Mit Schichtdiensten, Prioritätenlisten und moderner Technik bereiten sich die Kommunen auf winterliche Herausforderungen vor und sichern Verkehrswege.
Glatte Straßen, unnötige Fahrten absagen, Lebensgefahr – der deutsche Wetterdienst warnt vor der Lage am Wochenende. Tief Elli soll dann nämlich für Schnee, Sturm und Eisglätte sorgen. Die Kinzigtäler Bauhöfe stehen parat und sind bestens vorbereitet. „Es ist alles gerichtet, die Fahrzeuge stehen abfahrfertig in der Halle“, fasst Haslachs Bauhofleiter Hermann Braig im Gespräch mit unserer Zeitung zusammen.
Der Haslacher Bauhof hat ab dem 1. November bis zum 31. März für den Räumdienst eine Bereitschaft eingerichtet. Dieser setzt sich zusammen aus den 20 bis 25 Angestellten des Bauhofs plus einigen Mitarbeitern der Stadtgärtnerei und ist in Schichten eingeteilt. Für jede dieser Schichten wird ein Leiter bestimmt. Dieser stellt sich je nach Wetterlage einen Wecker für 3 Uhr – auch am Wochenende und an Feiertagen. „Er schaut dann, wie das Wetter ist und fährt gegebenenfalls los“, berichtet Braig. Stelle er unterwegs fest, dass er es nicht alleine schaffe, rufe er seine Kollegen in der Bereitschaft an, die ihn dann unterstützen.
Insgesamt stehen dem Haslacher Bauhof für die Räumarbeiten zwei Großfahrzeuge, ein Schlepper, ein Gerätewagen und ein Kleinbulldog zur Verfügung. Diese sind besonders ausgestattet. Bei herausfordernder Wetterlage ziehen die Bauhof-Mitarbeiter besondere Ketten auf deren Reifen. Diese sind besonders stabil, mit Spitzen für besseren Grip ausgestattet, individuell auf die Reifen der Fahrzeuge angepasst und so schwer, dass sie nur schwer von einem, besser von zwei Mitarbeitern aufgezogen werden können.
Eine Handgruppe kümmert sich um Überwege
Neben dem Schlepper, Lastwagen und anderen Gefährten gibt es in Haslach auch eine Handgruppe aus drei Mann, die sich um kleinere Arbeiten kümmert und zum Beispiel Überwege und Zebrastreifen frei räumt.
Laut Braig gibt es eine Prioritätenliste, die bestimmt, wo der Bauhof beginnt, Schnee und Eis zu beseitigen. „Wir fangen grundsätzlich bei den Steigungen an; auch Brücken und Schulwege müssen zeitig frei werden“, erklärt der Leiter des Bauhofs. Grundsätzlich ist der Bauhof Haslach für alle Wege und Straße zuständig, die der Stadt gehören. Die Bundesstraßen übernimmt die Straßenmeisterei des Ortenaukreises.
Wie lange die Arbeiter brauchen bis sie alles geräumt haben, hängt laut Braig von mehreren Faktoren ab: Ob nur gestreut oder auch Schnee entfernt werden muss, wie viele Fahrzeuge am Straßenrand stehen und natürlich wie stark der Niederschlag ist. „Wenn wir nur streuen müssen, können wir in drei Stunden fertig sein; ist mehr zu tun, kann es auch mal acht Stunden dauern“, berichtet Braig von seinen Erfahrungen. Bei anhaltendem, starken Schneefall ist der Bauhof im Dauereinsatz. Dann müssen die Schichten sich abwechseln.
Braig zeigt sich aber zuversichtlich, dass es dazu nicht kommen wird. „Massive Schneefälle, die dazu führten, hatten wir schon lange nicht mehr“, sagt er. Er erinnert sich aber sehr wohl daran, dass vor einigen Jahren einige seiner Kollegen sogar an Heiligabend losfahren mussten, um zu räumen.
Ähnlich wie die Kollegen in Haslach sind auch die Wolfacher organisiert. Auch sie arbeiten in einem Schichtsystem, das je nach Wetterlage tätig wird. Den Wolfachern stehen insgesamt fünf Fahrzeuge für Räumarbeiten zur Verfügung, darunter ein Unimog, Kleinlastwagen und ein Schlepper. „Aber wir haben auch zwei Fremdunternehmen, die uns bei Bedarf unterstützen“, berichtet Bauhofleiter Michael Schönauer. Bei der schlimmsten Wetterlage sind in Wolfach alles in allem 15 Mann im Einsatz.
In Wolfach sind bis zu 15 Mann ein Einsatz
Auch in Wolfach arbeitet der Bauhof mit einer Prioritätenliste, die von einem Versicherer erstellt wurde. Schönauer betont in diesem Zusammenhang: „Da kann es eben auch mal passieren, dass ein Räumfahrzeug an einem vorbeifährt, um erst einmal die Schulwege frei zu machen.“
Der Bauhof Wolfach ist neben den Straßen im Tal auch für das Moosenmättle und St. Roman zuständig. „Da müssen dann immer die großen Fahrzeuge hin. Aber die Leute da oben sind glücklicherweise Schnee gewohnt und sind dementsprechend darauf vorbereitet. Die haben fast alle Fahrzeuge mit Allradantrieb“, so Schönauer.
Bei schwierigen Straßenverhältnissen stattet der Bauhof Wolfach seine Schlepper und Lastwagen ebenfalls mit speziellen Unterwerfketten aus. Diese sind an den Gefährten befestigt und lassen sich laut Schönauer bei Bedarf auf Knopfdruck herabsenken.
Und was passiert, wenn die Straßenverhältnisse so schwierig sind, dass die Räumer nicht zu ihren Räumfahrzeugen kommen? „Da werden wir kreativ. Ich habe auch schon mal mit dem Unimog die Kollegen abgeholt“, berichtet der Bauhofleiter.
Bei einer Wetterkapriole fährt der Bauhof allerdings nicht los. „Bei Blitzeis machen wir nichts. Bis wir da unterwegs sind, ist der Spuk meistens schon vorbei“, sagt Schönauer.
Wettervorhersage
In der Nacht zum Samstag rechnet der Wetterdienst (DWD) mit Regen und Schnee, zum Sonntag hin sollen die Temperaturen unter 0 Grad fallen. In mehreren Regionen des Schwarzwalds gilt bis in die Nacht zum Sonntag eine Unwetterwarnung der Stufe drei und vier. Außerdem soll es stark schneien. Im Schwarzwald sei mit bis zu 50 Zentimetern Neuschnee zu rechnen.