Gemütlich geht es auf dem Festival Nagold Double Stage zu. Unser Foto zeigt den Auftritt von Ambience im vergangenen Jahr. Foto: Thomas Fritsch

Zum zehnten Mal steigt das dreitägige Festival „Nagold Double Stage“. Der Aufwand ist riesig, der Zuspruch oft bescheiden. Dennoch ist den Machern das Festival wichtig.

„Wir freuen uns ab sofort auf Bewerbungen.“ Mit einem breiten Lächeln wirbt Chris Schäfer für die zehnte Auflage von „Nagold Double Stage“. Er ist motiviert, wie eh und je. Seine Vorfreude auf das dreitägige Festival ist groß. So ist das eben mit Herzensprojekten.

 

Dass der Förderverein der Alten Seminarturnhalle Jahr für Jahr im Sommer „Nagold Double Stage“ auf die Beine stellt, ist keine Selbstverständlichkeit. Rund 30 Live-Acts treten da an drei Festivaltagen auf. Der Aufwand für die ehrenamtlichen Helfer aus den Reihen des Vereins ist groß. Die Zuschauerzahl aber meist überschaubar. Warum also tut sich der Verein jedes Jahr diesen Stress an?

Die großen Zuschauermassen wurden noch nie erreicht

„Das sorgt schon immer wieder für Diskussionen im Vorstand“, erzählt Chris Schäfer. Bemängelt wird, dass der Aufwand angesichts der Besucherzahlen zu groß ist. Und das kann man so sehen. Denn ein Phänomen von Nagold Double Stage ist und bleibt, dass die großen Zuschauermassen noch nie erreicht wurden.

Dabei sind die auftretenden Künstler oft hochkarätige Musiker und Bands, meist aus der Region. Zudem bietet Nagold Double Stage auch vielen kreativen Newcomern eine Bühne. Tagsüber ist der Eintritt zu dem Festival sogar frei, erst am Abend, wenn die Headliner auftreten, wird Eintritt verlangt.

2016 fand das erste Festival statt. Foto: Thomas Fritsch

Das Rundumpaket ist also hochattraktiv. Wobei, das mit dem Zuspruch kann man relativ sehen. Es ist eben auch ein Kommen und Gehen. Und das Gelände ist groß. 300 Festivalbesucher hinterlassen auf dem gesamten Hof und in der Halle verteilt keinen wirklich vollen Eindruck. „Das verläuft sich halt auch“, sagt Wolfgang Schäfer, erster Vorsitzender des Fördervereins.

„Seit Corona gibt es immer weniger Auftrittsorte für Bands“

Wolfgang und sein Sohn Chris Schäfer sind jedenfalls Riesen-Fans der Veranstaltung. Da sind wir wieder bei dem Thema Herzblut. Mittlerweile haben sie gelernt zu akzeptieren, dass hohe Besucherzahlen schön wären, doch es eben nicht nur darum geht. „Wir sind ein Förderverein“, sagt Vereinschef Schäfer. Und mit Nagold Double Stage werden eben gezielt Künstler der Region gefördert.

„Seit Corona gibt es immer weniger Auftrittsorte für Bands“, weiß Schäfer. Den kulturellen Akteuren aus der Region eine professionelle Auftrittsplattform zu bieten, auch das sei ihnen beim Förderverein wichtig.

„Die Rückmeldungen der Bands sind so gut“, schwärmt Chris Schäfer. Und Vater Wolfgang fügt an: „Wenn du siehst, wie glücklich die nach ihren Auftritten sind, das motiviert.“ Den „Riesenaufwand“, trotz „überschaubarer Zuschauerzahlen“ – „das können wir schon einmal im Jahr leisten“, findet Wolfgang Schäfer.

Big Balls ist der Top Act am Samstagabend. Foto: Photodesign Guth

Bis auf die Top-Acts spielen die Bands bei Nagold Double Stage ohne Gage. Dafür werden sie aber genauso behandelt wie die großen etablierten Musiker, die sonst beim Förderverein auftreten. Es gibt einen gemütlichen Backstage-Bereich, sie werden bestens mit Essen und Getränken versorgt, und vor allem haben sie auf den zwei Bühnen professionelle Auftrittsbedingungen, was Licht und Technik anbetrifft. Nicht wenige Künstler haben ihre Bewerbungsvideos, mit denen sie sich um Gigs bemühen, im Rahmen von Nagold Double Stage erstellt.

Das Bewerbungsportal ist freigeschaltet

Für die Bands hat das Festival auch Messe-Charakter. Man zeigt sich und lernt sich auch gegenseitig kennen. Netzwerken ist auch in diesem Business angesagt. Auch Bandfreundschaften sind so schon entstanden. Und weitere Auftrittsmöglichkeiten.

In diesen Tagen ging das Bewerbungsportal wieder online. Rund 30 Bands – oder besser gesagt Kultur-Acts, denn nicht nur Musiker sind willkommen – werden für die drei Tage Festivalprogramm gesucht. Bewerbungen sind nur über die Homepage des Vereins möglich. Eine Grundvoraussetzung aber gibt es: Die Künstler müssen mindestens 20 Minuten Live-Programm bieten können – und zwar „handgemacht“, wie es im offiziellen Ankündigungstext des Fördervereins heißt. Bewerbungsschluss ist der 30. April.

Das Festival

Nagold Double Stage
findet 2026 vom 24. bis 26. Juli statt. Als Top-Acts stehen bereits fest: Ambience am Freitag, 24. Juli, und die AC/DC-Tribute-Band „Big Balls“ am 25. Juli. Der Sonntag, 26. Juli, ist als Familientag konzipiert.

Das Konzept
sieht eher kürzere Auftritte von verschiedenen Künstlern und Bands aus der Region vor. Dafür stehen zwei professionell ausgestattete Bühnen zur Verfügung, eine in der Halle, die andere im Hof. Zum Teil spielen also auch zwei Bands parallel. Bis auf die Headliner am Abend ist der Eintritt frei.

Bewerbungen
sind ab sofort und ausschließlich möglich über www.seminarturnhalle.de/doublestage-bewerbungen. Anmeldeschluss ist der 30. April. Bewerben können sich Solo-Künstler und Gruppen, die in den Genres Rock bis Heavy Metal, Pop, Folk, Jazz, Hip-Hop, Elektro, klassische Musik, Kabarett, Comedy und Poetry Slam, Artistik oder Jonglage unterwegs sind. Vorausgesetzt, sie können handgemachtes Material und ein Programm mit einer Dauer von mindestens 20 Minuten darbieten.