Reinhard Großmann hat sein 13. Buch vorgestellt. Foto: Schwarzwälder Bote

Noch genügend "Stoff" auf Lager hat der frühere Tennenbronner Gemeinderat und ehemalige Lehrer am Gymnasium Schramberg, Reinhard Großmann, um bis zu seinem 100. Lebensjahr jährlich zwei Bücher zu veröffentlichen. Mit "Wir dazwischen" ist nun ein "Roman einer Generation" erschienen.

Schramberg/Tennenbronn - "Wir dazwischen" heißt sein neuestes Werk, ein "Roman einer Generation", das jüngst erschienen ist – und für Herbst hat der Autor auch schon ein weiteres Buch in Planung.

Eigentlich sollte man nicht mehr als ein Buch pro Jahr herausbringen, erzählt Großmann, der nach dem Tod seiner Frau 2001 sechs Jahre später zu seinem Sohn nach Freienwill bei Flensburg umgezogen ist. In seinem Alter, so erzählt Großmann, dürfe man diese Regel aber nicht so ernst nehmen, denn er habe schon so viel geschrieben, dass es für jährlich zwei Bücher bis zu seinem 100. Geburtstag ausreiche – und so alt wolle er auch werden.

Geboren wurde Großmann 1934 in Landeshut/Schlesien (heute Kamienna Góra). Er lebte seit 1945 in Baden-Württemberg, hatte Englisch, Geschichte und evangelische Theologie in Tübingen, Kiel und Rochester N.Y. studiert und war von 1964 bis 1999 Lehrer am Gymnasium in Schramberg.

Mit dem Roman "Wir dazwischen" legt Großmann mittlerweile sein 13. Werk vor. Hauptperson ist ein Großvater im Gespräch mit seiner Enkelin, ein Mann, der am Zweiten Weltkrieg aufgrund seines Alters nicht aktiv teilnehmen musste und in der Zeit der außerparlamentarischen Opposition seine Studienjahre bereits hinter sich hat. Ihr erzählt er die Erlebnisse ausgehend von seinem 50. Geburtstag.

Großmann schreibt dazu: "Wir sind schon eine besondere Generation. Nach einer aufregenden Kindheit im Krieg mit Luftangriffen und Fluchtgeschichten wuchsen wir in ruhigen, fast erstarrten Verhältnissen auf, und als 1968 der nächste Aufreger kam, waren wir schon ›in Amt und Würden‹. Deshalb nennt Enkelin Sophie die Generation ihres Großvaters eine ›Zwischengeneration‹."

Der Impuls, dieses Werk zu schreiben und zu veröffentlichen habe lange zurückgelegen, berichtet der Autor. Dabei sei es ihm darum gegangen, diese Generation einmal zu Wort kommen zu lassen. In den Buchkapiteln bedient sich Großmann eines episodischen Charakters: Vieles davon hat er selbst erlebt, vieles aber auch beobachtet. Dies zusammen soll die "typische Erfahrung aus diesen Jahren" vermitteln.

Leser des Buchs, die Großmann kennen – und davon dürfte es in Schramberg und Umgebung einige geben – stellen schnell fest, dass Erlebtes und Beobachtetes teilweise verwoben sind, aber auch eigenständig nebeneinander existieren. So fließen viele Erinnerungen an die Schule ein, anderes passt überhaupt nicht zu seiner Vita. "Ich schreibe nicht gerne über mich", sagt Großmann dazu und so hat beispielsweise der Großvater in dem Buch auch nicht evangelische, sondern katholische Theologie studiert. Dies habe er bewusst angepasst, sagt der Autor im Gespräch, um möglichst alle Erfahrungsbereiche dieser besonderen Generation abdecken zu können, "ein breites Spektrum zu kriegen".

Fiktion ist auch Albertine Beckerath, eine imaginäre Heimatdichterin, die bezeichnenderweise "1918 während einer großen Grippeepidemie" verstarb und deren Nachlass, den der Großvater im Buch ordnet. Indes: Zu ordnen und sortieren hat Großmann noch einiges. Denn im Hinblick auf das künftige Erscheinen seiner Bücher überarbeite er seine vorhandenen Manuskripte und passe sie an, berichtet er.

Übrigens: Auch im hohen Norden ist Großmann noch immer seiner zweiten Heimat im Schwarzwald verbunden. Seine E-Mail-Adresse enthält noch immer ein "tbronn".