirmin Grehl, die Violinistinnen Gesa Jenne-Dönneweg und Lilian Heere, die Bratschistin Ingrid Philippi, die beiden Cellisten Guillaume Artus und Karsten Dönneweg, Josef Semeleder (Kontrabass), Dirk Altmann (Klarinette), Hanno Dönneweg (Fagott), Hsiao-Yen Chen (Klavier) und Bernhard Fackelmann (Cembalo) – zusammen sind sie die „Solisti di Montagne St. Georgen“.
Hanno Dönneweg war erfreut über den großen Zuspruch des Publikums für die Auftaktveranstaltung. Er war nicht nur charmanter Moderator, sondern tat sich als Arrangeur von Smetanas „Moldau“ hervor.
Hier musizieren ausgezeichnete Profis
Das Thema „Wassermusik“ wurde zu Beginn wörtlich mit Händels bekannten Werk umgesetzt. Legendär war die Erstaufführung zur Lustfahrt des Hannoveraners King George I. im Juli 1717. Und in der Tat sprechen noch immer Abwechslungsreichtum, Eleganz, prachtvolle barocke Ausstrahlung und Melodienreichtum an. Die intensive Interpretation bewies: Hier musizieren ausgezeichnete Profis.
Es folgte die erste Überraschung: der Auftritt der Primaballerina Agnes Su. In schlichtem, blau schimmernden Kleid ließ sie eine Choreographie entstehen, die sich an den Tönen von Vivaldis B-Dur-Sonate orientierte.
Grazile Interpretation des „Schwans“
Ihre grazilen Bewegungen gingen vor allem im „Schwan“ von Camille Saint-Saens auf. Klassisch, mit weißem Tutu bekleidet, legte sie eine perfekt durchdachte Performance hin. Kein Opernhaus kann eine derartige Nähe zur Künstlerin bieten wie die hiesige Bühne. Die Musiker begleiteten einfühlsam, und vornehmlich Solo-Cellist Guillaume Artus zeichnete sich durch sensibles Empfinden aus.
Einen weiteren Auftritt der Tänzerin gab es bei der Zugabe, dem „Second Waltz“ von Dimitri Schostakowitsch, der heiter durch das Musikensemble wiedergegeben wurde, getoppt durch den Solo-Beitrag von Kontrabassist Josef Semeleder, der noch eine akrobatische Tanzeinlage bis hin zum Breakdance-Finale bot.
Von Ravel bis zur Moderne
Dem fiktiven Wassererlebnis verschrieb sich die Pianistin Hsiao-Yen Cen. Sie verstand es, Bilder vor dem „geistigen Ohr“ entstehen zu lassen, so bei den „Reflets dans l’eau“ von Claude Debussy, in dem sie virtuos das Spiel von Licht und Wasser entwarf. Etwas entfernt von natürlichen Vorgängen war das „Jeux d’eau“ von Ravel, der einen Flussgott mit vielen Trillern, Glissandi und großem Klangspektrum lächeln ließ.
Arpeggien bestimmten „Une barque sur l’océan“, um impressionistisch Wassertropfen, Wellen und geballte Klänge zu entfalten. In die Moderne führte das kurze Werk „Wasserklavier“ von Luciano Bério, das pianistisches Feingefühl der Interpretin zeitigte.
Kammermusikalischer Leckerbissen
Zusammen mit Pirmin Grehl (Querflöte) gelang ein kammermusikalischer Leckerbissen: „Undine“ von Carl Reinecke. Schließlich gewann die Herzen der Zuhörer die Salonorchester-Ausstrahlung mit der „Moldau“ und „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß. Immer wieder gab es stürmischen Beifall.