Der zweite Abend des Bergstadtsommers war ein positives Überraschungserlebnis. Ein riesiges, begeistertes und viel Beifall spendendes Publikum lockte das Kirchenkonzert „Vivaldi & Bach“ in den Königsfelder Kirchensaal.
Organisator Karsten Dönneweg war überwältigt. Zwar täte es in der Seele weh, auf die Atmosphäre des Buchenberger Nikolaus-Kirchleins zu verzichten, doch wollte man ein derartiges Konzert einem größeren Publikum zugänglich machen.
Eine Heimat fand man im Saal der Herrnhuter Brüdergemeine. Die Rechnung ging auf, denn die Zuhörer strömten aus weitem Umkreis herbei.
Auf der Bühne stand ein professionelles, aufmerksames Ensemble mit Lilian Heere (Violine), Ingrid Philippi (Bratsche), Karsten Dönneweg (Violoncello), Josef Semeleder (Kontrabass) und Bernhard Fackelmann, der feine Harfentöne einem klangschönen Cembalo von Eckehart Merzdorf entlockte. Hinzu kam das perfekte Solisten-Geschwisterpaar Gesa Jenne-Dönneweg (Geige) und Hanno Dönneweg (Fagott), die auf hohem Niveau musizierten.
Notenmaterial des Venezianers
Die damaligen Zeitgenossen Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach begegneten sich nicht, doch der Eisenacher Meister bekam über verschiedene Kanäle Notenmaterial des Venezianers, die ihn zu Neukreationen animierten. Das Programm ließ markante Werke der beiden Barockepigonen hören. Zum Hörgenuss wurde bereits das Doppelkonzert BWV 1043, zu dem Lilian Heere die Eingangstakte mit leichtem, geworfenem Strich und lieblicher Tonbildung lieferte.
Als Pendant bot Gesa Jenne-Dönneweg kräftigen, voluminösen Geigenklang, und beide Solistinnen ergänzten sich im Zusammenwirken auf ansprechende Weise, um dem Kopfsatz Charakter zu verleihen. Zum genussvollem Erlebnis wurde das Largo, das in schillernden Farben und feinsinnigem Timbre ergänzende Ausdrucksstärke bewies.
Forsches Schluss-Allegro
Das forsche Schluss-Allegro krönte das Werk. Gesa Jenne-Dönneweg und ihre Mitstreiter bewiesen auch bei Vivaldis „L’Inverno“ Höchstleistung und verstanden es, winterliche Episoden plastisch darzustellen von knisternder Kälte, über wohlige Kaminstimmung bis krachendem Eis und wirbelndem Scirocco.
Der zweite Virtuose war Hanno Dönneweg, der das g-Moll-Konzert Vivaldis aus dessen Serie von 39 Fagottkompositionen auswählte. Dönnewegs reifer Ton, seine perfekte Atem- und Spieltechnik sind längst bekannt.
Hinzu kam der treffliche Ausdruck, um die Vorstellung des Italieners kunstvoll zu interpretieren. Er beherrschte die Szene, nahm seine Musiker mit und bezauberte mit dem kantablen Klang des Instruments. Gelungen war die Phrasierung, und in der ersten Geige hatte er eine ausgezeichnete Partnerin. In meditativem Charakter war das Largo gehalten, das Honig für Ohr und Seele transportierte.
Programmabschluss mit Bachs Orchestersuite
Einen besseren Programmabschluss als den mit Bachs Orchestersuite D-Dur hätte man nicht wünschen können. Und hier kam es: das Erkennungszeichen des Sommers – der zweite Satz „Air“! Insgesamt wurde eine bewundernswerte, in sich gerundete Wiedergabe mit mitreißenden Tanzsätzen des BWV 1068 geboten.